Schweiz erwartet Trendwende

3. August 2009, 14:24
posten

Laut Umfragen soll es am Schweizer Arbeitsmarkt bald wieder aufwärts gehen - Der Gewerkschaftsbund fordert Lohnerhöhungen ein

Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz dürfte in den nächsten Monaten zwar weiter ansteigen, allerdings könnte die Talsohle der Krise auf dem Arbeitsmarkt schon bald durchschritten sein. Darauf lässt zumindest der Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) schließen.

"Breit gestützte" Trendwende

Der Indikator weist für den Juli einen deutlich negativen Wert von -11,1 auf, wie aus einer Presseaussendung vom Montag hervorgeht. Dementsprechend sei mit einem spürbaren Beschäftigungsabbau bis Ende des Jahres zu rechnen, so das KOF.

Da der Indikator im Vergleich zum April, als er sich auf -14,2 belief, bereits wieder gestiegen ist, werde sich der Beschäftigungsrückgang in den kommenden Monaten jedoch nicht noch weiter verstärken.

Mit Ausnahme des Einzelhandels würden alle Branchen wieder etwas bessere Zahlen aufweisen als bei der letzten Veröffentlichung des Indikators. Die mögliche Trendwende auf dem Arbeitsmarkt scheine somit breit abgestützt, teilte die KOF mit.

Der KOF-Beschäftigungsindikator basiert auf Umfragen in neun Unternehmenssektoren. Er soll eine frühe Einschätzung über die Lage auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt geben.

Gewerkschaftsbund fordert mehr Lohn trotz Wirtschaftskrise

Der Schweizer Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse fordert unterdessen mehr Lohn - trotz Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit. Lohnerhöhungen stützten den Privatkonsum und somit das Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft, begründete Susanne Blank von Travail.Suisse dies am Montag bei einer Pressekonferenz in Bern.

Im kommenden Jahr drohe der private Konsum einzubrechen, zudem sinke das verfügbare Einkommen wegen der steigenden Krankenkassenprämien. Daher sei eine Lohnerhöhung zum heutigen Zeitpunkt "als Teil eines Konjunkturprogramms" zu betrachten.

Reale Lohnerhöhungen von bis zu zwei Prozent seien in jenen Branchen angebracht und volkswirtschaftlich sinnvoll, welche von der Wirtschaftskrise bisher nicht oder höchstens am Rande betroffen seien. Dies treffe namentlich auf Teile des Gewerbes - insbesondere das Bauhaupt- und Baunebengewerbe - zu. Aber auch das Gesundheitswesen, die Elektrizitätswirtschaft oder der Stahl- und Metallbau schlügen sich gut durch die Krise. Daneben seien auch in der Pharmaindustrie starke Halbjahresergebnisse verkündet worden.

Niedrigverdiener sollen profitieren

Während der Hochkonjunktur seien die Arbeitnehmenden "die Geprellten" gewesen, da die Löhne im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur moderat gewachsen seien. "Es besteht nach wie vor ein frappanter Lohnrückstand", erklärte Blank weiter.

Profitieren von den Lohnerhöhungen sollen vor allem die tiefen Einkommen. Für Manager sei eine Nullrunde angesagt. Dies werde dazu führen, dass sich die Lohn-Schere wieder etwas schließe, dass also die Unterschiede zwischen den hohen und tiefen Löhnen in einem Unternehmen wieder abnähmen. (APA)

Share if you care.