Von Medien, Fußball, Wala und Alijew

31. Juli 2009, 18:57
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Der ORF soll ins Ex-Schlacht­­haus­-­Areal einziehen. Ex-OeNB-Chef Wala, einstiger Aufsichtsrat Alijews, soll die Mehrheit am Betreiber haben

Wien - Die Chancen für das neue Media-Quarter Vienna in St. Marx, künftig den ORF zu beherbergen (er soll ja vom Küniglberg ausziehen), stehen nicht schlecht. Die Übersiedlung des ORF auf das riesige Areal des einstigen Schlachthauses St. Marx in Wien-Landstraße würde, so heißt es, auch im Wiener Rathaus gern gesehen - was insofern nicht verwundert, als der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds über sein Zentrum für Technologie und Innovation (ZIT) an der Immobilie zu 40 Prozent beteiligt ist.

Alijew-Fäden

An der Media Quarter Marx Errichtungs- und Verwertungs-GmbH (MQM) hält auch Adolf Wala Anteile; und zwar über die Beteiligungsgesellschaft VBM. Wala war früher Notenbankchef und dann Notenbankpräsident, er hat in der Oesterreichischen Nationalbank das Immobiliengeschäft aufgebaut. Das läuft über die IG Immobilien, die der Veranlagung der Pensionsreserve für Notenbanker dient (siehe unten). Heute ist Wala im Vorstand der Banken-ÖIAG Fimbag. Bei der Errichtungsgesellschaft MQM und in der Beteiligungsgesellschaft VBM ist Wala Geschäftsführer.

Dass im Hintergrund der Immobilien-Gesellschaften Walas ehemaliger Geschäftsfreund, Rakhat Alijew (ehemals kasachischer Botschafter und Beschuldigter in einem Entführungs- und Erpressungsverfahren in Österreich; es gilt die Unschuldsvermutung), mit der Sache zu tun hat, weist Wala definitiv zurück.

Vor kurzem hat es rund ums Media-Quarter aber interessante gesellschaftsrechtliche Veränderungen gegeben: Die Betreibergesellschaft des geplanten Medienparks neben der Südosttangente (die Marx Media Vienna GmbH) hat einen neuen Mehrheitseigentümer, die MMF-Beteiligungsmanagement GmbH (65 Prozent); den Rest halten Telekom Austria, zehn Prozent der bisherige Mehrheitseigentümer Martin Kraml, der mit Christian Bodizs die Geschäfte führt.

An diesem Punkt öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit. Denn die MMF wird treuhändig von Rechtsanwältin Doris Schöberl von der Kanzlei Jandl und Schöberl gehalten - für wen verrät sie natürlich nicht. Involvierte gehen davon aus, dass Wala und/oder auch Alijew hinter der MMF stehen.

Die Anwaltskanzlei mit Sitz im ehemaligen IG-Immobilien-Haus Oppolzergasse 6 (Sitz Café Landtmann) war jedenfalls auch in der gemeinsamen Vergangenheit von Wala und Alijew engagiert. Und zwar, als Wala noch im Aufsichtsrat von Alijews Wiener A. V. Maximus Holding AG (sie wird treuhändig von einem Anwalt gehalten, Wala schied Mitte 2007 aus) aktiv war.

Als solcher hat er 2007 der Gründung der Gesellschaft Howa zugestimmt, die "treuhändig durch Herrn Rechtsanwalt Peter Jandl" durchgeführt wurde und 2007 (vergeblich) um die Präsidentenvilla auf der Hohen Warte mitgeboten hat. Zuvor schon hatte der damalige Aufsichtsrat der A. V. Maximus den Erwerb einer Liegenschaft in bester Wiener Innenstadtlage beschlossen: A. V. Maximus kaufte das Eckhaus Johannesgasse 25 / Schellinggasse 7 mitsamt der Schwarcz & Co GmbH, in der das Objekt steckte. Ein kleiner Teil des "Gesamtkaufpreises von 9,8 Mio. Euro" sollte laut Protokollen über ein Darlehen von der A. V. Maximus British Virgin Islands finanziert werden.

Die City-Immobilie Alijews (Grundstücksfläche: 722 Quadratmeter) soll übrigens demnächst eine neue Nutzung erfahren. Der Amüsierbetrieb "Babylon" muss aus der Seilerstätte ums Eck ausziehen und wird laut seinem Besitzer, Peter Bretterklieber, in der Johannesgasse 25 landen. Angeblich beträgt die Monatsmiete 40.000 Euro, einen schlechten babylonischen Tagesumsatz.

Die Pläne, die der A. V. Maximus-Aufsichtsrat damals genehmigte: Die treuhändische Gründung der IFF Funk- und Fernsehbeteiligungsgesellschaft in Deutschland (mit 1,56 Mio. Euro Stammkapital); die Unterstützung des Fußballclubs Vienna mit 600.000 Euro. Hintergrund: Wala war damals Vienna-Präsident, Alijew Chef des kasachischen Fußballverbandes.

Fußball-Fäden

Die fußballerischen Pläne damals gingen weit, die dafür gegründete S.T.A.R.T. Management Consulting sollte auch sämtliche "Auslandsagenden für die kasachische Nationalmannschaft in organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht organisieren". Aus all dem ist aber nichts geworden, wie Wala dem Standard jüngst erklärte. Denn im Laufe des Jahres 2007 ist Ex-Geheimdienstchef Alijew bei seinem Ex-Schwiegervater, Präsident Nursultan Nasarbajew, in Ungnade gefallen, er wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt, ein Auslieferungsverfahren läuft.

Die sportlichen Geschäfte von Wala reichen auch in die Gegenwart und nach St. Marx: MMF-Chef Andreas Lenzinger (Ex-Tennis-Trainer) und Marx-Media-Co-Chef Bodizs (ehemaliger Kartenspiel-Saloon-Besitzer) sind beide Funktionäre beim Fußballclub Vienna. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 1./2.8.2009)

  • Im Wiener Media Quarter treffen einander Zukunft und Vergangenheit.
    foto: standard

    Im Wiener Media Quarter treffen einander Zukunft und Vergangenheit.

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