Retten, was noch zu retten ist

31. Juli 2009, 22:20

Misslungene Staatswirtschaft: Politiker sollten Lehren aus dem AUA-Debakel ziehen

Es dauerte nur Minuten, bis nach der Meldung aus Brüssel - grünes Licht für die AUA-Übernahme durch die Lufthansa - die Selbstbeweihräucherungsmitteilungen aus dem Wiener Finanzministerium eintrafen: Da lobte Finanzminister Josef Pröll (VP) den "harten Einsatz" , während der Staatssekretär im gleichen Ministerium, der SPÖ-Politiker Andreas Schieder, fast wortgleich seinen Parteichef pries: Der Einsatz von "allen voran Bundeskanzler Werner Faymann hat sich also gelohnt" .

Die Erleichterung war groß: Politiker von SPÖ und ÖVP sind Brüssel fast dankbar - ein Novum. Der Fortbestand der AUA ist vorerst gesichert, der notwendige Sanierungskurs steht aber erst am Anfang. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob die österreichische Fluglinie nicht einmal jemand geschenkt haben wollte - wie Hannes Androsch vor exakt einem Jahr prophezeite. Der Staat musste schließlich eine halbe Milliarde Euro bereitstellen, damit sich die Lufthansa überhaupt zu einem Übernahmeangebot bereit erklärte. Wenn diese Beihilfe von der EU-Kommission auch noch genehmigt wird, dann haben die AUA und der Staat noch Glück gehabt: Für die Alitalia gab es kein grünes Licht, Olympic Airlines musste mehr als 800 Millionen Euro zurückzahlen.

Dass die AUA überhaupt in eine solche Schieflage kommen konnte, daran sind die Politik und das von ihr eingesetzte Management schuld. Der inzwischen abgelöste AUA-Chef Alfred Ötsch hatte vor knapp einem Jahr noch behauptet, die Fluglinie sei "saniert" . Dass Ötsch und der alles andere als zupackend agierende ÖIAG-Chef Peter Michaelis an ihre Schlüsselpositionen kommen konnten, ist der Personalpolitik unter Wolfgang Schüssels schwarz-blauer Regierung zu verdanken. Schüssel und Karl-Heinz Grasser holten diese Manager, die auf teure Berater setzten - eine der vielen Parallelen zum Wiener Flughafen, wo von ÖVPund SPÖ nominierte Manager für Baukostenüberschreitungen von mehr als 400 Millionen verantwortlich sind.

Politiker der großen Koalition haben im vergangenen Wahlkampf - das ist noch kein Jahr her - dazu beigetragen, dass sich die Situation der AUA weiter verschlechtert hat. Sie haben die Airline für eine Patriotismusdebatte genutzt. Der damalige Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) sprach von der "rot-weiß-roten Heckflosse" , die für den Standort Österreich wichtig sei. Faymann, damals noch Verkehrsminister, setzte eine Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) für einen "österreichischen Kernaktionär" durch, der sich aber nicht finden ließ.

Dass die Fluglinie einen finanzkräftigen Partner brauchte, war schon seit Jahren klar. Bei der AUA hatte man geglaubt, die guten Osteuropaverbindungen reichten aus, um überleben zu können. Im internationalen Wettbewerb ist die AUA aber zu klein. Im Verbund mit der Lufthansa, für die diese Verbindungen ein Asset sind, hat die AUA Fluglinie eine Chance - so wie sich die Swiss der Lufthansa angeschlossen hat. Die Lufthansa kämpft aber selbst mit roten Zahlen, wie die Halbjahresergebnisse von dieser Woche zeigen.

Die AUA ist nicht das einzige Beispiel misslungener Staatswirtschaft: Bei ÖBB und Asfinag türmen sich nicht nur wegen Spekulationsgeschäften riesige Schuldenberge; der ORF, bei dem sich Politiker munter einmischen, schreibt rote Zahlen. Der Bundesimmobiliengesellschaft werden wegen der Budgetnöte der Bildungsministerin Millionenausfälle vorgeschrieben. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 1.8.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 83
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Myslím
00
22.8.2009, 10:00
schon wieder das selbe

kam nach Schüssel nicht Gusenbauer und dann Feymann? immer den schwarzen den schwarzen peter zuzuschieben ist billig.

ausserdem haben wir mit dem ORF das nächste opfer (mit dem unterschied der beliebig erhöhbaren zwangsgebühren).

ex-ÖVP-ler
02
Österr. Regierung an Deutschland verkaufen

Am besten wir verkaufen die Österr. Regierung an Deutschland und zahlen 500 Millionen Euro. Das ist immer noch billiger, als diese derzeitige SPÖ-ÖVP Koalition.
PS Wording: Man sollte von einer Fusion mit Deutschland sprechen, um geschichtlichen Irritationen auszuweichen.

Der Cygeuner
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Lieber an die Schweizer ...

... und dann nennen wir das ganz Alpenliga! :-D

Gerhard Schwarz
 
29

Nicht die staatlichen Betriebe sind gescheitert - sondern von der schwarzblauen Koalition eingesetzte Manager haben sie auftragsgemäß verscherbelt. Das war politisches Programm - und wurde umgesetzt.

Rock in the surf
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Die ehem. Verstaatliche ist nicht gescheitert?

Und ob diese gescheitert ist. Die VOEST vor der
Privatisierung war dem Eingeständnis von Hugo
Sekyra ("Austrian Industries") nach bankrott.
Durch den Verkauf von Staatsbetrieben in der Ära
Schüssel wurde die ÖIAG schuldenfrei.

Gerhard Schwarz
 
00

Die verstaatlichte VOEST kam ausschließlich durch Finanzmarkttransaktionen ihrer Tochtergesellschaft "Intertrading" finanziell in die Bredouille. Mit dem Stahlgeschäft hatte das überhaupt nichts zu tun.

slow motion
11
Die Intertrading war jahrelang die einzige Sektion der VÖEST, die Gewinne machte.

Natürlich waren ihre Geschäfte riskant, aber noch riskanter war das Hazardspiel des SPÖ-Finanzstaatssekretärs Lacina, die Spekulationsgeschäfte zum ungünstigsten Zeitpunkt zu beenden, und dadurch Verluste zu erwirtschaften. Hätte er die Kontrakte ganz normal auslaufen lassen, hätte die Intertrading wieder Gewinne gemacht.

Die großen Verluste innerhalb der VÖEST waren auch nicht die von der Politik erzwungenen Spekulationsbeendigungen zum ungünstigsten Zeitpunkt, sondern Personalüberkapazitäten und viel zu hohe Personalkosten in der ganz normalen Stahlproduktion.

Aber wenn die Politik ins Geschäft hineinpfuscht, dann geht´s eben darum, kurzfristig möglichst viele Arbeitsplätze zu haben, selbst wenn das langfristig den Konkurs bedeutet.

slow motion
00
Nur wollte die ÖVP die AUA halt privatisieren,

als man noch einen positiven Verkaufserlös bekommen konnte. Durch die Blockade der SPÖ wurde es leider nichts mit dem Erlös, und es mußte eine halbe Milliarde zugeschossen werden, um die AUA verspätet und umso desolater loszuwerden .....

ira2
 
01

Vor einem Jahr hat der ÖVPler Ötsch als AUA-Chef die AUA für saniert erklärt. Ihr Argument ist nicht richtig.

Rock in the surf
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Ötsch war AUA-Chef und NICHT ÖVP Politiker.
Der Unterschied sollte jedem einleuchten.

ira2
 
00

Ötsch war als Schüssel/Grasser -Exekutor Umsetzer der blauschwarzen Entstaatlichungspolitik.

Rock in the surf
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Die Beweggründe für eine Privatisierung sind einleuchtend und zwingend. Sie wurden auch
von gemäßigten Sozialdemokraten (Lacina, Klima,
Vranitzky) nicht in Frage gestellt.

dhl
40
Wenn der Staat nicht mit dem Geld der Steuerzahler umgehen kann,

warum ihn nicht gleich abschaffen?
Wenn oberflächlich, dann bitte konsequent!

aha15
04

falsch- es geht um wirtschaft, vom staat betrieben.
der staat ist politik. muss es sein. das heisst aber, dass betriebe, vom staat geführt, immer auch direkt der politik ausgeliefert sind. und das geht nicht, wenn der betrieb sich in direkter konkurrenz zu anderen betrieben steht.

fledermaus,ich schlafe tagsüber
00
"scherbenhaufen"-verantwortlich wie immer keiner.

aua-weh.

seit ca. einer dekade ist es zur philosophie geworden einen misserfolg der 1. ebene noch hoch zu prämieren.

mit dem bin ich aber absolut nicht einverstanden-i glaub kana" net" net.

Section Control
00
Doch

Die Politiker sind schuld.
Betriebsrat und ÖGB haben es ja schon immer gewußt...

hot duck
10
im endeffekt war die 500 mio mitgift staatsraison

die alternative wäre gewesen: AUA-konkurs, verkümmerung des wiener flughafens zum regionalzubringer-flughagen, katastrophale auswirkungen auf den wirtschaftsstandord wien. wir können froh sein dass die lufthansa die aua übernommen hat.

onlooker
00
geschenkt worden ist, seit ötsch sie komplett ruinierte

musste sie der LH mit mitgift und handkuss übergeben werden.
aua hat ja noch eine klage vom scheich am hals,
weil ötsch dem scheich falsche zahlen vorlegte,
es ging um ein investment von etwa 200 millionen,
normalerweise, müsste so etwas als betrug geahndet werden, nicht in österreich,
der ehemalige leiter der wirtschaftspolizei war ein gewisser hornbacher, hauptsache, fesch sama,
da papa(steuerzahler) wirds schon richten.

lessismore
14

Die Privatisierungspolitik ist von denselben Leuten erfunden worden wie die "strukturierten Finanzprodukte".

An beides glaubt der "Standard" nach wie vor inbrünstig ...

Der Cygeuner
119
Das Problem ist nicht Staatsbesitz vs. Privatbesitz

Das Problem ist politische Einflussnahme, und die gibt es zur Genüge auch in privaten oder halbprivaten Firmen, wenn sie nur groß genug sind (siehe Post).

Wenn der Staat nur als Eigentümer auftritt, ist das kein Problem.

Hinzuzufügen ist hier auch, dass in der Ära Schüssel/Grasser gesunde Staatsbetriebe mit Gewinnen und gutem Management privatisiert wurden. Result: Nicht der Staat (= wir!) nimmt nun diese Profite mit, sondern die Freunderl der genannten Herren. Und am Staat bleibt hängen, was Verlust macht, damit man dann schön über die Unfähigkeit des Staates zu wirtschaften schimpfen kann...

Rock in the surf
00
Falsch!

Mit den Verkaufserlösen wurde die ÖIAG schuldenfrei
gemacht. Warum sollte ein Staat, in aller Regel defizitär, Wirtschaftunternehmen betreiben?

Der Cygeuner
00
Nuja ...

"schuldenfrei" gemacht heisst ja noch lange nicht, dass das auch betriebswirtschaftlich die beste Entscheidung ist. Schulden sind an sich ja nicht schlimm, entscheidend sind die Finanzierungskosten.

Zur anderen Frage: der Staat sollte Wirtschaftsunternehmen dann kontrollieren, wenn andere Motive als Gewinnmaximierung langfristig von Bedeutung sind. Also Infrastruktur, Trinkwasser, Energie, Sicherheit, etc.

Daran ist an sich nichts Böses, aber natürlich muss man an möglichst großer Transparenz und Kontrolle arbeiten. Vielleicht liegt im Schnitt die kurzfristige Effizienz unter der privater Unternehmen (muss aber auch nicht sein), langfristig kann die staatlich kontrollierte Lösung für das Gemeinwesen vorteilhaft sein.

Franz Woyzecks liebste Erbse
33

Ja, das Problem ist die politische Einflussnahme. Und die gibt es leider bei allen Unternehmen, bei denen der Staat die Finger im Spiel hat.

Das Problem sind meiner Meinung nach schon die Eigentümerverhältnisse. Ein Privateigentümer wird immer aus Eigeninteresse auf die gesunde Geschäftsgebarung eines Unternehmens achten und z.B. unpopuläre Maßnahmen (Personalabbau etc.) nicht aufschieben.
Sobald der Staat Eigentümer ist (genauer: Die regierenden Parteien), wird nur bis zur nächsten Wahl gedacht. Nachhaltigkeit ist da nicht zu erwarten.

Der Cygeuner
03
Die Probleme sind andere ...

Ihre Einschätzung der Nachhaltigkeit von Unternehmen trifft so vielleicht auf einen mittelgroßen Familienbetrieb zu, nicht aber auf größere, in der Regel börsennotierte Unternehmen.
Hier ist der Zeithorizont jährlich oder sogar nur vierteljährlich. Wenn Sie davon ausgehen, dass Top-Manager meist nur ein paar Jahre an Bord bleiben (oder früher ausgebootet werden, wenn die kurzfristigen Zahlen nicht stimmen) ist hier mit Nachhaltigkeit auch nicht viel mehr los. Zudem kommen in den richtig großen Firmen auch zur Genüge politischer Einfluß und v.a. Altherrenseilschaften zum Zug.
In Summe, hier der Teufel, dort der Beelzebub. In beiden Fällen hilft nur mehr Transparenz.

ricki-ticki-tack
23
"Ein Privateigentümer wird immer aus Eigeninteresse auf die gesunde Geschäftsgebarung eines Unternehmens achten"

:-))) schon was von shareholdervalue gehört ?

Und noch dazu .. es gib keine " gesunde Geschäftsgebarung eines Unternehmens " .. sondern gesunde und kranke Leute

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