Anschlag "voll Hass" auf Homosexuelle

2. August 2009, 19:57
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Im israelischen Tel Aviv hat ein Mann in einem Treff für homosexuelle Jugendliche um sich geschossen - Zwei Menschen starben - Politiker verurteilten die Tat, für das Oberrabinat ist sie "schändlich"

Ein vermummter und mit einer Pistole bewaffneter Mann hat in einem Club für homosexuelle Jugendliche in Tel Aviv ein Blutbad angerichtet. Der Täter tötete laut Polizeiangaben Samstagabend zwei Menschen und verletzte weitere elf, bevor er zu Fuß flüchtete. Wie die israelischen Rettungsdienste mitteilten, starben ein 24 Jahre alter Mann und ein 17-jähriges Mädchen sofort. Von den elf Verwundeten hätten drei schwere Verletzungen erlitten.

Der laut Augenzeugen ganz in Schwarz gekleidete Mann betrat den Club "Cafe Noir" am späten Abend. Wie die Polizei mitteilte, zog er seine Schnellschusswaffe und schoss in alle Richtungen. Dann floh er. Der Angreifer soll in der Folge versucht haben, eine weitere nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Der dortige Wachposten jedoch dürfte ihm den Zutritt dort verwehrt haben. Hunderte Polizisten durchsuchten nach dem Anschlag die Umgebung. Straßenblockaden wurden errichtet. Zunächst ohne Erfolg.

Beschmierungen im Vorfeld

"Das war eine Tat voll Hass, ein geplantes Verbrechen", sagte Augenzeuge Janiv Weisman dem Fernsehsender Kanal 10. Polizeisprecher Micky Rosenfeld erklärte, dass es sich um eine kriminelle Handlung ohne terroristischen Hintergrund gehandelt haben dürfte. SprecherInnen der Homosexuellen-Vereinigung, die den Jugendtreffpunkt betreibt, gingen von einem gezielten Angriff auf ihre Gemeinschaft aus. Der Eingang des Zentrums sei in der Vergangenheit auch mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

Premierminister Benjamin Netanjahu sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sagte, man werde den Attentäter mit aller Härte des Gesetzes bestrafen. Oppositionsführerin Zipi Livni zeigte sich schockiert. Staatspräsident Shimon Peres betonte, ein kultiviertes und aufgeklärtes Volk könne sich mit solch einem "furchtbaren Mord an Jugendlichen nicht abfinden. Mord und Hass sind die schlimmsten Verbrechen der Gesellschaft." Das israelische Oberrabbinat verurteilte die "schändliche und inakzeptable Tat". Auch die ultraorthodoxe Shas-Partei verurteilte die Bluttat.

Mit dem Ruf nach Toleranz und im Gedenken an die Opfer versammelten sich noch in der Nacht auf Sonntag tausende Menschen in Tel Aviv zu einem Trauermarsch. Tel Aviv ist für seine liberale Haltung gegenüber Homosexuellen bekannt. Im konservativeren Jerusalem kommt es öfter zu Auseinandersetzungen zwischen HomosexuellenaktivistInnen und Ultraorthodoxen. 2005 hat dort ein ultraorthodoxer Jude drei Teilnehmer einer Homosexuellenparade erstochen. (AFP, dpa, spri, DER STANDARD; Printausgabe, 3.8.2009)

  • Nach der Bluttat im Club "Cafe Noir" versammelten sich spontan tausende Menschen zu einem Trauermarsch, bei dem sie zu Toleranz aufriefen und der Todesopfer gedachten.
    epa/pavel wolberg

    Nach der Bluttat im Club "Cafe Noir" versammelten sich spontan tausende Menschen zu einem Trauermarsch, bei dem sie zu Toleranz aufriefen und der Todesopfer gedachten.

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