Umsatzeinbruch

31. Juli 2009, 17:22
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Vergangene Woche twitterte Christie's seine Halbjahresbilanz: Umsatz und Anzahl der Millionenzuschläge schrumpften, die Marktführerschaft blieb

Jetzt wird das Kind im übertragenen Sinn beim Namen genannt, die seit Jahresbeginn international verzeichneten Umsatzeinbußen sind erstmals über konkrete Prozentsätze dokumentiert. Sotheby's wird die Zwischenbilanz erst in den nächsten Wochen zusammen mit den Ergebnissen aus dem zweiten Quartal veröffentlichen.

Christie's tat es bereits Ende vergangener Woche, wie seit Februar üblich auch via Twitter - das Maximum von 140 Zeichen verschlang allein die Ankündigung des Umsatzes von 1,2 Milliarden Pfund. Für nähere Informationen durfte sich die kleine Gruppe von 713 regelmäßigen Usern ("Follower" ) des weiterführenden Links bedienen. Und dieser Detailblick ist durchaus lohnend - weil Kurznachrichten selbst in der Kunstszene nicht das Maß aller Dinge sind.

Auf den ersten Blick klingt dieser Umsatz stattlich, schon gegenüber jenen Beträgen, die andere Auktionshäuser in den vergangenen sechs Monaten vergleichsweise zusammenfegen mussten.

Und mit einem Marktanteil von 61 Prozent hat man gegenüber der Konkurrenz klar die Nase vorn. Beträchtlich ist aber auch der jetzt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 verlautbarte Rückgang: Von 457 über der Eine-Million-Dollar-Grenze verkauften Kunstwerken auf 211, von 1,8 auf einen 1,2 Milliarden Pfund-Umsatz. Mit anderen Worten beläuft sich der Schwund aller Geschäftsbereiche auf 35 Prozent, allein für das Auktionssegment auf 37 Prozent.

Dabei beziehen sich diese Zahlen lediglich auf die Pfund-Kalkulation. Über die seit Jahresbeginn registrierten Kursschwankungen zeichnet der Dollar-Vergleich ein noch dramatischeres Bild: 2008 lag man nach den ersten sechs Monaten bei einem Total von 3,5 Milliarden, das 2009 um fast die Hälfte (48,6 Prozent) auf 1,8 Milliarden Dollar welkte. Selbst das derzeit ob der diskreten Abwicklung zunehmend beliebte und von Christie's auch angepriesene Segment Private Sales verzeichnet einen Rückgang um 13 Prozent auf 133,1 Millionen Pfund (199,7 Mio. Dollar).

Ob man sich mit solchen Umsätzen - bei einem Betrieb in der Größenordnung von Christie's, mit 53 Niederlassungen in 30 Ländern, mit entsprechendem Personal- und auch Marketingaufwand - überhaupt noch in der Gewinnzone befindet? Wohl kaum. Einen detaillierten Blick in die Bücher gewährt das 1766 von James Christie gegründete Auktionshaus aufgrund seines Status als Privatunternehmen ohnedies nicht.

Der an der Börse notierte Mitbewerber Sotheby's ist hingegen dazu verpflichtet. Die Gewinnspannen schrumpfen seit Jahren, schon weil man wegen der Engpässe an der Akquisitionsfront Verkäufern von hochwertigen Kunstwerken immer bessere Konditionen einräumen muss. Was bleibt, ist die dem Käufer auf Basis des Nettozuschlags angelastete Provision, mindestens zwölf Prozent und höchstens 25 Prozent.

Am Beispiel des im Rahmen der letzten Auktion der Sparte Post War & Contemporary Art bei Christie's in London erzielten höchsten Zuschlages erläutert: Das für Peter Doigs Urban Playground von einem anonymen Privatkäufer bewilligte Meistbot belief sich auf 2,65 Millionen Pfund, der Kaufpreis auf etwas mehr als drei Millionen Pfund. Die Differenz von 359.250 Pfund darf sich das Auktionshaus in die Bücher notieren. Welchen Betrag man vom Einbringer einbehielt möchte Christie's auf Anfrage nicht bekanntgeben. Womöglich nichts.

Gerüchteweise soll man ja auch an der offiziell lukrativsten Auktion des Halbjahres, der via Paris verteilten Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé (Total 342,5 Mio. Euro / 304,9 Mio. Pfund), wenig bis gar nichts verdient haben.

Zumindest fungieren Events wie diese als probates Marketingtool. Ob dazu auch die Präsenz bei Twitter, Facebook und Youtube oder neuerdings als iPhone-Applikation taugt, wird die Zukunft zeigen. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 01./02.08.2009)

  • Etwas mehr als drei Millionen Pfund berappte ein anonymer Privatsammler
für Peter Doigs "Urban Playground" aus den Jahren 1997/98.
    fotos: christie's

    Etwas mehr als drei Millionen Pfund berappte ein anonymer Privatsammler für Peter Doigs "Urban Playground" aus den Jahren 1997/98.

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