Aktienhandel in fünf Millisekunden

2. August 2009, 18:50
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Beim Handel mit Wertpapieren kommt es auf die Schnelligkeit an, Maschine macht megaschnelle Trades möglich

Wien - Schnelle Gewinne stehen im Zentrum vieler Teilnehmer am Kapitalmarkt. Wenn das eine Entwicklung offenbart, dann das verstärkte Aufkommen von High-Frequency-Trading (HFT). Dabei bewegen Computer, ausgestattet mit starker Rechenpower, viele Daten, berechnen komplizierte Algorithmen - in Millisekunden werden große Volumen von Aktien gehandelt und kleine Kursbewegungen ausgenützt, um Profite zu generieren.

Bei HFT handelt es sich - nicht mehr - um einen exotischen Weg des Aktienhandels. Laut Zahlen des US-Beratungsunternehmens Tabb macht diese Form des Handels einen immer größeren Teil des gesamten Aktienhandels aus. In den USA etwa sollen die HFT-Unternehmen, hauptsächlich Investmentbanken und Hedgefonds, 2009 bereits rund drei Viertel des gesamten Umsatzes generieren. 2005 waren es noch 30 Prozent. Während die Bedeutung des HFT damit deutlich zunimmt - in einer Zeit, in der das gesamte Handelsvolumen wegen der Kreditkrise zurückgeht - sind die Folgen dieser schnellen, kurzfristigen Veranlagungsform noch unklar.

Das HFT bereitet aber vielen Experten und - seit vergangener Woche auch - Regulatoren Kopfzerbrechen. Die Securities Exchange Commission (SEC), die US-Finanzmarktaufsicht, möchte jetzt den Gebrauch von Flash-Orders untersuchen. Dabei bekommen High-Frequency-Trader 30 Millisekunden, 0,03 Sekunden, bevor ein Trade durchgeführt wird, die Daten der Kauf- und Verkaufsorder vorab, die an Börsen wie die Nasdaq gesendet werden. Diesen Zeitvorsprung können die Software-Programme ausnutzen, hat doch etwa die New York Stock Exchange ihre Handelszeit erst vor einem Monat auf fünf Millisekunden gekürzt.

Markenzeichen zerstören

Die zentrale Befürchtung von Kritikern dieser Handelspraktik lautet mit den Worten des Kongressabgeordneten Charles Schumer, der per Brief die SEC zum Handeln gebracht hat, so: "Das Markenzeichen unserer Märkte ist, dass sie offen sind und dass der kleine Mann genauso viel Chancen hat wie der große." HFT würde dieses Markenzeichen zerstören.

Paul Wilmott, international anerkannter Experte für Finanzmathematik, hat in der New York Times noch einen weiteren Punkt gegen High-Frequency-Trading vorgebracht: Es destabilisiere den Markt. Denn die Trader, die auf Geschwindigkeit setzen, haben nichts gegen eine höhere Volatilität, also stärker schwankende Kurse, ist das doch ihr täglich Brot.

Doch angesichts der aktuellen Krise, die ihren Ausgang darin nahm, dass Kapital an vielen Märkten plötzlich abgezogen wurde, lässt sich ein Argument für HFT nicht so einfach vom Tisch wischen: Sie bringen zusätzliche Liquidität in die Märkte. Auch wenn diese Liquidität, mit ihrem kurzfristigen Engagement nicht unbedingt erwünscht ist, so hat sie doch verhindert, dass die Klemme, in der Investoren ihr Geld nicht mehr abziehen können, reduziert wurde. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.8.200)

 

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