Bewegung im Bieterkampf

1. August 2009, 11:13
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Am Montag kommt der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat der ehemaligen Opel-Mutter GM zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen

Frankfurt - In die festgefahrenen Gespräche zwischen dem austrokanadischen Autozulieferers Magna und General Motors über einen Verkauf von Opel kommt offenbar Bewegung. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sagte am Freitagabend, die strittigen Punkte zwischen den Verhandlungspartnern seien geklärt.

Damit dringt Beck auf eine rasche Entscheidung in den seit Wochen dauernden Verhandlungen. "Man kann jetzt entscheiden, wenn man entscheiden will." Er erwarte "eine klare Entscheidung über den Neuanfang von Opel" in der nächsten Woche. Im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern hat Opel ein Motoren- und Komponentenwerk.

Am Montag kommt der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat der ehemaligen Opel-Mutter GM zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dabei soll Kreisen zufolge unter anderem auch über den Rüsselsheimer Autobauer beraten werden.

Druck erhöht

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte einem Bericht zufolge den Druck auf das US-Management erhöht. Nach Informationen der Hamburger "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) telefonierte Steinmeier am Freitagnachmittag persönlich mit GM-Boss Fred Henderson. Der deutsche Vizekanzler habe in dem Telefonat klar gestellt, dass es deutsche Staatsbürgschaften nur für einen Opel-Investor gebe, der langfristig beim Rüsselsheimer Autobauer einsteigt und die Arbeitsplätze garantiert.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus forderte unterdessen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich ebenfalls persönlich in den USA für die Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel einzusetzen. Er gehe davon aus, dass Merkel ihren Einfluss bei US-Präsident Barack Obama geltend mache, sagte Althaus der "Bild"-Zeitung. Kurz vor der möglichen Entscheidung über einen Opel-Käufer machte auch Althaus deutlich, dass die deutschen Staatsbürgschaften nur bei einer Entscheidung für Magna zum Tragen kämen.

Gespräche im Stocken

Zuletzt waren die Gespräche zwischen Magna und GM ins Stocken geraten. Der US-Autobauer hatte von neuen unerfüllbaren Forderungen des Zulieferers gesprochen. Streitpunkte waren unter anderem künftige Lizenzzahlungen und die Entscheidung über Vertrieb und Produktion in Russland. Mittlerweile würden sich die Verhandlungspartner jedoch aufeinander zu bewegen, sagte eine mit der Situation vertraute Person. "Vor dem Boardmeeting ist Bewegung ins Spiel gekommen", hieß es in den Kreisen.

Mit der Annäherung dürfte Magna in der Gunst von GM wieder steigen. Der Autobauer hatte als Käufer für seine ehemalige Europatochter zuletzt den ebenfalls an Opel interessierten Finanzinvestor RHJ bevorzugt. Allerdings hatten sich die Opel-Länder und die Belegschaft gegen ein Engagement des Finanzinvestors gesperrt. Auch die Bundesregierung hatte eine "bedingte Präferenz" für Magna geäußert. Mit dem kanadischen Zulieferer hatte sich GM bereits auf eine Grundsatzvereinbarung für eine Übernahme von Opel geeinigt. Magna will Opel gemeinsam mit der russischen Sberbank übernehmen.

Glänzende Geschäfte

Die Geschäfte bei Opel selbst laufen auch dank der staatlichen Verschrottungsprämie glänzend. Seit Jahresbeginn stieg der Absatz um rund ein Drittel auf mehr als 219.000 Wagen. Neben dem Kleinwagen Corsa war zuletzt besonders das Kompaktmodell Astra gefragt, dessen Absatz sich in den vergangenen drei Monaten fast verdoppelte. (APA)

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