Wegwahl mit und ohne Wurstsemmel

1. August 2009, 11:24
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Von einem Routenplaner, der viel mehr weiß als den Weg von A nach B

Online-Routenplaner, die den Nutzer von Punkt A nach Punkt B leiten, gibt es viele. Für Autofahrer, Öffi-Nutzer, Fahrradfahrer oder Fußgänger. Auch digitale Wegführer, mit denen sich alle Fortbewegungsmittel kombinieren lassen, finden sich bereits im Web. Um je nach Verkehrslage mit dem jeweils geeignetsten Gefährt inklusive Schuhwerk schnellstmöglich ans Ziel zu kommen.

"Wiewohin"

Zum Beispiel www.anachb.at, realisiert für den Verkehrsverbund Ostregion. Dieser will vor allem Pendlern in Wien, Niederösterreich und Burgenland zeigen, wie sie zu jeder Zeit am besten in die Arbeit und wieder nach Hause kommen. Eine Weg-Ziel-Version gewissermaßen. Dass aber mitunter die Ziel-Weg-Variante auch ihre Reize hat, beweist "Wiewohin", ein digitaler Routenplaner, der nebst der Umwelt auch Kilokalorien ins Kalkül nimmt.

Auswahl

Wer etwa wissen möchte, wie er nach der Arbeit von der Herrengasse in der Wiener Innenstadt ins Strandbad Gänsehäufel im 22. Bezirk kommt, erhält zunächst einmal Vorschläge für die Varianten zu Fuß, Fahrrad, Bus/Bim/U-Bahn, Moped und Auto. Das ist jedoch nur die Spitze der Wegfindung. Wiewohin vergleicht auch Parameter wie Ökologie (CO2-Emission, Feinstaub), Fahrtkosten, Zeit und Lifestylefaktor der jeweiligen Fortbewegungsart. Herauskommt: Wer die etwa sechs Kilometer lange Strecke zu Fuß bewältigt, agiert am umweltfreundlichsten und börselschonendsten, braucht dazu allerdings mindestens sechsmal so lange wie mit dem Auto. Dafür hat er aber hinreichend Kalorien verbrannt, um sich im Bad die Extrawurstsemmel ohne schlechtes Gewissens schmecken lassen zu können. Und hat obendrein wesentlich mehr von der Stadt gesehen als mit dem Auto.

Kooperation

Ausgeheckt wurde der mobile Vergleichsroutenplaner vom Wiener Jungunternehmen Fluidtime in Kooperation mit der Umweltorganisation Global2000. "Unsere Grundüberlegung dabei war, wie schafft man es, Leute öfter einmal in die Öffis, aufs Rad oder Schusters Rappen zu bringen", erzählt Fluidtime-Geschäftsführer Michael Kieslinger im Standard-Gespräch. "Mit unserer Plattform sollen Nutzer zusätzlich zur klassischen Routenabfrage sich Vor- und Nachteile verschiedener Verkehrsmittel veranschaulichen können."

Noch ist Wiewohin ein Prototyp für das Wiener Stadtgebiet. Kieslinger hofft auf ein reges Feedback der Nutzer, um das Service weiter ausbauen zu können. Danach soll das Modell auf alle Ballungsräume Österreichs und auch auf internationaler Ebene ausgedehnt werden. Die Finanzierung soll über Unternehmen erfolgen, die das Ganze als Endkundenservice für Internet oder Mobiltelefone an- bieten.

Öffi-Routenplaner

Wiewohin ist nicht die einzige Entwicklung, die Fluidtime heuer auf Schiene gebracht hat. Ende Mai starteten die Wiener Linien und der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) den aus der Design- und Softwareschmiede stammenden minutengenauen Öffi-Routenplaner "qando". Der kostenlos aufs Handy downloadbare Infoservice berechnet nicht nur Route und Fahrzeit für eine gewünschte Verbindung, sondern vermittelt auch Veranstaltungstipps, Wissenswertes über Straßen oder zeigt an, welche Bäckereien entlang einer Strecke sonntags geöffnet haben. (Karin Tzschentke, DER STANDARD/Printausgabe, 1.8.2009)

  • Beim Online-Routenplaner Wiewohin werden Faktoren wie CO2-Ausstoß,
Gesamtkosten, Zeit zur Parkplatzsuche sowie Kalorienverbrauch mit
berücksichtigt.
    foto: heidi ladtstätter, montage: bettina kammlander

    Beim Online-Routenplaner Wiewohin werden Faktoren wie CO2-Ausstoß, Gesamtkosten, Zeit zur Parkplatzsuche sowie Kalorienverbrauch mit berücksichtigt.

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