Italienischer Starkomiker Grillo will eigene Partei gründen

2. August 2009, 14:14
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"Bewegung zur nationalen Befreiung" wird im Herbst aus der Taufe gehoben

Rom - Der italienische Starkomiker Beppe Grillo, der in den vergangenen Monaten eine nationale Kampagne für mehr Moral in der Politik in seinem Land gestartet hat, will eine eigene Partei gründen. "Bewegung zur nationalen Befreiung" heißt die neue Partei, die Grillo im Herbst aus der Taufe heben will. Die Bewegung, die die Korruption in Italiens Parteiensystem bekämpfen und Formen der direkten Demokratie fördern will, wird an den Regionalwahlen im Frühjahr 2010 teilnehmen, berichteten italienische Medien am Sonntag.

Ökologie, umweltverträgliches Wirtschaftswachstum und Kampf gegen das korrupte Parteiensystem sind einige Anliegen des 61-jährigen Grillo. Zur Gründung der neuen Partei hat sich der populäre Komiker entschlossen, nachdem seine provokative Kandidatur für den Vorsitz der Demokratischen Partei (PD, Italiens stärkste Oppositionspartei) abgelehnt worden war. Die PD wählt bei einem im kommenden Oktober geplanten Kongress seinen neuen Chef. Die Oppositionspartei verweigerte dem Starkomiker jedoch einen Mitgliedsausweis und somit die Kandidatur für den Parteivorsitz.

"Wir müssen eine Lücke schließen, die seit 20 Jahren besteht. Die Lücke einer nicht existierenden Opposition, einer Opposition, die keine Ideen hat und zur Lobby geworden ist. Ich will eine wirklich saubere Partei, die frische Luft in die Politik bringen kann", sagte Grillo. Mit seinem Entschluss wolle er seinem mehrjährigen Engagement für eine Moralisierung der Politik Sinn geben. Grillo führt seit einigen Jahren Bürgerlisten, die sich auf lokaler Ebene gegen Korruption in der Politik einsetzen.

Grillo: Parteiensystem "Geschwür der Demokratie

Grillo beschuldigte die PD, sich nicht um für das Land wichtige Themen wie Umweltschutz, Atomenergie und Interessenskonflikte zu kümmern und keine reale Opposition zu Regierungschef Silvio Berlusconi darzustellen. Das Parteiensystem sei das "Geschwür der Demokratie", sagte Grillo. Er warnte, dass Italien ein schwieriger Herbst bevorstehe mit Massenkündigungen, Unternehmenspleiten und zunehmender Armut. "In Italien gibt es acht Millionen arme Bürger, dieses Land ist pleite", warnte Grillo.

Grillo gilt als Held der italienischen "Anti-Politik". Nach den Parlamentswahlen und dem Sieg Berlusconis im vergangenen Jahr führt er seine Kampagne zur Moralisierung des öffentlichen Lebens in Italien. Der Komiker hatte im September 2007 1,5 Millionen Menschen auf die Straßen gebracht, um gegen die Korruption in der Politik zu protestieren. 350.000 Italiener hatten die drei Gesetzesentwürfe für ein "sauberes Parlament" unterzeichnet.

Wie Michael Moore betreibt Grillo einen erfolgreichen Blog. Die Seite www.beppegrillo.it ist eine der am meisten aufgerufenen Italiens, sie ist teils ins Englische übersetzt. Mit mehr als einer Million Besuchern pro Woche gehört sie zu den meistgelesensten der Welt. Mehr als 100.000 E-Mails erreichen ihn täglich. Sein Buch "Tutto il grillo che conta" wurde zum Best-Seller. Eine virtuelle Welt des Protests ist auf diese Weise entstanden, die immer mehr an Boden gewinnt. Der Genueser ist nicht mehr nur ein Komiker, er ist zu einem Massenphänomen geworden. (APA)

 

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