Ein Freund für alle Fälle

2. August 2009, 19:08
2 Postings

Thailändischer Ex-Premier bekam montenegrinischen Pass - Gute Geschäfte Montenegros mit Berlusconis Italien

Sie ist etwa zwei Kilometer lang und besitzt eine Fläche von 36 Hektar. Im Volksmund wird sie auch Hawaii genannt. Auf der Insel Sveti Nikola vor Montenegro steht noch kein Hotel. Doch das könnte sich bald ändern. Montenegrinischen Medien zufolge soll der ehemalige Premier von Thailand, Thaksin Shinawatra, 100 Millionen Euro für das Eiland hinterlegt haben. Offiziell gehört es noch der Prva Banka.

Thaksin ist auch Inhaber eines montenegrinischen Passes. Wahrscheinlich seit Beginn 2008 - die Regierung in Podgorica will unter Berufung auf den Datenschutz nicht sagen, wann er ausgestellt wurde. Thaksin, der am 21. Oktober 2008 in Abwesenheit in Thailand zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, hat aber ohnehin auch einen Diplomatenpass von Nicaragua.

Montenegro hat viele einflussreiche Freunde. Der russische Oligarch Oleg Deripaska, der das Aluminiumwerk KAP kaufte, feierte 2006 mit dem ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain dessen Geburtstag in Montenegro. Als Tschechien den Vorsitz in der EU innehatte, besuchte der damalige Premier Mirek Topolánek seinen Amtskollegen Milo Djukanovic, der gerade im Wahlkampf war.

Ebenfalls im Frühling kam Silvio Berlusconi nach Podgorica zu seinem "Freund" Djukanovic. In Podgorica wird nun gemunkelt, dass dieser Besuch besonders erfolgreich war. Denn vergangene Woche hat Montenegro ein Angebot der griechischen Verbundgesellschaft DEI und der Golden Energy One Holding für den Kauf von Anteilen an der montenegrinischen Elektrizitätsgesellschaft Electroprivreda Crne Gore (EPCG) zurückgewiesen, obwohl das griechische Angebot besser war als das der italienischen A2A. Viele in Montenegro fragen sich nun, warum das der staatliche Privatisierungsrat akzeptiert.

Montenegro begründete die Ablehnung des griechischen Offerts damit, dass es nicht den Regeln entsprochen habe. DEI hatte 11,1 Euro pro Anteil angeboten, A2A nur 8,4 Euro. Doch A2A hatte bereits im Mai 15 Prozent von lokalen Shareholdern gekauft. Zudem hatten im Juni italienische Investoren angeboten, fünf Milliarden Euro in Energieprojekte und Infrastruktur in Montenegro zu investieren; auch ein Unterwasserkabel soll verlegt werden.

Das Verfahren gegen Djukanovic in Bari in Italien wurde unterdessen eingestellt, weil der Premier durch die Immunität geschützt ist. Es ist allerdings noch unklar, ob sich einige seiner engsten Mitarbeiter trotzdem vor Gericht verantworten müssen.

Gegen Djukanovic wurde jahrelang wegen Zigarettenschmuggels in den 1990ern ermittelt. Erst vor wenigen Tagen hat einer seiner ehemaligen Mitarbeiter, Ratko Knezevic, in einem Interview Djukanovic als den Kopf des Zigarettengeschäfts in den 1990ern bezeichnet.

Djukanovic hatte das Geschäft immer wieder als legalen Wiederexport von westlichen Zigarettensorten nach Italien dargestellt, die Podgorica Budgetseinnahmen während des UN-Embargos gegen Jugoslawien gesichert hätten. Knezevic sagte allerdings, dass noch nach dem Ende des Embargos zwischen 1999 und 2000 mehrere Milliarden Dollar erwirtschaftet wurden. Den Premierminister lassen die Vorwürfe kalt, er bezeichnet sie als Lügenpropaganda. (awö/DER STANDARD, Printausgabe, 03.08.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Montenegriner: Thailands Ex-Premier Thaksin.

Share if you care.