Die weibliche Seite des Kommunismus

3. August 2009, 11:39
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Katie Mitchell inszeniert Luigi Nono-Oper "Al gran sole carico d'amore" als sakrales Hightech-Spektakel

Salzburg - Erst dreimal ist Luigi Nonos große Oper "Al gran sole carico d'amore" in Szene gesetzt worden. Einmal bei der Uraufführung 1975 in Mailand. Dann 1978 in Frankfurt und dann 1998 von Martin Kusej in Stuttgart. Die Premiere dieser Azione scenica über die weibliche Seite der kommunistischen Hoffnung bei den Salzburger Festspielen 2009 ist also erst die vierte Inszenierung in der Operngeschichte. Gestern, Sonntag, Abend war die Premiere dieses Werkes für großes Orchester, Chor und SolistInnen in der Felsenreitschule. Und das Salzburger Publikum hat das Hightech-Spektakel von Regisseurin Katie Mitchell zu Recht akzeptiert und einhellig beklatscht.

Weder Handlung noch Interaktion

"Al gran sole carico d`amore" ist keine Oper im herkömmlichen Sinn. Es gibt weder Handlung noch Interaktion von Akteuren. Der Text ist eine Zitaten-Sammlung von Autoren wie Lenin, Marx, Brecht, Gorki, Che Guevara oder Pavese. Im Mittelpunkt stehen fünf historische oder fiktive Frauen, die in die geschichtlichen Schlüssel-Ereignisse des Kommunismus verwickelt waren. Katie Mitchell versucht, diese kämpferischen oder passiv-leidenden Frauenfiguren mittels Schauspielerinnen und Live-Kameras sowie aufwendiger als auch eindringlicher Bildersymbolik greifbar zu machen. Herausgekommen ist dabei ein sakrale Beschwörung von Lebensgefühl im Klassenkampf. Für die Meschen an sich bleibt - wie so oft in Revolutionen - zu wenig Raum.

Ingo Metzmacher ist der umsichtige Dirigent dieser Produktion, der die Wiener Philharmoniker, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, sowie sechs weibliche und sechs männliche Gesangs-SolistInnen souverän durch die hoch komplizierte Partitur führt. Unterm Strich: Ein außergewöhnliches wiewohl hoch anspruchsvolles Opern-Ereignis mit politischen, musikalischen, ästhetischen und szenischen Ecken und Kanten. (APA)  

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