Public Enemies

Der digitale Staatsfeind

31. Juli 2009 17:51

Michael Manns Gangsterfilm-Revision

Wien - "I'm John Dillinger. I rob banks." Der Held von Michael Manns Gangsterfilm Public Enemies kommt gerne ohne Umschweife auf den Punkt. Im Chicago der 30er-Jahre ist dieser leidenschaftliche Kriminelle, den das von der Depression geplagte Volk bald als Sozialrebellen verehrt, gleichwohl einer der letzten seiner Art. Ein Einzelgänger, der außerhalb des Syndikats operiert; ein Mann der reinen Gegenwart, in dem Coolness und Courage eine zwingende Einheit bilden.

Johnny Depp spielt diesen Dillinger auf eine für ihn untypische Weise - bar der gewohnten Manierismen, dafür mit körperlicher und emotionaler Wucht. Der Getriebene nimmt sich, was er will: Selbst Billie (Marion Cotillard), die Frau seines Lebens, erobert er überfallartig. Mann lässt den Mythos des Gangstertums intakt, verlegt den Schwerpunkt allerdings auf das Katz-und-Maus-Spiel mit dem Staat und kontrastiert auf diese Weise individuellen Heroismus mit einem Polizeiapparat, der sich mit immer innovativeren Mitteln gegen die Kriminalität rüstet.

Der Film basiert auf Bryan Burroughs 600 Seiten schwerer Analyse der damaligen Verbrechenswelle. Mit dem FBI-Jäger Melvine Purvis (Christian Bale), der Dillinger wie ein Bluthund verfolgt, findet sich der entsprechend manische Kontrahent - eine Konstellation, die an frühere Filme Manns wie Heat erinnert. Public Enemies sieht jedoch aus wie kein "period piece" davor: Manns eruptive High-Definition-Videoästhetik reißt das Gangstergenre aus seinem historischen Mantel und konfrontiert den Zuschauer mit (Handkamera-)Bildern von einer mitreißenden Gegenwärtigkeit. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 01./02.08.2009)

 

>>> "Der letzte der herumziehenden Bankräuber"
Regisseur Michael Mann im Interview - Von Bert Rebhandl

 

Ab 7. August im Kino

norman m.
15.08.2009 12:34
Enttäuschend -

stereotype Charaktere + Dialoge und die aufdringlichste Kameraarbeit seit langem...

michael grasberger
11.08.2009 08:30

war interessant zu erfahren, dass in chicago 1930 praktisch kaum geraucht und getrunken wurde. und beim sex blieb man angezogen...
auch sonst ein ärgernis von einem film, nach dem man gern wieder die dvd mit lawrence tierney als dillinger aus dem regal holt.

pike bishop
04.08.2009 22:49

Wahrscheinlich zu spät, dass es noch wer liest: mir gehen diese Schickmickigangster, wie sie jetzt in den Filmen herumgeistern, auf die Nerven. So was war Dillinger nicht. So was sind vielleicht die heutigen Kinogeher. Deshalb gefiel mir ja auch Heat nicht. Weil de Niro als Gangster einfach zu bürgerlich, zu fein, zu kultiviert war.

o_lok
02.08.2009 01:06

nicht der absolute Wahnsinnsfilm vielleicht, trotzdem aber einfach tolles Kino. was ja durchaus zu erwarten war, wenn man Mann, Depp u Bale in einen Film vereint.

Der sich den Wolf tanzt
01.08.2009 10:37
handkamerabilder?

dh ein herumgewackel für mehr realismus? danke nein. kein film für mich.

Jon Steinberg
01.08.2009 23:09
Oje

Mann verwendet schon seit Collateral für seine Filme Digitalkameras. Die sind nunmal erheblich kleiner als die riesigen, klassichen Filmkameras. Das bringt viele Vorteile, wackeln muss deswegen aber noch lange nichts, erleichtert solche Aufnahmen wenn gewünscht aber natürlich. Aber kleiner Tipp: neben dem Artikel gibts einen Trailer, da hättest du dich vom Kamera-Stil des Films überzeugen können anstelle aufgrund von einigen Textbrocken hier blöd rumzubrabbeln. Ansonsten hat Mann mit Collateral und Miami Vice bewiesen dass er weiß, was er mit den in deutsch etwas blöd Handkamera übersetzen DV-Kameras macht.

don calvo
01.08.2009 09:14
fad, aber schoene bilder

bin mit offenen augen eingeschlafen.

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