Kontra BIO-Lebensmittel

Falsche Erwartungen

31. Juli 2009, 20:26

Einen Biobauern kann man sich so vorstellen: Der geht in sauberer Arbeitskleidung durch eine Bilderbuchlandschaft, plaudert mit seinem Ferkel, das dem Schweinchen namens Babe nachempfunden ist, und liefert Essen, das gesünder ist und besser schmeckt als alles, was es sonst auf dem bösen, bösen Agrarmarkt gibt.

Diese Vorstellung wird von der Fernsehwerbung genährt. Sie hat aber mit der Realität in der Landwirtschaft nichts zu tun. Sie hat auch mit der Realität in den Lebensmittelgeschäften und Restaurants, wo die Produkte aus ökologischem Landbau angeboten werden, nichts zu tun. Dort geht es um Marktwirtschaft - also um Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Bioprodukten wächst - aber diese Nachfrage beruht eben auf den falschen Erwartungen, die die Werbung weckt. Und sie könnte zurückgehen, wenn den Konsumenten bewusst wird, dass alle Lebensmittel etwa gleich reich an Nährstoffen sind und dass auch konventionell produzierte Lebensmittel streng geprüft sind. Alles Essen ist ziemlich sicher. Oder unsicher - auch mit Biospeck kann man einen hohen Cholesterinspiegel bekommen.

Das spricht nicht gegen die Biobauern. Die erbringen nämlich etwas, was sinnlich viel schwerer zu erfassen und leider auch nicht werbetauglich ist: Umweltschutz konkret. Mit jedem Schluck Biomilch, mit jedem Stück Biobrot schützt man Boden und Grundwasser. Und man sorgt dafür, dass Bauern einen fairen Preis bekommen. Bio ist ein Geschäft - und dazu kann man bedenkenlos stehen. (Conrad Seidl, DER STANDRAD, Print-Ausgabe, 1./2.8.2009)

Sind Bio-Lebensmittel gesünder? Pro: Es ist nicht das Essen allein

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Posting 1 bis 25 von 46
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E.B.
00
;-) der kommentar ist aber nicht gegen bio-nahrung sondern gegen die werbestrategie.

obwohl die mmn (nur für österreichische biolandwirtschaft) gar nicht so unrealistisch ist wie der autor meint.

von einem echten gegner hätt ich mir zumindest erwartet, daß er
nachteilige wirkungen von

pestiziden, fungiziden, kunstdünger, bestrahlung, auslaugen der böden, zerstörung der humusschicht, ausrotten von pflanzen- und tierarten, zerstörung der landschaft, zerstörung der dörflichen strukturen, auslagerung unserer landwirtschaftlichen nahrungproduktion in billigstlohnländer ohne jegliche sicherheitsstandards, zerstörung selbständiger arbeitsplätze, nahrungsmittelabhängigkeit von entwicklungsländern und weltkonzernen, ersatz von natürlichen durch synthetische vitamine und aromastoffe, usw.

für null und nichtig erklärt.

hema1
 
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Ich bin für Bio-Produkte!

Da frag ich aber schon, ob Sie (der Schreiber dieses Artikels) von der Agrarindustrie bezahlt werden, dass sie so einen Schmarrn, so eine Negativreklame gegen die Bio-Produkte bringen!?!

Riffraff3
 
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Bei Studien kommt (fast) immer das heraus, was derjenige hören will, der die Studie in auftrag gegeben und finanziert hat. Will man uns im Ernst einreden, dass irgendeine grün gefärbte Zucker-Limonade gleich wertvoll sei wie frisch gepresster Orangensaft? Pflanz wen andern!

The Dark
02
Streng geprüft

Und warum gibt es dann bei vielen Tests immer soviele Beanstandungen bis hin zur Gesundheitsgefährdung? Braucht man sich nur Zeitschriften wie "Konsument", "Stiftung Warentest" bzw. "Ökotest" durchlesen.

Deswegen kann ich trotzdem bei Biolebensmitteln mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass dort weniger krebserregende Schadstoffe enthalten sind als in konventionellen Lebensmitteln.

artista
02
umweltschutz

dieser artikel trifft den (einen) kern der sache.
der maßgebliche vorteil von bioproduktion in der landwirtschaft ist umweltschutz. ich persönlich glaube auch nicht das bio-lebensmittel unbedingt gesünder sind. meine motivation bio-lebensmittel zu kaufen, beruht vor allem auf dem umweltschutzgedanken. zu den postings der selbsternannten ökonomen möchte ich auch anmerken, dass der bio-landbau nachhaltig und damit auf längere sicht auch kostengünstiger ist. konsumenten von konventionellen lebensmittel glauben unter anderem, dass sie günstiger einkaufen. sie vergessen leider nur all zu leicht die tatsache, dass die kosten zur beseitigung von umweltschäden die allgemeinheit zu tragen hat. zBsp.: gift im trinkwasser, fischsterben, bse,pig-pest

her wig
00

Argumente gegen Bio waren das aber keine, das mit der Werbung gilt nämlich ganz allgemein...

Gegen Bio sprechen Ertrag bzw. Kosten. Würde man alles auf Bio umstellen, würde die Landwirtschaft aufwendiger, würde mehr Arbeitskraft und Investitionen binden, die dann woanders fehlen.

Andererseits, wenn man an der Landwirtschaft zu sehr spart - was man die letzten Jahrzehnte (oder waren's Jahrhunderte?) zunehmend gemacht hat; Landwirte sind schon lange gesellschaftliche Looser - wird es irgendwann notwendig werden, dort wieder mehr zu investieren.

Das wird zwar eine schreckliche "Umwertung", aber egal, der Wandel kommt wie die Schlange in's Paradies der Strukturkonservativen.

lausa niki
00
alle bauern die ich kenne kaufen sich regelmäßig

neuere und größere traktoren und maschinen. gespart mit den investitionen nicht. ob sie immer sinn machen steht auf einem anderen blatt.

The Dark
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das

ist eher ein Problem der Agrarsubventionen. Weil unterm Strich zahlt ja die auch der Steuerzahler. Da wäre es eigentlich sinnvoller Agrarsubventionen runter und die Preise rauf.

her wig
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Es wird immer mehr industrialisiert und rationalisiert. Das ist eine Form des Sparens, gewisse Arbeiten werden dadurch unrentabel und fallen weg. Melkroboter z.B. rentieren sich nur ab einer Mindestanzahl an Kühen sowie einer Mindestleistung an Milch. Die Tierzucht muss dem entsprechend auf Menge selektieren. Aber Quantität und Qualität sind oft konfliktäre Ziele. Wenn die paar Kennzahlen, auf die hin optimiert wird, nicht alles abdecken - was sie nie tun können -, dann geht etwas verloren. So lange unbemerkt, bis der Mangel auffällt. Das ist dann das, was man vorher nicht konkret hat wissen können, weil es ein unerwünschter Nebeneffekt der eigenen Optimierungen ist. Manche sind diesbezüglich vorsichtiger als andere.

FSK
11

Sogar der Contra-Mann it auf den Bio-Schmäh reingefallen.

Stelio Cotugno
 
06
Nicht wirklich gute Argumente dagegen

" auch mit Biospeck kann man einen hohen Cholesterinspiegel bekommen. " Aber der biospeck wurde dann von freilaufenden Schweinen die nicht mit Tiermehl gefüttert, nicht mit antiobitika versetztes Fleisch haben der Metzger in Nähe war und die Tiere nicht durchhalb Europa gefahren was den Tieren nicht gut tut und den CO2 ausstoß vorantreibt. Ein im besten Falle geschloßener kreislauf von dem alle etwas haben auch durch faire Preise oder was Gedenken SIe wie EK Preise von 80C für ein ganzes schweinschlögl zustande kommen ?

donquichotesenior
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Vergleich

Wenn ich die biologischen Äpfel aus unserem Garten (Unschöne Schale, faulig, Madenbefall) mit dem absolut makellosen Bio Obst im Handel vergleiche, muß ich wahrscheinlich etwas falsch machen.
Für mich ist daher schwer vorstellbar, daß Fungizide und Pestizide durch Nützlinge vollkommen ersetzbar sind.

janosch83
01

ich muss sie leider bestätigen - sie machen etwas falsch. bioapfelanbau ist gut möglich. auch biozwetschken oder bestimmte biobeeren.
schlechter schauts leider bei biomarille oder auch biokirsche aus. die sind in feuchten jahren wie heuer schon konventionell äußerst schwierig zu produzieren und aufgrund von ernteausfällen oft an der rentabilitätsgrenze. aber wer weiß, hoffentlich gibt es auch da bald neue technologien und methoden die den wirtschaftlichen biologischen anbau ermöglichen. geforscht wird jedenfalls.

argonautin
04
bioobst

meine jugend ist schon eine weile her, die erinnerungen an das obst aus dem garten, ungespritzt natürlich auch. trotzdem mein ich mich, gut zu erinnern: klar es gab mal wümer in den zwetschken oder den äpfeln, aber der großteil war sehr gut, und ließ sich problemlos im keller lagern oder einmachen.
und der geschmack der boskop äpfel... da können die gespritzen supermarktäpfel, auch, wenn sie noch so uniform ästhetisch sind, nicht mit (wie viel vom nicht normgerechten obst man wegwirft, auch wenns gespritzt ist, weiß ich nicht). ich würde gern auf das ganz chemiezeug verzichten und sehne mich nach dem geschmack und der unbekümmertheit von früher, selbst wenn mich mal ein wurm anlacht.

par in parem
01

der geschmack des obstes hat nichts mit bio, gspritzt oder nicht gespritzt zu tun. klar ist: bio bauern fühlen sich eher zur qualität verpflichtet. aber der geschmack ist eine frage der sorte (weniger ertragreiche sorten sind meist die besseren), des pflückens zur rechten zeit (es wird alles viel zu früh von den pflanzen gerissen, damit man es möglichst lang lagern kann) und der falschen lagerung in den supermärkten. ich hab einen obsthändler, ja der ist teuer obwohl nix bio ist und der hat leider auch nur manchmal wirklich grandioses obst.

lausa niki
04
mit ihrem posting treffen sie den kern des

biobooms. die sehnsucht nach dem alten, natürlichen, als wir noch unschuldig in einer heilen welt leben.
die realität ist leider, dass bio nicht unbedingt apfelbäume in omas garten sind - sondern high-tech monokulturen mit hagelnetz, billigen arbeitern aus dem osten, doppelt so vielen spritzungen (mit natürlichen mitteln wie kupfer und schwefel) usw. gelagert in modernstern kühlzellen. sonst würden die anforderungen der konsumenten (u. des handels) schöne, qualitative ware zu einem angemessenen preis über einen längeren zeitraum anzubieten nicht funktionieren.

love is all you need
 
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einspruch

sie müssen dazusagen, dass dies auf Biolog. Obstproduktion zutreffen mag - ebenso ev. Weinbau

biologische Getreideproduktion kommt zumeist völlig ohne zusatz aus - hier wird versucht mittels fruchtfolge (leguminosen - nat. stickstoffsammler) zu einer nat. nährstoffzufuhr zu gelangen, was auch verhältnismässig gut funktioniert

gemüseproduktion - die ich kenne - funktioniert OHNE Schwefel, oder Kupfereinsatz (obwohl legal, aber nicht unumstritten!)
mit biodünger, nutztiereinsatz(raubmilben usw.)
diversen ölen
der output ist geringer als konventionell, dafür aber nachhaltiger - (geringerer Abfall der ertragskurve über jahre hinweg)

sie unterschlagen naturschutz, biol. saatgut (vs. s.von konzernen), artgerecht(ere) tierhaltung uvm.

egon meier
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Ich sehe beim Merkur leider nur meist die schöne Ware

und die geschmackvolle finde ich dort meist nicht.

Bei meinem Biohändler (keine Kette) ist das Verhältnis umgekehrt.

Ich nehme an, die Selbstversuche der meisten Anti-Bio-Poster beschränken sich auf sporadische Versuche, die einst schnell und erfreulicherweise zum gewünschten Ergebnis geführt haben.

accuser
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Danke fürs Ausformulieren! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

her wig
02

Naja, die "originalen" Biobauern, die mit einem gewissen Idealismus an die Sache heran gehen, mach(t)en das schon anders. Aber sobald etwas mehr Mainstream wird, fängt der ganze Zirkus mit den Maximierungen wieder von vorne an, nur mit etwas geänderten Rahmenbedingungen. So kommt dann wohl der Bio-Schmäh zustande.

Außerirdischer
02
Die Frage ist, was ist in dem Lebensmittel, das nicht ''Bio'' ist, noch alles drinnen?

Ein Apfel ist ein Apfel, egal ob ''bio'' oder nicht. Ist aber ein Analog-Käse noch Käse? Sind die industriell hergestellten Lebensmittel noch Mittel zum Leben? Wieviel Zeit muss ich im Supermarkt aufbringen um das Kleingedruckte zu lesen?

Ein Analog-Beispiel wie die Menschen das quer durch die jahrhunderte emfinden:

Im Mittelalter wurden Wirte die den Wein oder das Bier gepanscht hatten, in ein Faß gesteckt und über die Böschung in den nächsten Fluß gerollt.

suboptimal
 
03
na dann – weiter so

http://derstandard.at/?url=/pli... 1/13659484

viele werden sich irgendwann da wiederfinden:

Erste Hilfe bei Nahrungsmittelunverträglichkeit
http://www.libase.de/firstaid.... quf3cbeg92

http://www.libase.de/forum.htm... quf3cbeg92

*fiel fergnügen*

FSK
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Was hat das mit bio zu tun?

Rein garnichts.
Abgesehen davon dass bei einem Gutteil der Betroffenen die Probleme psychisch bedingt sind

The Dark
02
wenn man

von Paprika und Gurken Ausschlag und Allergie bekommt, bei Biogurken und Biopaprika aber nicht, ist das dann auch psychisch bedingt?

Threonin
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Ich finde die "ja Natürlich" - Werbung sympathisch. Natürlich ist sie unrealistisch, das ist aber ein Waschmittel, das weißer als weiß wäscht ebenfalls.

Was die Chemie betrifft, vor Allem der niedrigere Anteil an Pestiziden aller Art dürften der Gesundheit zuträglich sein. Beim Fleisch kommt eine zusätzliche ethische Komponente hinzu, erwarten sich viele Konsumenten bei Biofleisch doch, dass die Tiere besser gehalten werden. Das kann sich auf die Güte des Produkts ebenfalls auswirken.

Ein weiterer Punkt ist die Sortenvielfalt. Bei Bioprodukten (Obst, Gemüse) gibt es öfters auch Sorten, die bei konventionellen Produkten nicht zu finden sind und manchem Gaumen besser schmecken.

Letztlich das Symbolische: man zeigt als Kunde, dass man für bessere Produkte bereit ist, mehr zu bezahlen und zeigt, dass es Nachfrage gibt und somit einen möglichen Markt für hochwertige Produkte.

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