Einen Biobauern kann man sich so vorstellen: Der geht in sauberer Arbeitskleidung durch eine Bilderbuchlandschaft, plaudert mit seinem Ferkel, das dem Schweinchen namens Babe nachempfunden ist, und liefert Essen, das gesünder ist und besser schmeckt als alles, was es sonst auf dem bösen, bösen Agrarmarkt gibt.
Diese Vorstellung wird von der Fernsehwerbung genährt. Sie hat aber mit der Realität in der Landwirtschaft nichts zu tun. Sie hat auch mit der Realität in den Lebensmittelgeschäften und Restaurants, wo die Produkte aus ökologischem Landbau angeboten werden, nichts zu tun. Dort geht es um Marktwirtschaft - also um Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Bioprodukten wächst - aber diese Nachfrage beruht eben auf den falschen Erwartungen, die die Werbung weckt. Und sie könnte zurückgehen, wenn den Konsumenten bewusst wird, dass alle Lebensmittel etwa gleich reich an Nährstoffen sind und dass auch konventionell produzierte Lebensmittel streng geprüft sind. Alles Essen ist ziemlich sicher. Oder unsicher - auch mit Biospeck kann man einen hohen Cholesterinspiegel bekommen.
Das spricht nicht gegen die Biobauern. Die erbringen nämlich etwas, was sinnlich viel schwerer zu erfassen und leider auch nicht werbetauglich ist: Umweltschutz konkret. Mit jedem Schluck Biomilch, mit jedem Stück Biobrot schützt man Boden und Grundwasser. Und man sorgt dafür, dass Bauern einen fairen Preis bekommen. Bio ist ein Geschäft - und dazu kann man bedenkenlos stehen. (Conrad Seidl, DER STANDRAD, Print-Ausgabe, 1./2.8.2009)