"Mehr Platz für sportliche Schwimmer"

2. August 2009, 19:10
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Brust- oder Rückenschwimmen, Kraulen und Delfin? Schwimm­trainer Stephan Dvorak über die richtige Schwimmtechnik, die Atmung und das Aha-Erlebnis im Wasser

STANDARD: Die meisten Österreicher können schwimmen. Was bringt Schwimmtraining?

Dvorak: Die meisten können Brustschwimmen, nur wenige können alle vier Schwimmtechniken. Dabei wäre es die perfekte Sportart, um Kraft und Ausdauer zu entwickeln, ohne Gelenke zu überanspruchen.

STANDARD: Gibt es einen "falschen" Schwimmstil?

Dvorak: Das Bild in österreichischen Bädern sind Brustschwimmer, die den Kopf ständig über Wasser halten. Von diesem Bruststil ist aus gesundheitlicher Sicht abzuraten. Der Lendenwirbelsäulenbereich wird dabei zu stark beansprucht. Die positiven Effekte wie Verbesserung der Ausdauer und eine Kräftigung, darf man sich mit der falschen Schwimmtechnik nicht erwarten.

STANDARD: Worauf kommt es an?

Dvorak: Auf die Technik hinsichtlich Atmung und Koppelung der Arm- und Beinbewegung, auch eine optimale Wasserlage ist wichtig. Das Erlernen des Kraulens steht bei uns zu Beginn im Vordergrund.

STANDARD: Wie verläuft eine ideale Schwimmkarriere?

Dvorak: Wir haben ein dreistufiges Schwimmlehrsystem entwickelt. Im ersten Modul wird das Kraulen zuerst erlernt, im Training dann automatisiert. Erst dann empfehlen wir die restlichen Schwimm- lagen. Bei aller Methodik müssen Spaß und Freude im Vordergrund stehen. Anfangs reichen zwei Trainingseinheiten pro Woche.

STANDARD: Wer hört wieder auf?

Dvorak: Unsere Drop-out-Rate liegt bei fünf Prozent. Am Anfang geht es - wie bei allen Sportarten - um Regelmäßigkeit und Durchhaltevermögen. Das Aha-Erlebnis setzt dann bei manchen früher, bei manchen später ein. Schwimmen ist auch ein Weg, Körpergefühl zu entwickeln, zu spüren, was möglich ist und was nicht.

STANDARD: Schwimmen ist allgemein eine eher einsame Sportart.

Dvorak: Für viele Menschen, die abschalten wollen und Ruhe benötigen, ist das perfekt. Für alle, die Schwimmen lernen oder ihre Technik verbessern wollen, ist aber gerade die Gruppe wichtig. Gemeinsam trainieren fördert die Motivation. Vor allem lernt man ja auch beim Zuschauen und kann bei anderen sehen, wie der Ellenbogen bei der Kraulrückholphase des Armes aussehen soll.

STANDARD: Was würden Sie sich für Sportschwimmer wünschen?

Dvorak: Bessere Bedingungen. Schwimmkultur ist hierzulande ein Fremdwort. Bei uns wird gebadet. Es ist bezeichnend, dass wir von Bädern und nicht von Schwimmhallen sprechen. Schwimmbahnen einzuhängen und für unterschiedliche Schwimmniveaus auszuschildern würde die Lage sehr verbessern. Vielleicht nutzt auch der Triathlon-Boom, der viele Sportler das Schwimmen wiederentdecken lässt. Es wäre schön, wenn es für sportliche Schwimmer mehr Platz gäbe - und Öffnungszeiten, die auch Berufstätigen entgegenkommen. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 03.08.2009)

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    Für viele Menschen, die abschalten wollen und Ruhe benötigen, ist Schwimmen der perfekte Sport

  • Stephan Dvorak (33) ist Sportwissenschafter, diplomierter
Schwimmtrainer und ehemals Leistungsschwimmer und Wasserballer. Vor
einem Jahr hat er zusammen mit zwei Partnern Flowsports gegründet.
Neben einem Schwimmkurssystem bietet das Institut auch
sportwissenschaftliche und medizinische Betreuung an.
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    Stephan Dvorak (33) ist Sportwissenschafter, diplomierter Schwimmtrainer und ehemals Leistungsschwimmer und Wasserballer. Vor einem Jahr hat er zusammen mit zwei Partnern Flowsports gegründet. Neben einem Schwimmkurssystem bietet das Institut auch sportwissenschaftliche und medizinische Betreuung an.

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