Gehälter-Einmaleins für Festspieldirektoren

2. August 2009, 18:52
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Der Vertrag mit Alexander Pereira steht noch aus

Salzburg - In Salzburg scheut man vor einer Novelle des seit 1950 gültigen Festspielfondsgesetzes (der Standard berichtete am Wochenende) zurück. Die sogenannten guten Gründe liegen auf der Hand: Das Gesetz verpflichtet den Bund, 40 Prozent der Abgänge zu tragen, sowie das Land Salzburg, die Stadt und auch den Fremdenverkehrsförderungsfonds, je 20 Prozent des Defizits auszugleichen.

Die Salzburger Festspiele können somit nie in ernsthafte wirtschaftliche Probleme geraten. Vor einer Abänderung des Gesetzes warnt man daher auch jetzt, da man über eine Verkleinerung des Festspieldirektoriums von zwei auf drei Mitglieder diskutiert.

Angst vor Diktaten

Und selbst wenn ein Zweierdirektorium gesetzeskonform sein sollte, droht dennoch Ungemach. Denn das Kuratorium designierte Alexander Pereira, ohne zuvor mit ihm Details des Vertrages auszuverhandeln. Der vor den Festspieltoren stehende Intendant könnte seine Forderungen daher mehr oder weniger diktieren: Aus Angst vor drohender Häme im Falle der Nichteinigung wird die Politik ein Scheitern nicht gut riskieren können. Ein Vertragsabschluss ist noch länger nicht zu erwarten: Zunächst muss es zu einer Verteilung der Aufgaben an Pereira und Präsidentin Helga Rabl-Stadler kommen. Diese Geschäftseinteilung sei, wie Salzburger Landeshauptfrau Gabriele Burgstaller (SP) bestätigt, "der Background für den Dienstvertrag".

Verdienst und Verdienste

Einen positiven Nebeneffekt aber hätte das Zweierdirektorium: Es würde jedenfalls Geld eingespart. Denn, so Burgstaller: "Es geht nicht, dass die Gehälter des Dreierdirektoriums addiert und durch zwei dividiert werden. Das wäre das falsche Signal." Laut einer Erhebung des Rechnungshofes verdiente das Dreierdirektorium 2006 zusammen rund 500.000 Euro. Der geringste Anteil entfiel auf Rabl-Stadler: Sie verdiente nur rund die Hälfte von dem, was der damalige Intendant Peter Ruzicka bekam. Vor zwei Jahren wurde ihre Gehalt freilich angehoben und betrug zu diesem Zeitpunkt rund drei Viertel der Summe, die an Intendant Jürgen Flimm floss. Flimm wechselt mit 1. Oktober 2010 an die Deutsche Oper Berlin.

Da sie nun weitere Aufgaben übertragen bekommt, wird sie sich über eine stattliche Gehaltsaufbesserung freuen dürfen. Kein Geheimnis: Mit der Wahrnehmung neuer Aufgaben würde Rabl-Stadler auch mehr verlangen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe)

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