Mirna Jukic gewinnt WM-Bronze

1. August 2009, 19:07
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Mit OSV-Rekord - Über Siegerin: "Kann nicht verstehen, wie man vergangenes Jahr 2:30 und jetzt 2:21 schwimmen kann"

Rom -  Mirna Jukic gewann bei der Schwimm-WM in Rom am Freitag im Finale über 200 m Brust in der österreichischen Rekordzeit von 2:21,97 Minuten die Bronze-Medaille. Ihren Europarekord verlor sie an die in 2:21,62 überraschend siegreiche Serbin Nadja Higl. Silber ging in 2:21,84 an die Kanadierin Annamay Pierse. Es ist Jukic' zweites Langbahn-WM-Bronze nach 2005 in Montreal.

Die Ausgangsposition schien nach dem Semifinale klar gewesen, die Weltrekord schwimmende Pierse und Soni waren da klar vorangelegen. Jukic war realistisch gesehen schon eine der Bronze-Kandidatinnen, doch der Rennverlauf sollte ganz anders kommen. US-Olympiasiegerin Rebecca Soni schlug von Beginn an ein ungemein hohes Tempo an, die 22-Jährige war bei der 150-m-Marke um zumindest 2,46 Sekunden vor dem Verfolgerfeld gelegen.

Doch auf der letzten Länge verließen Soni die Kräfte vollends, sie wurde schließlich in 2:22,15 nur Vierte. Higl, Pierse und Jukic hatten sich an Soni heran- und auf den letzten Metern vorbeigeschoben, es kam zum Dreikampf um Gold mit einer unerwarteten, 22-jährigen Siegerin. Jukic aber war froh, eine Medaille erreicht zu haben: "Meine Bestzeit und dazu Bronze, mehr als das kann ich nicht erwarten", meinte die 23-Jährige in einer ersten Reaktion.

Auf den letzten Metern hatte sich die Wienerin nur noch auf die Umsetzung ihrer beispielhaften Brustlagen-Technik konzentriert. "Es war extrem knapp, aber das habe ich nach dem Semifinale erwartet", erklärte Österreichs zweifache "Sportlerin des Jahres". "Nach dem Anschlag habe ich mich umgedreht und nur gehofft, dass der Dreier auf der Anzeigetafel steht."

Es ist die 22. Medaille von Mirna Jukic bei einem Großereignis, womit sie nur noch fünf Stück hinter Markus Rogan liegt. Der 27-Jährige ist mit seinen 27 EM-, WM- oder Olympia-Podestplätzen der bisher erfolgreichste österreichische Schwimmer. Auf WM-Ebene hat Jukic außer vor vier Jahren in Montreal und nun auch 2002 in Moskau auf der Kurzbahn Bronze geholt. Dazu kommt primär Rang drei im vorjährigen Olympia-Finale von Peking über 100 m Brust. 

Besonderer Platz für Medaillie

Bei der an die Siegerehrung anschließenden Pressekonferenz präsentierte Mirna Jukic ihre Bronze-Medaille. "Das ist definitiv meine schwerste Medaille, und sie ist sehr groß", meinte die 23-Jährige. Auf der einen Seite ist ein Schwimmer, auf der anderen Seite das Römer Kolosseum und ein Lorbeerblatt abgebildet. "Das ist etwas, worauf ich hingearbeitet habe", hielt der OSV-Star seinen Lohn ganz fest.

"Diese Medaille bekommt einen besonderen Platz", verriet Jukic. "Aber die von Peking hat den besten Platz, damit sie jeder gleich sieht." Jukic dankte ihrer Familie und auch ihrem Freund Jürgen Melzer. "Er ist jetzt der Mann in meinem Leben. Jürgen hat mich in letzter Zeit immer unterstützt und hat das Finale auch vor seinem Match (Anm.: Tennis-ATP-Viertelfinale in Umag gegen Ivan Ljubicic/CRO) im Fernsehen gesehen."

Verblüffende Leistung der Siegerin

Die Studentin gab an, im Finale nichts zu verlieren gehabt zu haben. "Ich habe schon so viel erreicht. Das, was letztes Jahr passiert ist und heuer das mit den Anzügen. Das war ein langes Jahr." Hinsichtlich der Anzug-Debatte konnte sich Jukic einen Seitenhieb auf Siegerin Nadja Higl nicht verkneifen. "Bei allem Respekt, aber ich kann nicht verstehen, wie man vergangenes Jahr 2:30 und jetzt 2:21 schwimmen kann."

Jukic schreibt diese Steigerung zumindest zu einem Teil den High-Tech-Anzügen zu, von dem manche Aktive besonders profitieren. "Ich bin 2001 2:28 geschwommen und jetzt erst 2:21." Die Weltmeisterin konnte ihre Leistung selbst nicht fassen. "Ich wollte nur meine Bestzeit steigern. Da ich neben Mirna geschwommen bin, habe ich nur sie gesehen und wollte sie schlagen. Eine Medaille habe ich nie erwartet, ich kann es noch gar nicht glauben."

Am Samstag tritt Jukic noch über 50 m Brust an. Doch nachdem sie nach einer postolympischen Nachdenkphase sich für das Kurzbahn-EM-Antreten im Dezember in Rijeka entschieden hatte, und dann auch noch bis zu den laufenden Weltmeisterschaften fortsetzte, lässt sie ihre Fans nun wieder zappeln. "Die Kurzbahn-EM (Anm.: Dezember/Istanbul) schwimme ich sicher nicht. Ich werde die Entscheidung Ende des Jahres treffen, ob ich weitermache." (APA)

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    Mirna Jukic gratuliert der Zweiten Annamay Pierse...

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    ...und knuddelt mit der Überraschungssiegerin Nadja Higl

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