Public Enemies

"Der letzte der herumziehenden Bankräuber"

31. Juli 2009, 17:52
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    foto: uip

    Kühle Miene zum gefährlichen Spiel: Ein großartiger Johnny Depp spielt John Dillinger, den meistgesuchten Verbrecher des Landes.

Der Film "Public Enemies" erzählt von der Jagd auf John Dillinger, einen berüchtigten Bankräuber im Chicago der 30er-Jahre

Standard: "Public Enemies" beruht auf dem gleichnamigen Buch von Bryan Burrough, in dem die Verbrechenswelle in den USA in den 1930er-Jahren mit Bonnie & Clyde, Baby Face Nelson u.a. im Zusammenhang mit der Entstehung des FBI erzählt wird. Warum konzentrieren Sie sich stark auf John Dillinger?

Mann: Er war unter all diesen Gesetzlosen derjenige, der mich am meisten fasziniert. Er hat das Leben geliebt. Seine Lust auf menschliche Erfahrung, auf alles Materielle, auf alles Verchromte - das macht ihn zu jemand Besonderen. Er war nicht "bigger than life" , aber er war intensiver. Natürlich hatte er schwierige Momente zu bestehen, aber er ließ sich nie brechen. Denken Sie an diese Szene im Film: Ganz zum Schluss, kurz bevor die Polizei ihn kriegen wird, geht er noch durch das Chicago Detective Bureau, in dem die Fahndungsfotos aufgehängt sind. Diese Szene ist der pure John Dillinger.

Standard: Seine Fallgeschichte wurde häufig verfilmt. Besonders bekannt ist "G-Men" aus dem Jahr 1935 mit James Cagney - der Film wurde aus der Perspektive des FBI erzählt, auch Bryan Burrough greift auf die Dokumente aus FBI-Archiven zurück. Warum ist dieser Blickwinkel bei Ihnen nebensächlich?

Mann: Weil die FBI-Agenten farblose Leute sind. Dillinger ist derjenige, der am Ende des Films im Biograph-Kino sitzt und Clark Gable auf der Leinwand sieht. Der Hollywoodstar spielt bis zu einem gewissen Grad die Person von Dillinger. Und ich sage Ihnen eines, der Mann muss schon etwas Besonderes gewesen sein, wenn er so zu so einem Nachruhm kommen konnte. Denn Bankraub war schon damals nicht gerade das Verbrechen, vor dem sich alle fürchteten. Nehmen wir Frank Nitti, der im Film auch auftaucht - das war ein neurotischer und genialer Verbrecher. Aber Dillinger war schon 1916 aus der Mode. Er ist ein Bandit aus dem Geist des 19. Jahrhunderts. Er ist obsolet. Burrough weist auch darauf hin, dass Dillinger der letzte der herumziehenden Bankräuber war, nicht der gefährlichste. Deswegen wurde er berühmt, weil er länger durchhielt. Wenn die Regierung aber wirklich die klugen Leute auf deine Spur setzt, dann ist es schnell vorbei mit dir.

Standard: In dem Buch steckt auch so etwas wie eine Parabel auf die US-Gegenwart der Bush-Jahre - eine Regierung rüstet auf gegen einen inneren Gegner und verliert dabei auch das Maß.

Mann: Die Politik spielt nur in der Analyse eine Rolle. Woran liegt es, dass die Bürokratie des FBI scheitert? Zuerst muss man verstehen, dass es historisch falsch ist, J. Edgar Hoover nicht als Innovator und Visionär zu sehen - so wenig ich ihn mag, er hat Großartiges geleistet. Ich kenne Leute, die heute im Konterterrorismus arbeiten - sie tun fantastische Arbeit. Oder die US-Drogenbekämpfung. Es ist kein Zufall, dass nach dem 11. September 2001 alle bei der DEA (Drug Enforcement Agency) anklopften, denn nur dort gab es die sehr ausgeklügelte Human Intelligence, die nun gebraucht wurde. Hoover war seiner Zeit voraus, aber unter den damaligen Umständen scheiterten sie. Sie fanden Dillinger nicht mit ihren wissenschaftlichen Methoden. Sie mussten Leute dazu zwingen, zu Verrätern zu werden.

Standard: Wie kamen Sie auf Johnny Depp für die Hauptrolle - ein Schauspieler, der in dem Franchise "Pirates of the Carribean" populär wurde, aber auch eine ausgeprägt eigenwillige Identität hat.

Mann: Ich mochte ihn in Gilbert Grape, Donnie Brasco, The Libertine - dort sehen Sie den Johnny Depp, den ich vor Augen hatte. Ich habe ihn noch nie emotional entblößt gesehen, aber ich glaube, wir sind ihm zum ersten Mal unter die Haut gegangen.

Standard: Sie arbeiten mit einem Minimum an Psychologie - im Gegenteil hat es den Anschein, als hätten Sie am liebsten alles Individuelle an Dillinger weggelassen.

Mann: Ich wollte eine Vorgeschichte außerhalb des Texts schaffen. Seine Mutter stirbt, als er drei Jahre alt ist. Er sucht nach Liebe. Er hat intensive Gefühlsbeziehungen, kann sie aber von heute auf morgen abbrechen, wenn er jemand verliert. Er ist hart genug, damit zurechtzukommen. Diese Figur wollte ich mit den Ereignissen konfrontieren, daraus entsteht eine Art Fraktal. Ob das funktioniert, muss das Publikum entscheiden. Ich wollte einen intensiv gegenwärtigen Film machen.

Standard: Sie haben auch eine persönliche Beziehung zu Dillinger - durch Ihre Herkunft.

Mann: Ich bin in der Gegend von Chicago aufgewachsen, in der er ums Leben kam. Wir sind ins Biograph-Kino gegangen und haben jedes Mal die große Plakette gesehen: Hier starb John Dillinger. Chicago ist ein sehr brechtischer Platz, hier haben die Menschen einen sehr gesunden Skeptizismus gegenüber Institutionen. Als ich auf diese Tatsache stieß, dass Dillinger keine Vorstellung von der Zukunft hatte, dass er überhaupt keine Pläne machte, da begann ich mich für die kulturellen Umstände der Zeit zu interessieren. Hemingway schrieb damals Death in the Afternoon - ein Dokument des Fatalismus wie nur eines. Diese stürzende Kaskade eines Lebens interessierte mich.

Standard: Auch "Public Enemies" ist, wie viele letzten Filme, auf High-Definition-Video gedreht. Warum?

Mann: Auf 35-mm-Zelluloid hätte es ausgesehen wie ein typisches "period movie" , ein Ausstattungsfilm. Das Publikum wird dadurch unweigerlich auf die Position von Betrachtern auf Abstand festgelegt. Video dagegen lässt alles aussehen, als geschähe es gerade. Es ist nicht so, dass 1933 eigentlich 2009 ist, sondern dass wir ins Jahr 1933 zurückgehen. Wir sind in der Gegenwart von 1933, 1934. Wir sind in dieser Zeit lebendig. (Bert Rebhandl, DER STANDARD/Printausgabe, 01./02.08.2009)

 

>>> Der digitale Staatsfeind
Michael Manns Gangsterfilm-Revision - Von Dominik Kamalzadeh

 

Zur Person:
Michael Mann (66), geboren in Chicago, wurde als Produzent der TV-Serie "Miami Vice" bekannt. Zu seinen wichtigsten Regiearbeiten zählen "Heat" , "The Insider" , "Ali" und "Collateral" .

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Posting 1 bis 25 von 81
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DesmondTutu
 
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20.8.2009, 07:01

Finde den Film toll. Ist halt nicht jedermann's Geschmack.

Kevin Valachovic
00
16.8.2009, 04:02
naja...

Johnny Depp wirkt furchtbar gelangweilt, und der Regiestil von Michael Mann war in "Heat" noch super, zerstört hier jedoch den ganzen Film...

Naschgul
00
27.8.2009, 09:36

Ich hatte auch das Gefühl, dass sowohl Johnny Depp als auch Christian Bale ganz dezent unterfordert waren... irgendwie auch gelangweilt. Und die oft hektische Kameraführung hat mich gewaltig genervt.

knievel
00
11.8.2009, 11:29
habe mir mehr erwartet

die eigentliche gelassenheit die dillinger angeblich innehatte wird durch lässiges auftreten und ein paar lustige sprüche dargestellt.
die kreativen banküberfälle kommen im film gar nicht vor (sondern zweimal standard, reingehen bedrohen, rumballern).
dazu eine übertrieben hektische kameraführung, actiongeladene - aber komplett unglaubwürdige - schusswechsel und sehr gewöhnungsbedürftige vertonung (die musik bricht dauernd abrupt ab, irgendwie nicht stimmig)

summa summarum: nicht fisch nicht fleisch, netter film aber es wäre um einiges mehr drin gewesen...

Galgenvogel
00
11.8.2009, 01:36

großartige handlung. aber die kameraführung hätte man nicht einem amateur und einer 200€ digicam überlassen sollen...hat den film irgendwie kaputt gemacht

sabin.e
00
12.8.2009, 23:51
Interessant

Dante Spinotti als Amateur zu bezeichnen finde ich ja etwas gewagt ... andere Filme wären: The Insider, Heat, Wonder Boys, LA Confidental, Nell etc ...
In Summe hat er bereits bei über 57 Filmen die Kamera bedient ;-) ... Und bitte diese 200 Euro Digi Cam will ich sehen ...

Galgenvogel
00
13.8.2009, 15:33

kann ja sein, Heat hat mir sehr gut gefallen. Aber da ein Film (meist) ein Kunstwerk ist und ich die Ästhetik gerne beurteile kann ich halt sagen "das gefällt mir" oder eben nicht.
bei diesem film kommt es mir so vor als hätte die kameraführung (oft hinterm rücken, hinterm kopf, am boden oder sonstwo) die handlung etwas kaputtgemacht und das "das gefällt mir" verübelt.
sorry, ist meine meinung

freeye
01
11.8.2009, 09:27
war wirklich wütend über

diese miese kamera - da kann ein Mann doch besseres - warum der auf HD drehn musste, (vor allem nicht durchgängig) weiß wohl nur er selbst

Galgenvogel
02
11.8.2009, 13:06

HD oder nicht, ein paar szenen hatten meiner Meinung nach, vom kameratechnischen die qualitätstufe von diesen Sat1.Krimi-Reality-Sendungen. und das muss bei so einer geschichte echt nicht sein.

myschkin
00
11.8.2009, 11:11
slink
00
10.8.2009, 22:13
gratis kinotickets...?

bin nicht nur totaler depp fan-und werd ihn mir auch in O Version ansehn - sondern bin grad durchs lesen draugekommen, dass mobilfunker orange viell. gratis kinokarten an die stammguests rauswirft - das wär viell. mal geil. dann brauch i ned lang nachdenken ob ich mir das ganze jetzt im kino anschau od. nicht. ;)

slink
00
10.8.2009, 21:11

an fluch in die karibik denk ich eher nicht - mir taugen einfach nur diese unglaublich unterschiedlichen charakteren die der depp dauernd spielt. ausserdem spielt er immer seine kollegen sozusagen an die wand - auf alle fälle muss ich mir das ganze in originalsprache anschaun. hab sogar grad von einer kollegin gehört viell. kinokarten gratis von mobilfunker orange zu bekommen sind. mal sehn - viell. ja auch für diesen streifen - wär lässig...

Barney_Stinson
24
man muss schon sehr sehr weit hinter dem x-ten mond des saturns gelebt haben, wenn man beim namen jonny depp zu allererst an fluch der karibik denkt...

o_lok
00

es ist einfach ein großartiger Film. vielleicht nicht der beste mit Johnny Depp, vielleicht nicht der beste von Michael Mann, vielleicht nicht der beste mit Christian Bale...und trotzdem weit vor der Konkurrenz.
aber was erwartet man sonst, wenn man Mann, Depp u Bale in einem Film vereint? tolles Kino einfach

dieter tafel
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ich stimme im grossen und ganzen zu, NUR Bale wird von Depp leider an die wand gespielt, was wahrscheinlich das grösste manko des films ist.

o_lok
00

na ja, der ganze Film ist ja sehr auf Depp zugeschnitten. aber gerade deswegen mag ich Bale, weil er sich nicht zu schade ist, auch mal die zweite Geige zu spielen u seinem Kollegen den Vortritt zu lassen (siehe auch Dark Night).

pike bishop
33

Bei allem Respekt vor Johnny Depp, als Dillinger kann er schon vom Typ her Warren Oates nicht das Wasser reichen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
10
erstens kann Depp ohne viel Maske SEHR unterschiedlich wirken

zweitens sieht er in naturaDillinger weit eher ähnlich als Oates

pike bishop
01

Haben Sie schon einmal ein Photo von Dillinger gesegen?

Sehr hübsch war er nicht (und von Armani eingekleidet auch nicht).

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
ja, sicher. Ganz und gar nicht Oates.

pike bishop
00

Tut ir leid, ich habe mir evrsehentlich selbst geantwortet.Ober 2 links zur Optik

girls in the cage
01

Michael Mann der Mann für die grossen Männer-epen!

herstory
157

goldene zeiten als die menschen noch banken überfielen und nicht umgekehrt!

Der Saftmeister
00
schenial!

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