Blutiger Anschlag der Taliban

3. August 2009, 18:06
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Zahl der getöteten ausländischen Soldaten auf Rekordstand vor Präsidentenwahlen

Kabul - Fast zeitgleich zum Amtsantritt des neuen Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen und wenige Wochen vor den Präsidentenwahlen in Afghanistan demonstrierte ein neuer blutiger Anschlag die prekäre Sicherheitslage am Hindukusch: Eine ferngezündete Bombe am Straßenrand im westafghanischen Herat tötete am Montag mindestens zwölf Menschen, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Mindestens 26 weitere Personen wurden verletzt. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zum Anschlag.

Ein Taliban-Sprecher sagte, der Anschlag habe dem Distrikt-Polizeichef Chodscha Issa gegolten. Dieser wurde nach offiziellen Angaben schwer verletzt. Bei den meisten Opfern handelt es sich offenbar um Passanten. Zwei Polizisten starben. Die Taliban haben vor der Wahl am 20. August ihre Angriffe verstärkt. In der Provinz Ghasni südöstlich von Kabul warnen sie auf Plakaten davor, am Wahltag und einen Tag zuvor aus dem Haus zu gehen. „Um diesen illegitimen Prozess zum Scheitern zu bringen, werden Kämpfer intensiv Wahlbüros angreifen", hieß es.

Die Gewalt in Afghanistan ist auf dem höchsten Stand seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 gestiegen. Entsprechend der neuen Strategie von US-Präsident Barack Obama greifen amerikanische und britische Truppen die Taliban in ihren Hochburgen im Süden des Landes an. Dort liegt auch der Schwerpunkt des Opium-Anbaus, mit dem der Aufstand der Islamisten teilweise finanziert wird.

Die Zahl der getöteten ausländischen Soldaten erreichte im Juli einen Rekordstand: Mindestens 71 wurden getötet. Allein am vergangenen Wochenende starben neun Angehörige der in Afghanistan stationierten Truppen, darunter sechs Amerikaner. Seit 2001 sind rund 1300 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet worden, darunter laut Angaben von Montag 766 US-Amerikaner, 191 Briten, 127 Kanadier und 35 Deutsche.

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner plädierte für einen Dialog mit den Taliban. „Natürlich muss man mit den Taliban verhandeln, zumindest mit denen, die bereit sind, ihre Waffen niederzulegen und den Dialog aufzunehmen", sagte er der Zeitung Le Figaro am Montag. Auch der Chef der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan, Kai Eide, hatte sich am Sonntag für ein umfassendes Gesprächsangebot an die Taliban ausgesprochen. Der Chef der internationalen Schutztruppe Isaf, Stanley McChrystal, verlangte von der deutschen Bundeswehr mehr Einsätze gegen die Aufständischen. Er sei besorgt über die Lage im Raum Kundus. (Reuters, AP, red/ DER STANDARD Printausgabe, 4.8.2009))

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