Schauprozess im Iran

Demonstranten und Reformpolitiker vor Gericht

01. August 2009 21:05

Mehr als hundert Angeklagte nach Protesten gegen Präsidentenwahl - Oppositionspartei: "Die Anklage ist politisch motiviert und illegal"

Teheran - Sieben Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran hat der erste Prozess gegen festgenommene Oppositionelle und Demonstranten begonnen. Auch mehrere prominente Reformpolitiker wurden am Samstag in Teheran wegen Verschwörung und Schüren von Unruhen vor Gericht gestellt.

Opposition weist Anklagepunkte zurück

Nach dem Beginn der Prozesse gegen Regierungskritiker im Iran hat die wichtigste Oppositionspartei die Anklagepunkte zurückgewiesen. "Die Anklage ist politisch motiviert und illegal", erklärte die Teilnahmefront am Samstag. Das Verfahren sei "eine lächerliche Show, die selbst von einem gekochten Huhn ausgelacht werden würde". Die Front wurde von dem ehemaligen Präsidenten Mohammed Chatami ins Leben gerufen. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mirhossein Mussawi wies den Vorwurf zurück, die Unruhen nach der umstrittenen Präsidentenwahl seien vom Ausland angezettelt worden. "Bei der Wahl wurden die Rechter der Iraner verletzt", schrieb er auf seine Website.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete von mehr als 100 Angeklagten. Auf Bildern waren viele in Handschellen zu sehen. Vor Gericht erschienen am Samstag auch der frühere Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi, der ehemalige Regierungssprecher Abdollah Ramesansadeh, der frühere stellvertretende Parlamentspräsident Behsad Nabavi, der ehemalige Vizeaußenminister Mohsen Aminsadeh und der Chef der größten Reformpartei, der Beteiligungsfront des Islamischen Iran (IIPF), Mohsen Mirdamadi.

Angriffe auf Regierungsgebäude

Den Angeklagten wird nach Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA unter anderem vorgeworfen, Militär- und Regierungsgebäude angegriffen zu haben. Außerdem zählen Kontakte zu bewaffneten oppositionellen Gruppen und Verschwörung gegen die Regierung zu den Vorwürfen. Als belastend wird auch gewertet, dass die Angeklagten ausländische Medien mit Bildmaterial versorgt hätten.

Abtahi räumte in der Gerichtsverhandlung ein, dass es bei der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad am 12. Juni keinen Betrug gegeben habe. Es sei eine "Lüge", wenn in diesem Zusammenhang von Betrug gesprochen werde, sagte der prominente Oppositionspolitiker nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. Mit dieser "Lüge" sollten Unruhen ausgelöst werden, "damit der Iran wie Afghanistan oder Irak" werde, sagte der Stellvertreter des früheren iranischen Präsidenten Mohammad Khatami (1998-2005).

Nach der Präsidentenwahl waren hunderttausende Iraner aus Protest auf die Straßen gegangen. Sie warfen den Behörden vor, den Wahlsieg des Reformkandidaten Mir-Hossein Moussavi gestohlen zu haben. Moussavi selbst bezeichnete den Sieg Ahmadinejads als "Farce". Während der tagelangen Proteste gingen die Sicherheitskräfte massiv gegen die Demonstranten vor. Amtlichen Angaben zufolge kamen mindestens 20 Menschen ums Leben. Hunderte wurden zumindest vorübergehend festgenommen.

Ahmadinejad soll am Montag in einer Zeremonie vom geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei in seine zweite Amtszeit eingeführt werden. Am Mittwoch soll Ahmadinejad vor dem Parlament vereidigt werden. Der Präsident selbst hat jüngst deutlich an Rückhalt im dominierenden konservativen Lager verloren, weil er seinen wegen israel-freundlicher Aussagen umstrittenen Vertrauten Esfandiar Rahim Mashaie zum Vizepräsidenten ernennen wollte. Erst nach einem Machtwort Khameneis verzichtete Ahmadinejad auf die Ernennung, machte Mashaie dann aber zu seinem Bürochef. Zugleich setzte er den einflussreichen Geheimdienstminister Gholan-Hossein Mohsen Ejeie ab, der bei einer Kabinettssitzung lautstarke Kritik an der ursprünglichen Entscheidung Ahmadinejads geübt hatte.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) forderte die Führung in Teheran auf, keine Schauprozesse gegen Oppositionelle zu veranstalten. "Wir werden darauf achten, dass es nicht dazu kommt. Es müssen faire Verfahren durchgeführt werden", sagte die Generalsekretärin von AI-Deutschland, Monika Lüke, der "Berliner Zeitung" (Wochenendausgabe). In den Gefängnissen dürfe nicht mehr gefoltert werden und die Pressefreiheit müsse wieder hergestellt werden. "Zudem müssen diejenigen, die für die Tötung von Personen verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Lüke. (APA/AP)

 

Kommentar posten
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Friedrich Gruber
02.08.2009 11:57
Und der Bush hatte doch recht.

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Weh Ess Deh
02.08.2009 10:38
Der Volksgerichtshof tagt.

Die CIA-Knechte werden ihrer gerechten Strafe zugeführt, und wenn sie dann in Evin sind, werden sie niedergestreichelt.
Freut euch, ihr selbsternannten "Antifaschisten".

uemit75
02.08.2009 09:12

der typ mit dem mittelalterbart ist der reformer, und die gepflegten kerle im hintergrund die reaktionäre.

oder was jetzt?

Odo
02.08.2009 08:13
Die Hardliner im Iran sehen sich selbst wohl wieder fest im Sattel sitzen. Der Machtkampf im Iran scheint zumindest vorerst zu ihren Gunsten auszugehen.

Denn der Vorsitzende des mächtigen Wächterrates Jannati hat am Freitag nicht nur einen Prozess gegen Moussavi verlangt wegen dessen Verhalten nach den Präsidentschaftswahlen, sondern auch schwere Vorwürfe gegen Rafsandjani erhoben.

http://www.presstv.com/detail.as... =351020101

"Ayatollah Ahmad Jannati, the head of the top legislative body, on Friday accused Rafsanjani of orchestrating the post-election events after he lost the 9th presidential election in 2005. After defeat was inflicted on a certain figure four years ago, those who could not stand a young man in power colluded against him, Jannati was quoted by the Iranian Labor News Agency (ILNA) as saying. Since then, they have planned to avenge (their loss)."

rock DJ
02.08.2009 00:26
Die CIA hat nachweislich gezündelt

Tina Tsornigg
03.08.2009 08:53

Der CIA kann hier gar nicht zündeln, sagen die Mullohkraten. Unser Ahmadinejad-Freund xx Hour1 postete am 01.06.2009 um 21:01 dieses:

"Ein land wie iran kann man von ausserhalb nicht destabilisieren, die destabilisierung muß von innen kommen."

_Antiimperialista_
02.08.2009 16:51

Warum bekommt RockDJ rot? Ist die Wahrheit so unerträglich?

Mormoloc
02.08.2009 12:25
Na, dann mal her mit den Nachweisen...

Meerwelle
02.08.2009 11:44
Ein inhaltsloses Posting

"dessen Argument selbst von einem gekochten Huhn ausgelacht werden würde"

Sorry, ich konnte der Versuchung einer solchen Anwort einfach nicht widerstehen, obwohl zugegebermaßen polemisch.

Fritz Wunderlich
02.08.2009 11:38

gezündelt - die diktion verrät die mentalität

Kahuna
02.08.2009 11:00
@Rock DJ

Selbst wenn die CIA wirklich gezuendelt haette (den Nachweis bleiben Sie ja schuldig) hat das gar nichts mit diesem Bericht zu tun. Sind alle Angeklagten Handlanger oder Agenten auslaendischer Dienste? "Feinde Gottes" mit moeglicher Todesstrafe? Entsprechen die Verfahren rechtlichen Grundregeln?
Oder ist alles nur Propaganda des kriegshetzerischen Westens unter Fuehrung des grossen Satans, der USA und des kleineren - England.

an kog
02.08.2009 10:32

Und wo, außer auf obskuren Internetseiten finden sich die "Nachweise"?

Tilla
02.08.2009 10:34

Hast du nicht die Videos gesehen?

an kog
02.08.2009 14:12

Welche Videos?

Mo Ra
 
02.08.2009 07:52

geh doch s....
wo ist dein Nachweis?

Ava Tar
02.08.2009 02:46
Es stand auch ein Amerikaner vor Gericht

Er stand 2007 schon mal vor Gericht, wegen Spionage
Er ist aber trotzdem im Iran geblieben
Er sagt: "Die Entwicklungen nach der Wahl waren seit einem Jahr von Amerikanern geplant."

Nun, genau ein Jahr davor gab Bush 400 Millionen frei für "subversive Tätigkeiten im Iran". Paßt genau hin.

Wir wissen, daß der CIA 1953 genau dasselbe machte. Trotzdem wollen wir's diesmal nicht wahrhaben - weil Obama wird sowas doch nicht machen weil der schaut doch so lieb. (Mich wundert nicht, wo Strache hier die gutgläubigen Deqqen findet, die ihn wählen)

Ah ja, das erfährt man übrigens im Qualitätsmedium orf.at
Im Standard erfährt man dafür das mit dem gekochten Huhn.
Welch Schenkelklopfer.
Solch wichtige Details verschweigt orf.at und bringt öde Fakten.

Träume sind Schäume
02.08.2009 01:41
Ach, das erste Anti imp Würstchen zeigt sich

Gäbs so was wie ausgleichende Gerechtigkeit, ein Prügelpartie in iranischen Verhörräumen vor "Prozessen" hätte doch was, oder.

Man sollte die Unschuldigen Opfer hierher in Sicherheit bringen und die Schergen wenigstens Leute vornehmen lassen die das ansatzweise verdient haben.

Ihr steht ganz oben auf der Prioritätslisten ;)

t.
01.08.2009 22:34
wenn's nicht so traurig wäre...

"eine lächerliche Show, die selbst von einem gekochten Huhn ausgelacht werden würde"

unübertrefflich formuliert

Matthias Schindler
01.08.2009 20:42

Abtahi wurde gefoltert und würde alles zugeben. Dieses Regime ist nur mehr ein riesengroßer Schandfleck und hat auf diesem Planeten nichts mehr verloren!

Tilla
02.08.2009 10:35

Die USA sind ein Schandfleck, die diese Tragödie verursacht haben.

Wolfgang Broukbauer
01.08.2009 20:15
diese widerliche

mullahpartie hat wohl beim gröfaz abgeschaut

Meerwelle
02.08.2009 11:48
Schauprozesse waren, glaube ich

eher eine Spezialität von Stalin, Mao und co.

(Ohne den gröfaz verteidigen zu wollen - aber der hatte seinen "Schwerpunkt" mehr wo anders.)

Weiß jemand einen guten Link zu solchen Schauprozessen?

Mich interessiert, wie groß die Ähnlichkeiten sind - ich vermute mal enorm.

The original HIAS
02.08.2009 00:17
Die haben auch Bilder

von "Ihm" im Herrgottswinkerl hängen...

http://plejaden.wordpress.com/
 
01.08.2009 20:57

ja, es sind dieselben Methoden.

Träume sind Schäume
01.08.2009 19:00
Am Besten wäre es für die armen Kele alles zu "gestehen"

Sowas wie "Wahrheit" zählt sowieso nicht, anstaat Folter und Vergewaltigung auf sich zu nehmen sollte man einfach: "Ja, ich bin schuldig" sagen.

Niemand, außer vieleicht den geisteskranken Anti imp Würstchen (im Westen) kauft dem Regime diese Prozesse ab und es zieht ihm in der Wahrnehmung noch mehr "Rechtschaffenheit" vom verfaulenden Polizeistaat ab.

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