Einigung bei Verkauf rückt näher

5. August 2009, 13:14
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Verhandler sehen Vorankommen – Auto-Experte Dudenhöffer bleibt aber skeptisch

Rüsselsheim/Detroit/Frankfurt/Tokio - Die Hängepartie um den Opel-Verkauf könnte diese Woche zu Ende sein. Der Verwaltungsrat der Opel-Mutter General Motors (GM) hat zwar am Dienstag kein Votum abgegeben, an wen Opel gehen soll. Die GM-Führung scheint sich aber von ihrer Präferenz für Finanzinvestor RHJ zu distanzieren.

Nach einem Gespräch im deutschen Wirtschaftsministerium mit Verhandlern von GM und RJH wurde am Dienstagabend Zuversicht signalisiert:"Wir sind einen deutlichenSchritt vorangekommen" , sagte der Chef der Regierungsverhandler, Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Hormann. Alle Partner sähen sich in der Lage, "bis Ende der Woche miteinander klarzukommen" . DieRegierung habe beide Bieter mit der Forderung nach mehr Eigenkapital konfrontiert.

Negativer sieht es der deutsche Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. GM spiele auf Zeit und wolle seine Tochter Opel in die Insolvenz treiben. Bei einer solchen könnte sich GM "ohne große Sozialleistungen" der Opel-Standorte Antwerpen, Bochum, Kaiserslautern und Ellesmere Port "entledigen" , hat der Experte für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in einer Analyse geschrieben.

Kalkül der Amerikaner

GM versuche, die Entscheidung bis nach der deutschen Bundestagswahl hinauszögern, damit der politische Druck aus Deutschland geringer werde. Dudenhöffers glaubt, dass GM weiter den Finanzinvestor RHJ bevorzugt, weil der US-Konzern später leichter Anteile zurückkaufen und Opel wieder integrieren könnte. Das Kalkül der Amerikaner sehe folgendermaßen aus: Da sich Deutschland gegen RHJ ausgesprochen hat, könnte es sein, dass die Länder die staatlichen Bürgschaften kündigten. "Damit bliebe die Insolvenz. Das ist mit Sicherheit ein Szenario, das bei GM genau geprüft wird" , schreibt Dudenhöffer. Er gehe davon aus, dass GM seinen Einfluss bei Opel behalten möchte.

Konstruktive Gespräche

Heute hieß es von einer Sprecherin von GM-Europe in Zürich, GM wolle in Kürze die Angebote der beiden Bieter bewerten. Eine Einigung über einen Verkauf von Opel an den Interessenten Magna hänge nur noch an Kleinigkeiten hieß es aus dem Magna-Unternehmensumfeld in Österreich. Demnach sind die Verhandlungen zwischen GM und Magna in Berlin momentan sehr konstruktiv. Man sei einen wichtigen Schritt vorangekommen. Alle Seiten seien weiter aufeinander zugegangen, in den Verhandlungen herrsche ein neuer Ton.

"Wenn man will, kann man das sehr schnell zum Abschluss bringen", sagte eine mit dem Stand der Verhandlungen vertraute Person. Wahrscheinlich werde bis Ende der Woche weiterverhandelt, dann könne es aber vielleicht endlich Klarheit über die weitere Entwicklung geben.

Durchwachsene Quartalsmeldungen

 

Durchwachsene Quartalsmeldungen kamen von der Konkurrenz. Der weltgrößte Autobauer Toyota hatte den dritten Quartalsverlust in Folge - und blickt trotzdem etwas optimistischer in die Zukunft. Dank massiver Sparmaßnahmen und staatlicher Kaufanreize wie einer Abwrackprämie rechnet der japanische Konzern nun nur mehr mit geringeren Verlusten. Auch BMW sieht sich wieder in der Gewinnzone. Der deutsche Automobilhersteller erwirtschaftete nach zwei Quartalsverlusten zuletzt wieder einen Gewinn.

Auch in den USA wurde dank Abwrackprämie der Absturz der Branche etwas gebremst; Ford konnte umsatzmäßig im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Es mehren sich aber in den USA Bedenken, ob die Abwrackprämie der Branche nachhaltig hilft. (dpa, Reuters, AP/red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

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    GM-Chef Fritz Henderson

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