Neue Resistenzen könnten katastrophale Folgen haben

2. August 2009, 17:36
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Wiener Tropenmediziner: Ursache ist vor allem Unempfindlichkeit gegen Artemisinin - Besonders für örtliche Bevölkerung gefährlich

Wien/Boston - Malariaerreger in Asien zeigen zunehmende Restistenzen gegenüber dem derzeit wichtigsten Medikament Artemisinin. Im vergangenen Jahr wurde erstmals systematisch die Ausbreitung dieser Restistenzen vom Wiener Fachmann Harald Noedl (Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin/MedUni Wien) und seinem Team in Feldforschungen nachgewiesenen.

Nun warnen die Wissenschafter, dass die Entwicklung langfristig katastrophale Folgen für die Bekämpfung einer der gefährlichsten Krankheiten der Menschheit haben könnte. In einem Brief an das New England Journal of Medicine (30. Juli) beschrieb das Wissenschafterteam jetzt die in Asien von Bangladesch (Westen) bis Thailand und Kambodscha (Osten) zunehmende Resistenz gegen die derzeit wichtigsten Anti-Malaria-Arzneimittel.

Erstmals war das Phänomen der Unempfindlichkeit der von Plasmodium falciparum gegen Artemisinin - am günstigsten in Kombination mit Mefloquin verwendet - in einem kleinen Gebiet an der thailändisch-kambodschanischen Grenze nachgewiesen worden. "Zwischen 2004 und 2007 wurden unter Leitung von Harald Noedl in drei Ländern in Süd- und Südostasien (Bangladesch, Thailand und Kambodscha) mehrere klinische Studien mit dem Ziel durchgeführt das Auftreten und die geografische Ausbreitung von Resistenzen frühzeitig zu erfassen", hieß es in einer Aussendung der MedUni Wien.

Die Autoren der neuen Veröffentlichung hatten 247 Blutproben von Malariapatienten im Alter von 18 bis 65 Jahren in Bangladesch, West- und Ostthailand sowie in Kambodscha auf die Empfindlichkeit der Erreger auf Artemisin und Mefloquin untersucht. Noedl: "Wir fanden eine ständigen und signifikante Abnahme der Empfindlichkeit auf Artemisin von Bangladesch in Richtung West- und Ostthailand." Entgegen bisher geäußerten Meinungen dürfte das nicht auf die Resistenz auf Mefloquin, sondern auf jene gegen Artemisin zurückzuführen sein.

Der Experte: "Während die neuen Therapien in Südasien noch äußerst wirksam sind, zeigt sich im Westen Thailands schon eine deutliche Abnahme ihrer Wirksamkeit und in Kambodscha echte Resistenz. Das Ziel dieser Studien war es ein Frühwarnsystem für das Auftreten von Resistenzen zu etablieren".

Keine Alternativen

Die Artemisinine, eine Gruppe von neuartigen Malariamedikamenten, die aus dem einjährigen Beifuß extrahiert werden, bilden derzeit das Rückgrat praktisch aller Versuche, die Malaria zu kontrollieren. Für sie gibt es in der großflächigen Behandlung derzeit keine wirklichen Alternativen. Praktisch alle derzeit verfügbaren Malariatherapien basieren in irgendeiner Form auf einem Verwandten des Artemisinins. "Da diese einen neuen Wirkungsmechanismus haben und meistens in Kombination mit anderen Medikamenten verabreicht werden, gingen viele Kollegen davon aus, dass es gegenüber den Artemisininen nicht oder zumindest erst sehr spät zur Entwicklung von Resistenzen kommen würde. Unsere Daten zeigen deutlich, dass diese Annahme wahrscheinlich zu optimistisch war", so Noedl.

Die neuen Studien belegen, dass eine Ausbreitung der Artemisinin-Resistenz jederzeit möglich ist. Eine rasche Ausbreitung über die weltweit von Malaria betroffenen Gebiete (Afrika, Südostasien, Südamerika) könnte die Behandlung ungleich schwieriger bis unmöglich machen.

Für Fernreisende sieht Noedl allerdings keine Gefahr: "Die neueste bei uns verfügbare Malaria-Prophylaxe baut auf anderen Wirkstoffen auf. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem aufgrund der Kosten, kommen diese Mittel für einen großflächigen Einsatz in den betroffenen Gebieten allerdings nicht infrage." In Thailand gibt es in betroffenen Gebieten eine intensive Kampagne zur Ausrottung der resistenten Malaria-Erreger. (red/APA)

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