Der Papagei-Staat des Milo D.

2. August 2009, 19:01

Er ist seit 18 Jahren fast ununterbrochen an der Macht - Sein Bruder ist ein wichtiger Banker, seine Freunde sind Unternehmer

Ex-Kommunist Milo Djukanović hat genug Einfluss in Montenegro, um das Land zu steuern. Nebenbei ist er auch Premier.

* * *

Ein Student hatte gerade die Frage gestellt, ob der Professor nicht mit Konsequenzen rechnen müsse, wenn er die Regierung so kritisiere, da lief ein Postbeamter in den Hörsaal. Er habe einen dringenden Anruf. Der dringende Anruf kam von der Staatsanwaltschaft, die über einen Artikel Auskunft haben wollte, den der Soziologe Milan Popovic in einer Zeitung geschrieben hatte. Das war kurz vor der Parlamentswahl im März dieses Jahres. Und Popovic gehört in Montenegro zu den dezidiertesten Kritikern des Premierministers. "Ich hatte den Eindruck, dass denen befohlen wurde, mich anzurufen", sagt er zum Standard.

Montenegro ist ein wunderschönes Land mit wilden Bergen und azurblauem Wasser vor venezianischen Städten. Wer allerdings gegen die Regierung unter Premier Milo Djukanovic aufmuckt, wie es einige Medien und Intellektuelle tun, kann leicht einen Anruf oder einen Brief bekommen. Einige Zeitungen wurden auf 13 Millionen Euro Schadenersatz geklagt, weil sie angeblich einflussreichen Personen "psychisches Leid" durch ihre Berichterstattung zugefügt hätten. Djukanovic selbst klagte die Zeitung Vijesti auf eine Million Euro, weil Vijesti-Chef Zeljko Ivanovic "die biologische oder die kriminelle" Familie Djukanovics dafür verantwortlich gemacht hatte, dass er krankenhausreif geprügelt worden war.

Montenegro ist vor allem aber ein kleines Land mit nur 700.000 Einwohnern, in dem sich die politischen und ökonomischen Eliten weitgehend decken, wie ein Korruptionsbericht von USAid vom Juli 2009 konstatiert. "Einen Gefallen zu tun, einen Freund zu begünstigen und Jobs oder öffentliche Verträge für Familie oder Freunde zu verschaffen, all das wird nicht als Korruption, sondern als Pflicht gesehen." Und der, der die meisten Gefallen erweisen kann, ist Milo Djukanovic.

Der Soziologe Milan Popovic nennt das System "neufeudal". Die Ingredienzien dafür seien Menschen, die sich nach "Stammeszugehörigkeit" definieren, eine kommunistische autoritäre Vergangenheit und ein primitiver postkommunistischer Kapitalismus, erklärt Popovic, der an der Universität Podgorica lehrt. Djukanovic und seine Freunde nützten die Bürokratie, neue Technologien und Unternehmensformen, um ihre Macht zu erhalten. "Die sind extrem angepasst", sagt Popovic. "Und sehr erfolgreich mit ihrer proeuropäischen Rhetorik."

Zweifelsohne hat der Premier, der, obwohl er erst 47 Jahre alt ist, schon seit 18 Jahren die Geschicke des kleinen Balkanstaates lenkt, einen mächtigen Clan um sich. Sein Bruder, der Unternehmer Aleksandar - genannt Aco - Djukanovic besitzt 46,48 Prozent der wichtigsten montenegrinischen Bank Prva Banka. Seine Schwester Ana Kolarevic wiederum ist Anwältin und hat eine entscheidende Rolle bei wichtigen Investitionen von ausländische Firmen. Djukanovics eigene Firma Capital Invest hält zwar nur einen Anteil von 2,86 Prozent der Bank, Djukanovic hat sich aber im Vorjahr für ein Gesetz zum Schutz des Banksektors eingesetzt, durch das die Prva Banka einen Kredit über 40 Millionen Euro bekommen konnte.

"Wir haben alle Institutionen einer Demokratie. Es schaut so aus, als wären wir ein normales Land", sagt Vanja Calovic von der regierungskritischen NGO Mans. "Aber die Macht geht nicht von diesen Institutionen aus, sondern von einem Parallelsystem." Einem Zirkel von Unternehmern.

Dazu kommt, dass die Opposition ihre Kontrollfunktion nicht erfüllt. Manche vermuten dahinter eine Taktik. Zurzeit werden etwa zwei neue Buchstaben eingeführt, um langfristig eine eigene montenegrinische Sprache einzuführen, was die serbische Oppositionspartei auf die Barrikaden treibt. "Die diskutieren darüber, während die anderen einstweilen ihr Business machen", moniert Calovic.

Auch Popovic spricht von einer "präpolitischen Situation". "Bis 2006 ging es nur um Unabhängigkeit, Demokratisierung und Kampf gegen Korruption standen immer an zweiter oder dritter Stelle."

Kovacevic kritisiert, dass die EU zu wenig hinter die Fassade blicke, vor allem, was das organisierte Verbrechen betreffe. "Es liegt unglaublich viel Geld in den Händen von wenigen, und niemand schaut genau, wie es dazu gekommen ist."

Montenegro nennt er einen "Papagei-Staat", weil zwar wiederholt werde, wie wichtig Reformen seien, aber diese nicht umgesetzt würden. Der Professor für politische Psychologie denkt, dass die EU-Annäherung gar nicht unbedingt im Interesse Djukanovics sei. "Man kann ja nicht von ihm verlangen, dass er sich selbst reformiert." (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 03.08.2009)

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So in etwa wurdee auch die "ukrainische" Nation und die Sprache geboren :D

Semberija
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Eine Schachtel macht noch keine Stange :)

Jan Nesbeda, MPr
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Das Land ist also EU-reif.

Bosanac1981
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Der MILO ist für die Montenegriner ein Held!!! Er mag zwar seine Macken haben, aber er hat Montenegro in die Unabhängigkeit geführt und nun ist er dabei dem Gemisch aus Völkern und Religionen da unten ein einheitliches Nationalgeühl zu verschaffen. Und das akzeptieren alle AUßER die Serben!!!
Denn alles was nicht Pro-Serbisch ist wird gleich verflucht.....

Semberija
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Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen ?

Yossarian
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Im 19 Jhd und am Balkan ist man wegen so was ein Held.

Vollkommen gestrig dieser künstliche Nationalismus. Sogar eine eigene Sprache hat er schon erfunden.

Pekovic1
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wir sollten als serben nicht immer die realität ignorieren.
ich wünsche den montenegriner viel erfolg und hoffe wir können in zukunft wie brüderlich weiter zusammenarbeiten.
was das mit dem papagei-staat betrifft, sollten wir die "Milosevic-demokratie" nicht vergessen.
diese war nicht würdig fuer unser volk.

Pekovic1
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Djukanovic zu unterstützen fällt mir nicht in den sinn, aber den sarkasmus des Yossarians muss ich entgegnen...das eine hat mit dem anderen nichts zu tun;)

Stani83
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Milosevics hat man sich doch entledigt

Und wollen Sie wegen Milos einen Mafiosi wie Djukanovic unterstützen?

slobodan nikolic1
 
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bosanac,

warum versuchst nich eiwewnig nachzudenken! er ist schlimmer als beluskoni! er ist mafijosi mal zehn! liebe grüße von slobo!

Sascha K.
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Stimmt...

für muslimischen und katholischen Montenegrinern ist er ein Held, für Montenegriner albanischer Abstammung wiederum nur ein Mittel zum Zweck.
Für die Restlichen ca. 50% ist er der größter Veräter aller Zeiten!

Frobin Jojo
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Fast wie daheim

Klingt ja eigentlich fast wie Österreich - mit dem Unterschied, dass sich hier 2 Parteien arrangieren müssen und alles in der sogenannten Sozialpartnerschaft regeln. Die ÖVP bedient sowieso nur Partikularinteressen, die SPÖ Parteiinteressen (auch irgendwie Clans)

Wenn diese 2 Parteien auch noch ständig als SPÖVP-Regierung auftreten, ist der Unterschied rein oberflächlich.

Der Einfluss auf die Justiz mag in Montenegro bedenklicher sein, hierzulande ist er aber sicher auch nicht unwesentlich.

Bei Korruption und Verstrickung mit organisierter Kriminalität dürfte Österreich besser abschneiden. Wenn's wahr ist?!

Papageien-Republik passt auch: die Krone schreibt's, die Regierung plapperts nach.

Hans Müller1
 
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Schnell in die EU, wir lösen alle Probleme

Frobin Jojo
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Unbedingt

Das scheint eine zeitlang tatsächlich herrschende Meinung in Brüssel und bei nationalen Regierungen gewesen zu sein: der EU-Beitritt an sich löst alle Probleme.

Stupide und seit dem total verfrühten und nachträglich als Fehler erkannten Beitritt Rumäniens und Bulgariens hoffentlich langsam ein nicht mehr vertretbarer Zugang in Sachen EU-Erweiterung!

Gligor Mrkonjic
01
Bananenrepublik

Als Bananenrepublik werden Länder bezeichnet, in denen Korruption und Bestechlichkeit bzw. allgemein staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.

Das wären Montenegro, Georgien, Kosovo, ...

Kleinere "Staaten" die man für Bakschisch an sich reissen kann. ;)
Heute geht es nicht mehr um die Rohstoffe sondern um die Märkte. In diesen "Staaten" wird kaum was produziert. Sie leben hauptsächlich von der überteuerten Verschuldung bei den westlichen Grossbanken um damit die Importe zu finanzieren anstatt es zumindest zu versuchen eigene Produktion anzukurbeln.

chilly76
 
01
hmmmm und ich dachte immer (wenn man den westpoitikern glaubt) er ist wie sein kaukasisches "zwillingswerkzeug" (saakaschwilly) ein "leuchtturm der demokratie"?!?

munze
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kleine Korrektur

Montenegro hat keine 700K Einwohner, sondern höchstens 500K. Die restlichen 200.000 wohnen in Belgrad.

Cranio-schamanischer Bachblütenakupunkteur C30
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Was ist los mit dem Standard? Warum ist Milo in Ungnade gefallen?

Bisher war er doch geduldet und geschätzt, weil gegen die bösen Serben und für's paradiesische Zweitalbanien.

Hat er mal eine schlechte Stange Zigaretten geliefert, oder was?

yomellamo
21
der Chavez von Montenegro....

slobodan nikolic1
 
212
nein,

der vergleich zieht nicht,chavez hat anstand!! lg

Der sich den Wolf tanzt
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klingt wie ein övp-paradies...

bei uns muss sie sich ja immer eines lästigen brauen beiwagens bedienen.

Bertel Mann
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"Bis 2006 ging es nur um Unabhängigkeit, Demokratisierung und Kampf gegen Korruption standen immer an zweiter oder dritter Stelle."

Und genau deshalb war und ist er bei der EU so willkommen. Gegen Serbien zu sein reicht schon. Erst, wenn sich irgendein EU-Konzern zu sehr behindert fühlt, wird unsere Öffentlichkeit informiert werden, dass er eigentlich doch nicht so richtig demokratisch regiert.

Miki Smiljanic
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die Frage ist eher was kommt nach Milo

Semberija
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Zeljko Sturanovic hat es versucht...

Z. Ristic
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Wer aus seiner Familie könnte den Job denn machen?

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