Häuptling der Rekordjäger

2. August 2009, 22:35
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Michael Phelps schloss die Langbahn-WM in Rom mit seinem 5. Gold ab. Deutsche Steffen mit Kraul-, Lochte mit Lagen-Doppelgold - 43 Weltrekorde - Medaillenwertung an USA

Rom - Die am Sonntag zu Ende gegangenen Langbahn-Bewerbe der 13. Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom haben die Rekordzahl von 43 Weltrekorden gebracht. Am Finaltag der Titelkämpfe steuerten noch die Deutsche Britta Steffen über 50 m Kraul, der Brite Liam Tancock über 50 m Rücken, die Russin Julia Jefimowa über 50 m Brust sowie die US-Staffel über 4 x 100 m Lagen mit Superstar Michael Phelps Weltbestleistungen bei.

Phelps holte im Team mit Aaron Peirsol, Eric Shanteau und David Walters neben einmal Silber sein fünftes Gold bei diesen Weltmeisterschaften und avancierte damit vor Lochte wieder einmal zum erfolgreichsten Athleten eines Großereignisses. Zudem war es für den 14-fachen Olympiasieger der schon insgesamt 22. WM-Titel. In 3:27,28 Minuten drückte die US-Staffel seinen von Olympia in Peking stammenden Weltrekord um 2,06 Sekunden.

Während Peirsol so nebenbei in 52,19 Sekunden einen WM-Rekord über 100 m Rücken fixierte, holten die Deutschen mit Doppel-Weltmeister Paul Biedermann als Schlussmann in der Europarekordzeit von 3:28,58 Silber. Nur 6/100 dahinter ging Bronze an Australien. Phelps zog ein zufriedenes WM-Resümee: "Noch ein Weltrekord ist ein schöner Bonus. Ich wollte nach Olympia in Peking wieder zurückkommen, und ich habe es geschafft."

Steffen benötigte im schnellsten Damen-Sprint der Geschichte eine Verbesserung des Weltrekords der Niederländerin Marleen Veldhuis um 23/100, um sich wie bei Olympia 2008 auch über die zweite der kürzeren Kraulstrecken durchzusetzen. Therese Alshammar wurde 15/100 hinter den 23,73 Sekunden Steffens Zweite. Während es für Cate Campbell (AUS) und Veldhuis (NED) in 23,99 Bronze gab, ging der 42-jährige US-Routinier Dara Torres als Achte leer aus.

Im Rücken-Sprint machte Tancock zwar nicht seine Ankündigung von der ersten Zeit unter 24 Sekunden wahr, doch in 24,04 Sekunden war er doch immerhin um 4/100 schneller als am Vortag im Semifinale. Im Brust-Sprint schlug Jefimowa in 30,09 Sekunden um 2/100 vor der US-Amerikanerin Rebecca Soni an. Bronze ging an die Australierin Sarah Katsoulis. Den bisherigen Weltrekord hatte die Kanadierin Amanda Reason mit 30,23 gehalten.

Es gab aber auch Endläufe ohne Weltrekorde, u.a. in beiden 400-m-Lagen-Rennen. Bei den Herren gab es durch Ryan Lochte in 4:07,01 Minuten und Scott Tyler Clary in 4:07,31 einen US-Doppelsieg, für den Ungarn Laszlo Cseh blieb nur Bronze. Lochte beerbte damit in Rom auf beiden Lagen-Strecken den da diesmal nicht angetretenen Phelps als Titelträger. Es ist der bereits sechste US-WM-Titel in diesem Bewerb, die Ungarn blieben bei deren fünf.

Bei den Damen ging die lange Lagenstrecke an die Ungarin Katinka Hosszu. In 4:30,31 Minuten markierte die 20-Jährige neben WM- auch Europarekord. Kirsty Coventry aus Simbabwe gewann vor der australischen Weltrekordlerin Stephanie Rice Silber. Hosszu ist neben der Schwedin Sarah Sjöström die weibliche WM-Entdeckung. Und Hosszu blickte auch schon voraus: "Die EM nächstes Jahr vor Heimpublikum in Budapest wird sehr aufregend für mich."

Über 1.500 m Kraul holte sich Oussama Mellouli doch noch Gold, nachdem er über 400 und 800 m Zweiter gewesen war. In 14:37,28 Minuten verpasste der Tunesier aber den am 29. Juli bei der Fukuoka-WM 2001 von Grant Hackett fixierten Weltrekord um 2,72 Sekunden. Der Australier hält damit weiter eine von nur noch zwei vor der High-Tech-Anzugära fixierten Langbahn-Weltbestmarken. Der andere ist jener von Kate Ziegler (USA) über 1.500 m Kraul.

Im Medaillenspiegel setzten sich wieder einmal die USA durch, mit 10-mal Gold sowie 22 Medaillen waren Phelps und Co. auf allen Gebieten überlegen. Die wiedererstarkten Deutschen arbeiteten sich vor allem dank jeweiligem Doppelgold von Biedermann und Steffen vor China und Australien auf Rang zwei vor. Österreich belegte mit der Bronze-Medaille von Mirna Jukic über 200 m Brust den geteilten 22. Platz.

Die FINA-Trophy für die erfolgreichsten Athleten ging an Phelps sowie die Italienerin Federica Pellegrini, Doppel-Weltmeisterin und -Weltrekordlerin von Rom 2009. Die Team-Trophy holten die USA. In der Gesamtwertung aller 65 Entscheidungen dieser Weltmeisterschaften überholten die USA das von Beginn an führende China mit dem abschließenden Staffel-Sieg, beide Nationen holten 11-mal Gold. Österreich wurde 24., 30 Länder sind klassiert.

Die im Anschluss an die Finalrennen vor vollen Rängen abgehaltene, schwung- und stimmungsvolle Schlussfeier wurde dem Weltverband FINA durch den Tod seines japanischen Vizepräsidenten Hironoshin Furuhashi (Jahrgang 1928) getrübt. Der Weltrekordler aus den Vierzigern über 1.500 m Kraul war auch NOK- und Verbandspräsident seines Landes, er starb wie OSV-Präsident Otmar Brix 2003 bei der Barcelona-WM in der Nacht in seinem WM-Hotel. (APA)

  • Michael Phelps durfte in Rom über fünf Goldmedaillen jubeln.
    foto: epa

    Michael Phelps durfte in Rom über fünf Goldmedaillen jubeln.

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