Doping

Wer kontrolliert, wird ignoriert

2. August 2009, 18:12

Auf Quotenjagd mit Phelps und Bolt - Doping ist vor allem ein mediales Problem

Sie gehen fast ineinander über, die zwei größten Sportereignisse heuer. Sowohl die Schwimm-WM, gestern in Rom beendet, als auch die Leichtathletik-WM, ab Mitte August in Berlin, spiegeln die Doping-Problematik wunderbar wider. Rom hat eine Flut an Weltrekorden gebracht und die damit verbundene Diskussion über jene Hightech-Anzüge, die den Schwimmern Auftrieb verleihen und Kraft sparen. Was Rom nicht gebracht hat, war eine Diskussion über Doping. Sie wäre höchst angebracht.

Der internationale Verband (Fina) ist auf den Vorwurf, es würde nur halbherzig und sogar seltener als früher kontrolliert, gar nicht erst eingegangen. Laut einem ARD-Bericht sind die Trainingskontrollen vor Titelkämpfen seit dem Jahr 2003 kontinuierlich zurückgegangen. In Rom waren keine Blut-, sondern nur Urintests vorgesehen, obwohl die wirksamsten Mittelchen nur im Blut festzustellen sind.

In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Schwimmer seit Jahren keine Dopingsorgen haben. Dabei wäre diese Sportart, in der die DDR in den Achtzigern unzählige junge Mädchen "aufgeblasen" hat, klassisch Doping-affin. Dass schwarze Schafe seltener schwimmen als Rad fahren oder langlaufen, ist unwahrscheinlich. Eher wollte sich der Schwimmweltverband von vornherein positive Tests und negative Schlagzeilen ersparen. Wo andere mit strengen Kontrollen hingekommen sind, weiß man. Der Radsport wird medial mehr und mehr ignoriert. Sponsoren kommen nicht mehr vor und springen ab, Rennen und Rundfahrten werden in Serie abgesagt.

Die Anzüge kamen zur rechten Zeit, sie allein sollen nun Fabelzeiten erklären. Dabei haben sich auch auf kürzeren Strecken etliche Schwimmerinnen und Schwimmer nicht nur um Bruchteile, sondern um Sekunden gesteigert. Michael Phelps galt noch vor einem Jahr, da er acht Olympiasiege feierte, als das Nonplusultra, als Fisch in Menschengestalt. Jetzt kraulen diesem Fisch andere um die Ohren wie der Deutsche Paul Biedermann, der märchenhaft schnell geworden ist. Von Phelps weiß man, dass er das Training in der Winterpause eine Zeitlang nicht so ernst genommen hat. Aber die Delfinstrecken sind dem Superstar wichtig, hier schlägt dann doch wieder er zu. Übrigens teilweise ohne Hightech-Anzug, aber stets mit Weltrekord. Das alles ist überaus merkwürdig. Und man müsste fast erleichtert darüber sein, dass nicht auch die österreichischen Schwimmer pausenlos ihre Bestmarken torpedieren.

Die Medien, wie gesagt, drohen just jenen Sportarten, die Dopingsünder überführen, mit Boykott. Aktuell wird der deutschen Reiterei von den deutschen TV-Anstalten zugesetzt, weil es im Reitsport endlich Dopingkontrollen (auch für die Pferde) und also positive Tests gibt. Früher, als man die Zügel schleifen ließ und nicht kontrollierte, fragte kaum jemand nach. Dieselben Medien führen minuten- oder seitenlange Interviews mit Sportlern, die es zum Teil nicht über Ergebnislisten hinausgebracht, aber gedopt und vielleicht bestochen hatten. Meldungen von echter Relevanz sind oft Randnotizen - wie jene von der Qualität der Dopingkontrollen bei der WM in Rom.

Oft heißt es, die Welt brauche Helden wie Phelps oder den Sprintweltrekordler Usain Bolt, der bei seinem Fabellauf in Peking (9,69) die Gegner und die Welt zum Narren hielt, als er mit angezogener Handbremse ins Ziel lief. Dabei profitieren bloß die Medien, weil Phelps und Bolt für Quote sorgen. Dass kürzlich fünf Läufer aus dem Sprinterparadies Jamaika überführt wurden, auch Trainingskollegen von Bolt, ließ die Funktionäre des zuständigen Weltverbands (IAAF) lapidar mit den Achseln zucken. Die häufigste mediale Reaktion: eine Kurzmeldung. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Montag, 3. August 2009)

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Baal Tintenfass
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phelps hände..

hab das jetzt ned gelesen, weil mir das thema zu fad wird

aber dem phleps glaub ich sein leistungen... mit diesen händen muss der einfach schnell sein...

Jo Boe
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Phelps und Bolt schweben halt vermutlich durch jedes Element.
In Peking hielt allen voran das IOC und China die Welt zum Narren, nicht einzelne Sportler, dadurch wurden Fabelzeiten natürlich endgültig salonfähig.
Irgendwann wird der schnellste Mensch der Welt die 200m in -3sek laufen, also schon im Ziel sein bevor er überhaupt startet, und die Welt wirds glauben und ihm zujubeln, bzw. zugejubelt haben :)

na als'dann
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a propos doping (& tdf)

vor ein paar tagen kam heraus, dass mikel astarloza, immerhin 11. in der gesamtwertung bei der tour de france gedopt war. weitere könnten folgen, aber mehr als eine kurzmeldung wird wohl auch das nicht mehr wert sein...

die neue strategie der veranstalter: skandale vermeiden, die bekanntgabe von positiven testergebnissen hinauszögern, bis die karawane weitergezogen und die aufmerksamkeit woanders ist.

schöne neue sport-welt, treffend beschrieben!

Jacksonson6
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Der positive Test stammt allerdings von einer Trainingskontrolle VOR der TdF. Des weiteren gibt es einen entsprechenden Bericht im Standard vom 31. Juli.

na als'dann
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ja eben, eine kurzmeldung!

keine spur mehr von der großen doping-berichterstattung der letzten jahre!

Juergen Hoffmann
 
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da war die Tour aber schon beendet; wem hier nicht Böses schwant...

FinalDestinati0n
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Ad Phelps und Doping...

Ich empfehle dieses Video:

http://www.youtube.com/watch?v=Q... re=related

Der Mann trainiert wie ein Wahnsinniger...

leo_nardo
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ad doping und hart trainieren ...

ich empfehle, sich davon zu verabschieden, dass das eine das andere ausschliesst.

dennoch ein interessantes video.

Reini68
12
Auch alle anderen Spitzensportler trainieren wie wahnsinnig.

Doping macht ja nicht aus einem Durchschnittsmenschen einen Superstar. Es braucht schon grundsätzlich gute Veranlagung und enorm viel Arbeit. Doping ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

Auch ein Bernhard Kohl hat wie jeder andere ertappte Doper immer viel trainiert. Das ist deren Beruf.

Klar gibt es auch einige die es sich leicht machen wollen, die kommen aber nie in die Weltspitze - ganz egal ob sie dopen oder nicht. Einige (ehemalige) österreichische Fußballer erzählt man sich, sollen hier als Role-Model herhalten können. Nachts feiern gehen, rauchen, saufen, etc. Da helfen die besten Gene und Substanzen nichts, wenn jemand der über die gleichen Ressourcen verfügt zusätzlich härter arbeitet.

FinalDestinati0n
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Schon.

Aber schauen Sie sich das Video an.

Sato schafft die Übung die Phelps 4min. lang macht keine 20sec.

Reini68
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Bloß was beweist das?

Dass er die besten Voraussetzungen hat und extrem hart arbeitet steht ja fest, weil er sonst nicht diese Leistungen bringen könnte.

Ob er dopt oder nicht, kann damit aber nicht gezeigt werden. Wenn er ohne Doping um 2/10 schneller schwimmen kann als die Konkurrenz, und es gibt ein Mittel das 2/10 bringt, dann muss er es nehmen, wenn er den Vorsprung halten will.

Es gab mal einen interessanten Artikel der zeigte, dass spieltheoretisch Spitzensport ohne Doping kaum denkbar ist. Es ist im Wesentlichen wie im Gefangenendilemma.

Als Sportfreunde sollten wir uns daran erfreuen, dass diese Leute unvorstellbare Leistungen vollbringen, egal ob gedopt oder nicht. BTW: Ich bin gegen Doping, aber Maßnahmen müssen für alle wirklich wirksam sein.

Lethawae
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Bessere "Medikamente"...

dermartino
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Sollte das Anzugverbot kommen, werden die Zeiten trotzdem nicht mehr auf das "alte Niveau" zurückgehen.. bin gespannt was dann die Medien schreiben.
Wie im Kommentar auch schon steht... Phelps ist in Peking zum Teil oberkörperfrei geschwommen. so wichtig können die Anzüge also kaum sein.

donquichotesenior
03
Der beste Kommentar

über Doping und Dopingkontrollen den ich jemals gelesen habe.

Der Freund Deiner Frau
10
na,

dann lesen Sie doch einfach noch ein wenig mehr!

Natuerlich ist dieser Kommentar richtig und wichtig aber gar so berauschend, naja....

donquichotesenior
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Empfehlung ????

Können sie mir bessere Kommentare empfehlen oder haben sie einfach nur so dahingepostet ???

Stabilo13
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war wohl nur ein doofer provokationsversuch

Zaungast8
 
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gut beobachtet

Allerdings:
der Radsportverband wäre seinem Erfolgsrezept des Ignorierens und der Omerta auch sicher gern weitergefahren.

Aber was hilfts wenn sich ein Pfleger mit einem bis unters Dach vollgeladenen Betreuerfahrzeug beim Grenzübertritt erwischen lässt und den Rest die Exekutive erledigt wie bei der Festina-Affäre ?

Wenn aus dem irgendwo heraus der Kundenkreis zweier dubioser Ärzte ( Fuentes, Ferrari ) das große Thema wird ?

Wenn ein ehemaliger Pfleger ( d'Hont) ein Buch schreibt, das noch viel mehr beteiligten als nur seinem Ex-Chef ( Goodefrot ) reinsch**ßt ?

Die Glaubwürdigkeit war eh' schon beim Teufel wurscht wie viel kontrolliert wird oder nicht.

maxx 77
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Wie kommen Sie darauf, dass der Kundenkreis des Dr. Fuentes ein großes Thema wurde?
Das Gegenteil ist der Fall: ca. 140 Namen der Fuentes-Liste gelangten nie an die Öffentlichkeit, nur die darauf befindlichen Radfahrer (mit prominenten Ausnahmen wie A.C. und VALV.(PITI) ) wurden gesperrt und medial abgewatscht!

Stabilo13
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ja, und die angeblich betroffenen tennisspieler und fussballer blieben ungeschoren

spitzenkandidat.2.0.
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sehr guter kommentar!

Reini68
019
Wo ist eigentlich der "bewerten"-Knopf für Kommentare?

Dieser verdient sich eine Menge [++]

Ramadamadingdong
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sie können diesen Kommentar bewerten indem sie (möglichst oft) auf die vielen bunten [ads] klicken
8)

momodeluxe
21
einfache lösung

der std schreibt ab nun bei jeder sport-schlagzeile "bei dieser veranstaltung gab es keine doping-kontrolle" als untertitel.

donquichotesenior
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Auch wenn sie es nicht so sehen. Der Autor dieses Kommentars will nur Gerchtigkeit.

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