Armee soll Afghanistan-Aufgaben abgeben

2. August 2009, 11:34
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Ausschuss zieht düstere Bilanz des Einsatzes

London - Im britischen Parlament dreht sich die Stimmung zum Afghanistan-Einsatz. Der Auswärtige Ausschuss des Unterhauses will, dass die königliche Armee am Hindukusch einen Teil ihrer Aufgaben abgibt. Die Parlamentarier im Ausschuss reagieren damit auf die drastisch gestiegene Zahl dort getöteter Soldaten und den deswegen gesunkenen Rückhalt für die Mission in der Bevölkerung.

Die Briten sollten auf ihre Führungsrolle bei der Drogenbekämpfung verzichten und ihre Kräfte auf die oberste Priorität, die Sicherheit, konzentrieren, verlangte der Auswärtige Ausschuss in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht. Die Armee hätte eine "erhebliche Ausweitung des Kampfauftrages" verkraften müssen und immer mehr Verantwortung übernommen, darunter auch für Menschenrechte und Staatenbildung.

"Fehlen einer realistischen Strategie"

Insgesamt zog der Ausschuss eine düstere Bilanz des Afghanistan-Einsatzes. Durch das "Fehlen einer realistischen Strategie" seien in dem Land "längst nicht die Ergebnisse erzielt worden, die erhofft wurden". Die Aufgabe, Afghanistan zu stabilisieren, sei dadurch sehr viel schwieriger geworden.

Der Bericht bemängelte vor allem das "Fehlen einer Vision und einer Strategie, die auf der realen Geschichte, Kultur und Politik des Landes beruht". Zwar sei die gefährliche Lage in Afghanistan nicht ausschließlich dem Misserfolg der westlichen Truppen zuzuschreiben. Sie hätten aber "vermeidbare Fehler" wie Mängel in der Abstimmung gemacht. So sei etwa der Einsatz in der südlichen Unruheprovinz Helmand durch "unrealistische Planungen" und eine "schwache Koordination" auf der Regierungsebene in Großbritannien gefährdet worden, kritisierte der Ausschuss.

Auch an der US-Armee übte der Bericht Kritik. Der Einsatz von US-Drohnen aus der Luft auf Ziele im an Afghanistan grenzenden Pakistan habe "den Ruf der USA" beschädigt. Allerdings seien einige der Probleme bei der Afghanistan-Mission noch auf die Ära des früheren Präsidenten George W. Bush zurückzuführen. Das britische Außenministerium kündigte an, den Bericht zu prüfen und in den kommenden Monaten öffentlich dazu Stellung zu nehmen.(APA/AFP) 

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