Kreuz mit dem Fundstück

2. August 2009, 18:58
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Zwei Mozart-Sätze im Salzburger Mozarteum "entdeckt"

Salzburg - Die Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg hat im Nannerl-Notenbuch, das sich seit 1864 im Besitz der Einrichtung befindet, einen Konzertsatz und ein Präludium des jungen Wolfgang Amadeus Mozart identifiziert. Die 18 Musikstücke dieses Notenbuchs waren bisher teilweise Vater Leopold zugeschrieben worden oder galten als "anonym".

Der 75-taktige, fünf Minuten lange Klavierkonzertsatz sowie das einminütige Präludium für Klavier können jetzt aber aufgrund einer Indizienkette "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Wolfgang Amadeus zugeschrieben werden. Am Sonntagvormittag wurden beide Klavierstücke im Tanzmeistersaal von Mozarts Wohnhaus erstmals präsentiert.

Beide Musikstücke sind in der Handschrift Leopolds verfasst. "Aber weder der Kompositionsstil noch die flüchtige, mit Korrekturen versehene Handschrift passen zu Leopolds Urheberschaft", argumentierte Ulrich Leisinger (Stiftung Mozarteum): "Viel naheliegender ist, dass Wolfgang Amadeus seinem Vater diese Komposition auf dem Klavier vorgespielt hat, der es dann für den im Notenschreiben noch ungeübten Wolfgang aufgeschrieben und nachträglich korrigiert hat."

Vater Leopold habe nie derart halsbrecherisch virtuose, für die Zeit um 1763 unüblich schwierige Klavierparts geschrieben, bei denen der Solist die Hände kreuzen müsse, sagte Leisinger. "Lang Lang wird seine Freude daran haben, aber viel von diesem Virtuosen-Hokuspokus wäre für die musikalische Idee gar nicht nötig gewesen. Da hat sich ein junger Musiker ausgetobt, um zu zeigen, was er kann." Der Satz enthalte Ungeschicklichkeiten, die dem Routinier Leopold "niemals passiert wären". (red, DER STANDARD/Printausgabe 3.8.2009)

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