Schauprozess

Khatami: Verfahren verstößt gegen Verfassung

02. August 2009 16:30

Ex- Präsident beklagte schwerwiegende Verfahrensmängel - Moussavi: Geständnisse durch "mittelalterliche Foltermethoden" erreicht

Teheran - Der frühere iranische Präsident Mohammad Khatami hat den Prozess gegen etwa hundert Teilnehmer der regierungskritischen Proteste scharf kritisiert. Seinen Informationen zufolge verstoße der am Samstag eröffnete Prozess vor dem Revolutionsgericht in Teheran "gegen die Verfassung, geltende Gesetze und Bürgerrechte", sagte der Reformpolitiker laut einer Erklärung seines Büros von Sonntag vor politischen Aktivisten und Abgeordneten.

Das Gericht stütze sich auf "Geständnisse, die unter gewissen Umständen erreicht wurden, die nicht gültig sind". "Diese Art von Inszenierung läuft vor allem den Interessen der Führung zuwider und beschädigt das Vertrauen der Öffentlichkeit", kritisierte der Ex-Präsident.

Verteidiger nicht über Inhalt informiert

Khatami beklagte den Angaben zufolge schwerwiegende Verfahrensmängel: "Das größte Problem mit dem Prozessablauf ist, dass er nicht in öffentlicher Sitzung stattfand." Außerdem seien die Verteidiger der Angeklagten vor Prozessbeginn nicht über den Inhalt der Klagen informiert worden. Den etwa hundert Angeklagten wurden Angriffe auf die nationale Sicherheit, Störung der öffentlichen Ordnung und Vandalismus vorgeworfen.

Auch der immer noch einflussreiche Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani äußerte sich kritisch zu dem ersten Prozess nach den Massenprotesten gegen die umstrittene die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad Mitte Juni. Den Angeklagten werden Aufruhr, Vergehen gegen die nationale Sicherheit sowie Verschwörung gegen das herrschende System vorgeworfen. Vergehen gegen die nationale Sicherheit können im Iran mit dem Tod geahndet werden.

Moussavi: Geständnisse durch "mittelalterliche Foltermethoden"

Der iranische Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi hat der Justiz seines Landes ebenfalls vorgeworfen, die Aussagen der vor Gericht stehenden regierungskritischen Demonstranten durch Folter erzwungen zu haben. Geständnisse der Angeklagten bei dem Prozess vor einem Revolutionsgericht in Teheran seien durch "mittelalterliche Foltermethoden" zustandegekommen, erklärte Moussavi am Sonntag auf seiner Website Ghalam News.

Die Justiz behaupte, die Angeklagten hätten am Samstag zugegeben, Verbindungen zu Feinden unterhalten zu haben und die Islamische Revolution umkehren zu wollen, schreibt Moussavi auf seiner Website. Nach allem, was er gehört habe, habe es sich bei den Aussagen aber um nichts anderes gehandelt als um ein "Stöhnen" nach all dem, was die Angeklagten in den vergangenen 50 Tagen hätten erdulden müssen.

Was sich derzeit in Teheran abspiele, sei eine unbeholfene Vorbereitung des bevorstehenden Amtsantritts der zehnten Regierung, kritisierte Moussavi: "Sie erwarten, dass das Gericht - das selbst betrügerisch ist - beweist, dass es bei der Wahl keinen Betrug gab", fügte er hinzu. Moussavi war Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad bei der Präsidentenwahl am 12. Juni nach offiziellen Angaben unterlegen.

"Feindde Gottes"

Während des Verfahrens hatten nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars mehrere Angeklagte die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen, die während der niedergeschlagenen Massenproteste der vergangenen Wochen angesichts der Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad erhoben worden waren. Auch Mohammed Ali Abtahi, der während Khatamis Präsidentschaft (1998-2005) Vize-Präsident war, hatte sich deutlich von den Vorwürfen distanziert. Sollten die Protestteilnehmer vom Revolutionsgericht als "Mohareb", als "Feinde Gottes", eingestuft werden, droht ihnen laut Fars die Todesstrafe. Ansonsten sei mit fünfjährigen Gefängnisstrafen zu rechnen.

Iranischer Abgeordneter: Kein Gefangener wurde gefoltert

Nach Angaben des Berichterstatters eines Sonderausschusses des iranischen Parlaments ist keiner der von dessen Mitgliedern besuchten inhaftierten Demonstranten gefoltert oder misshandelt worden. Kazem Jalali erklärte am Sonntag nach einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur FARS, bei dem Treffen mit den Gefangenen "hat niemand von ihnen über Misshandlungen oder Folter gesprochen".

Die Gefangenen hätten im Gegenteil ihre "Zufriedenheit über das gute Verhalten der Wächter im Evin-Gefängnis zum Ausdruck gebracht", fügte Jalali hinzu, der auch den Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschuss des Parlaments leitet. Nach Angaben von Oppositionellen und Menschenrechtsvertretern gilt das Evin-Gefängnis dagegen als eines der schlimmsten Haftanstalten nicht nur des Iran, wo Häftlinge systematisch misshandelt und gefoltert werden. Außerdem würden dort Hinrichtungen stattfinden.

Jalali brachte seine "Besorgnis" über ausländische Medienberichte zum Ausdruck, in denen "Gerüchte" über die Folterungen von Gefangenen verbreitet würden, mit denen diese zu falschen Geständnissen gezwungen werden sollten. Er habe darüber auch mit dem amtierenden Geheimdienstminister gesprochen, sagte der prominente Abgeordnete. Jalali kündigte weitere Treffen mit inhaftierten Demonstranten an. (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 160
1 2 3 4
BK W. Shoyssel
03.08.2009 12:08
mittelalterlich

ja, so habe ich die Kämpfer für den wahren Glauben schon längere Zeit eingeschätzt.
Jetzt erkennt es auch Khatami.

Sternchen100
03.08.2009 09:08
Feinde Gottes sind die Mörder und Lügner des Regimes

Immer müssen irgendwelche Massenmörder Gott als Ausrede für ihre Machtgier und ihren Sadismus heranziehen.

Alter Knacker
03.08.2009 23:20

weil Gott das Böse zuläßt, er benimmt sich ja immer so, wie wenn er nicht da wäre. Und wenn aber dem Propheten Mohammed der Erzengel Gabriel erschienen ist und das alle so fest glauben, obwohl noch niemand sonst einen Engel gesehen hat.... Allerdings muß man sagen, ist aller Glauben immer sehr unsicher und schon aus dem Grund sollte man niemand ermorden, weil wenn sich heraus stellt, daß man was Falsches geglaubt hat, kann man die Menschen nicht mehr lebendig machen.

birka
02.08.2009 19:46

'Die Gefangenen hätten im Gegenteil ihre "Zufriedenheit über das gute Verhalten der Wächter im Evin-Gefängnis zum Ausdruck gebracht", fügte Jalali hinzu'

Wie soll man solche Aussagen interpretieren? Soll das jemand glauben oder ist das als absichtlich offensichtliche Lüge gedacht - quasi als Verarschung?

AntiFa201
02.08.2009 19:16

wer die us-folterurteile (cia und guantanamo) als notwendig ansieht der hat nicht das recht hier zu protestieren. und wer allgemein gegen folter ist, der sollte, wie in den "alien-filmen", zuerst einmal das (folter)mutterschiff bekämpfen ;) die usa, und danach erst den rest.

insertnamehere
 
03.08.2009 11:51
Grade im Nahen Osten wird seit JAHRTAUSENDEN gefoltert - ohne Unterbrechung.

Glauben Sie ernsthaft, die hätten das erst von den USA gelernt?

Und im Alien-Film zu fordern, bis zur Vernichtung eines Mutterschiffs alle andern Aliens zu ignorieren, bringt Ihnen BESTENFALLS an vernichtenden Blick von Sigourney Weaver ein.

Sternchen100
03.08.2009 09:10

Das Unrecht der einen hebt noch lange nicht das Unrecht im Iran auf, und es interessiert hier nicht die Bohne, wer aller auf der Welt noch Mörder und Lügner sind.

Gerda Soros
03.08.2009 08:42
ad Antifa201

Das Posting ist wirklich von niedrigstem intellektuellem Niveau. Ich halte das, was in Guantanamo geschah, für ein absolutes Verbrechen, besonders angesichts dessen, wie sich die USA oft als die Hüter der Menschenrechte aufspielen. Was in diversen islamischen Ländern geschieht, hat nichts damit zu tun. Kein islamischer Staat brüstet sich als Vertreter der Menschenrechte. Da werden unsägliche Verbrechen wie z.B. Steinigung im Namen Gottes verübt, so als ob Gott immer in Blut waten möchte, eine unsäglich primitive Vorstellung von Gott.

Weh Ess Deh
03.08.2009 06:08
Ein mässig intelligent angebrachtes Strohmannargument, Herr Antifaschist.

Weder im Artikel noch in einem Posting steht, dass der Autor des Artikels oder ein Poster hier Guantanamo gutheisst.

waterlily
03.08.2009 05:58

Jeder hat das Recht gegen dieses Unrecht, das im Iran vor sich geht, zu protestieren und viel mehr Leute sollten es auch tun!

Pro Freistaat Kärnten!
 
03.08.2009 00:46
warum "zuerst"?

willst du damit deine befürwortung der folterung auf der restlichen welt vor dir verantworten?

dein nick ist wohl ein scherz, angesichts des faschistischen regimes in theheran, oder?

ministry
02.08.2009 22:43

nur wenn in den usa nicht gefoltert wird...dann wird woanders trotzdem munter weitergefoltert......

AntiFa201
03.08.2009 09:34

wenn in einer demokratie wie den usa gefolter werden darf und diese es sich erlauben andere länder in sachen menschenrechte zu belehren dann wird erst recht anderswo gefoltert. warum soll der bööööseeee bööööseeee iran nicht foltern wenn die guuuten guuuten usa munter foltern dürfen und sich selbst menschnrechtsfreundliche demokratie nennen? ich bitte um aufklärung.

ministry
03.08.2009 18:35

wie sich wer nennt ist unerheblich. aber versuchen sie nicht das foltern im iran damit zu rechfertigen dass es in dne USA auch getan wird......nicht schwarz weiss ist die welt.....sondern schwarz schwarz..also auch für sie etwas genauer: usa: böööse, Iran: böööse...verstanden?

Tina Tsornigg
03.08.2009 09:52

Nochmal, Herr Clown: Der Iran würde auch foltern, wenn die USA kein Guantanamo und kein Abu Graib und keine CIA hätte. Selbst wenn 98% der Welt foltern würde, würde das die iranische Folter nicht legitimieren. Der antiimperialistische Hass, der sie treibt, macht den Iran nicht automatisch zu einem politischen Paradies.

Tina Tsornigg
02.08.2009 21:28

Mein lieber Herr Clown, Folter ist nirgends gut. Menschenrechte sind weder zeitlich noch inhaltlich verhandelbar. Die US-Folter ist nicht die Mutter der Iran-Folter. Das können die Mullahs schon ganz von selber.

caranx
02.08.2009 21:06
Du bist ein Schwätzer

AntiFa2O1
02.08.2009 22:07

antifa, das bedeutet heuzutage national und sozialistisch, antizionistisch usw.

insertnamehere
 
03.08.2009 11:57
Sie meinen in Abgrenzung zu Fa, was für Internationalismus steht?

Falk Heße
03.08.2009 11:36
national und sozialistisch

Das dazu gehörende Substantiv ist bekannt. Vielen Dank für die Aufklärung.

mikeyman
02.08.2009 18:48
"feindde"

baba baba
02.08.2009 18:11

unter präsidentschaft khatamis sind mehr mehr politische gefangenen hingerichtet worden als unter rafsanjani. wieso beschwert er sich plötzlich über so etwas? weil seine kumpels auf der anklagebank sitzen ganz einfach. mullah ist mullah und iraner wollen sie schlichtwegs nicht mehr, punkt.

Weh Ess Deh
03.08.2009 06:10
Am Beginn von Gorbatschows Amtszeit sind auch noch Leute im Gulag gesessen.

flash7
02.08.2009 21:06
@baba baba

das ist jetzt irrelevant, derzeit ist wichtig, dass Iraner Unterstützung bekommen, später (wenn wir Demokratie haben), können wir alle befragen, den fehler haben wir 30 Jahre gemacht, dass wir uns nicht einheitlich hiinstellen und für die Freiheit kämpfen, jetzt ist es soweit, daher wäre es vielleicht angebracht uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, was bringt uns das jetzt Khatamie zu kritisieren?

Student der Magie
03.08.2009 19:02
es würde gleich mal bringen,

dass man nicht einen dieser falschen Prediger mitschleift, und dieser sich dann wieder die Macht unter den Nagel reißt, oder glauben Sie weshalb macht das dieser Mann?
Weil ihm die Menschen so wichtig sind? Das wäre ja ganz etwas Neues;)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 160
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.