"Erfüllen gerade noch die gesetzlichen Anforderungen"

31. Juli 2009, 18:59
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Karl Drexler, der Chef der heimischen Gefängnisse, wagt im Gespräch mit Michael Möseneder keine Prophezeiung, ob die Wirtschaftskrise die Zellen füllen wird und ob ihm das Bundesheer helfen würde

Standard: Herr Drexler, die Kriminalität ist im ersten Halbjahr stark angestiegen. Werden jetzt die Zellen wieder überfüllt?

Drexler: Derzeit beträgt die Auslastung 95 Prozent, es sind also fast alle Haftplätze belegt. Ab der Sommermitte steigt der Belag traditionell an, erst mit der Weihnachtsamnestie sinkt er wieder.

Standard: Der Kriminalitätsanstieg wirkt sich nicht aus?

Drexler: Voraussagen sind reine Kaffeesudleserei, vor allem angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, mit der wir wenig Erfahrung haben. 40 Prozent unserer Insassen sind Ausländer. Die Krise kann ja auch dazu führen, dass diese sich die Reise nach Österreich nicht mehr leisten können. Wir wissen es nicht.

Standard: Nun werden derzeit aber auch wieder mehr Polizisten ausgebildet, was fast zwangsläufig höhere Aufklärungsquoten bedeutet.

Drexler: Keine Frage, wenn wir mehr Häftlinge bekommen, werden wir mehr Personal brauchen. Wir haben derzeit noch gerade genug Mitarbeiter, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, aber mehr nicht.

Standard: Wie wirkt sich eine Personalknappheit bei der Justizwache auf die Situation in den Gefängnissen aus?

Drexler: Natürlich auf die Qualität. Aber das ist eine politische Frage: Was will ich erreichen? Geht es mir nur darum, die Gefangenen "über die Runden zu bringen", oder will ich mehr? Um erfolgreich zu resozialisieren, brauche ich natürlich Leute und keine Maschinen. Man muss ja auf die Insassen eingehen.

Standard: In der Vergangenheit wurden bereits einmal Bundesheerangehörige für den Dienst in den Gefängnissen verwendet. Gibt es da einen neuen Versuch?

Drexler: Auch das ist eine politische Entscheidung. Derzeit haben wir kein Heerespersonal eingesetzt. Eigentlich ist es uns lieber, selbst Mitarbeiter aufzunehmen, da wir die dann von Grund auf ausbilden können. Wir hatten mit dem Heerespersonal teilweise auch sehr gute Erfahrungen und haben einen Teil übernommen, andere mussten wir aber zurückschicken. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 01./02.08.2009)

 

 

ZUR PERSON:

Seit dem 1. Jänner 2007 leitet Karl Drexler die neugeschaffene Vollzugsdirektion im Justizministerium, die für alle Haftanstalten Österreichs zuständig ist.

  •  "Um erfolgreich zu resozialisieren, brauche ich natürlich Leute und keine Maschinen. Man muss ja auf die Insassen eingehen."
    foto: richard stern

    "Um erfolgreich zu resozialisieren, brauche ich natürlich Leute und keine Maschinen. Man muss ja auf die Insassen eingehen."

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