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Wie wirkt eine Behandlungsmethode und lässt sich die Wirkung einer Therapie wissenschaftlich beweisen?
Homöopathie, Ayurveda, Akupunktur oder Aromatherapie - völlig egal von welcher alternativmedizinischen Behandlungsmethode die Rede ist, die Meinungen darüber könnten nicht gegensätzlicher sein. Im Wesentlichen dreht sich bei Befürwortern wie Gegnern aber immer alles um eine Frage: Lässt sich die Wirkung einer Therapie wissenschaftlich beweisen, beziehungsweise ist überhaupt nachvollziehbar wie eine Methode wirkt?
An diesem Punkt - allgemein wird auch von Evidenzbasiertheit geredet - scheiden sich regelmäßig die Geister. Was man darunter versteht, weiß Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Universität in Krems nur allzu gut: „Evidenzbasierter Medizin ist die Integration der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz in klinischen Entscheidungen". Was in der Praxis soviel heißt wie: Ärzte arbeiten nicht mehr basierend auf ärztlicher Erfahrung, sondern greifen bei der Wahl ihrer Therapien auf das Ergebnis doppelblinder Studien zurück. Die Cochrane Collaboration, ein internationales Netzwerk von Wissenschaftern und Forschern, hat sich die Verbesserung wissenschaftlicher Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem zur Aufgabe gemacht. Das Erstellen, Aktualisieren und Verbreiten systematischer Übersichtsarbeiten zur Bewertung von Therapien ist im Wesentlichen ihre Funktion.
Reduziert auf Parameter
Der Begriff Evidence based ist also klar definiert, jedoch nicht unumstritten, denn individualisierte Medizin durch Studien schließt sich per sei eigentlich aus. „Evidenzbasiertheit arbeitet mit Vereinfachungsmechanismen, von Interesse ist nicht der Mensch in seiner Gesamtheit sondern nur einige wenige Parameter", konkretisiert Ulrike Felt, Leiterin des Instituts für Wissenschaftsforschung in Wien und führt weiter aus wie klassische Medizin funktioniert: „Viele Indikatoren werden gesammelt um daraus eine Mittelwertsbehandlung für den durchschnittlichen Menschen zu destillieren".
Klingt nicht gerade sympathisch, macht aber durchaus Sinn, denn nur standardisierte Verfahren räumen Patienten in unserem Gesundheitssystem auch das Recht auf bestimmte Therapien ein. Die Krankenkassen zahlen, allerdings nur wenn sich eine Krankheit auch belegen lässt.
Erfahrung zählt
Stellt sich die Frage, was hat Evidenzbasiertheit in der Komplementärmedizin überhaupt verloren, wenn schon so mancher konventionelle Mediziner damit seine Schwierigkeiten hat? „In der Alternativmedizin geht es weniger um diese Form der Überprüfbarkeit, sondern eher darum wie viel Wissen und Erfahrung ein Arzt zu bieten hat", betont Felt und ist sich der Schwierigkeit einer Objektivierung hier durchaus bewusst. Homöopathie oder Akupunktur sind nun einmal nicht darauf ausgerichtet das komplexe Wesen Mensch zu vereinfachen. Im Gegenteil hier wird das Gesamtbild Mensch in seiner Beziehung zur Umwelt erfasst. Der Begriff ganzheitliche Medizin steht für diese Betrachtungsweise. Dem Wunsch nach klinischen Studien im Bereich der Komplementärmedizin wird selbstverständlich trotzdem Folge geleistet. Ob sie allerdings von Relevanz für den praktizierenden naturheilkundlichen Arzt ist, bleibt offen.
Dass es nicht nur um Wissenschaftlichkeit und Evidenzbasiertheit geht, zeigen in Österreich die Psychotherapien, deren Kosten zum Teil von den Krankenkassen übernommen werden. „Evidenz heißt ja nur dass es etwas bewirkt, aber noch lange nicht dass ich es auch wirklich verstehe", betont die Wissenschaftlerin und ist bei der Verwendung des Begriffes „wissenschaftlich" deshalb eher vorsichtig. (Regina Philipp, derStandard.at, 20.08.2009)
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Kann mir da jemand den Unterschied erklären?
Evidenz: Ein Studienautor probiert was an 100 Studienteilnehmern aus und interpretiert dann die Ergebnisse.
Erfahrung: Der Arzt probiert was an seinen Patienten aus und interpretiert dann die Ergebnisse.
Abgesehen davon, dass die Studie natürlich viel genauer ist (Studiendesign, etc ...), ist es doch das gleiche, oder?
Evident ist ein Sachverhalt, der unmittelbar ohne besondere methodische Aneignung klar auf der Hand liegt. Was auch dr. Einzelfallanalysen sein kann...
bzw.
Für den Skeptiker David Hume ist Evidenz sogar bloß subjektive Gewissheit, die nicht zur Begründung von Wissenschaften geeignet ist.
vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Evidenz
dennoch handelt es sich bei der Evidenz von der hier gesprochen wird um etwas anderes. Wissenschaftliche Evidenz hat nichts mit dem, was man gemeinhein als evident bezeichnet, zu tun. Das Problem ist wie so oft eine unglückliche Übersetzung; von "evidence based medicine" zu Evidenz-basierter Medizin.
Ich glaube ihr habt meinen Punkt nicht verstanden: Mir geht es darum, dass man einen Golf mit einem Ferrari vergleicht, aber nicht daran denkt mit einem Flugzeug zu fliegen.
Das Flugzeug wäre in diesem Fall ein Ansatz bei dem man einfach weiß was passiert und warum es passiert.
der punkt ist dazu: ab wann ist was wirksam? über 50%? ab 80%? oder erst bei 100%?
und wer sagt mir, in welche gruppe ich falle?
persönliche erfahrung jedes einzelnen ist für mich das ausschlaggebende. und hier ist jeder einzelne arzt gefragt, seinen patienten wirklich zu kennen.
leider bleibt bei den üblichen 11 minuten arzt-patient-gespräch keine zeit mehr dafür.
das gilt es eben abzuwägen. ich verstehe ja ihre kritik an medikamenten. es gibt leute die wegen jedem bisschen kopfweh gleich kopfwehtabletten, schmerzmittel und antibiotiker einwerfen, natürlich muss man dann mit starken nebenwirkungen rechnen. am besten heilt man solche krankheiten von selbst oder mit placebos aus. aber wenn ich unter einer starken oder potenziell tödlichen krankheit leide, dann bin ich froh um jedes medikament, dass mir nur ein wenig hilft oder mein leben verlängert, selbst wenn mir dabei ein 3. arm wächst. gegen HIV und Ebola wünsch ich ihnen viel glück mit homöopathie.
Also bei HIV bzw. Ebola ist die sg. Schulmedizin auch nicht gerade ein Lichtblick.
Wenn allerdings ein Patient während einer schulmed. Therapie stirbt, wurde alles für den Patienten getan, wenn er aber während einer homöopathischen Terapie stirbt, heißt es gleich "kein Wunder, dieser Therapeut gehört eingesperrt".
deshalb führt die schulmedizin HIV und ebola unter den unheilbaren krankheiten...
die schulmedizin besitzt jedoch medikamente die nachweislich zumindest ein wenig helfen - ÜBER den placebo effekt hinaus. und dann kann man sagen man hat "alles für den patienten getan". homöopathie ist placebo, und wenn der therapeut nur placebos verabreicht wenn er wirkliche medizin verfügbar hätte, dann ist das unterlassene hilfeleistung und er gehört eingesperrt, das erscheint mir sinnvoll.
"homöopathie ist placebo" - bis zu diesem Satz kann ich alles nachvollziehen, dann stimmt die Prämisse für die weiteren Aussagen nicht mehr. Ich weiß schon, es gibt keinen eindeutigen Wirkungsnachweis für die H., aber es gibt den Hausverstand und den sollte man trotz aller Wissenschaftlichkeit nicht ausschalten. Da ist z.B. mein Zwergschnauzer, von dem ich mit Sicherheit behaupten kann, dass er von Hom. keine Ahnung hat und sich wohl über Wirksamkeitsstudien wenig Gedanken macht. Natürlich mag er die süßen Globuli, aber sie helfen ihm auch jedesmal bei seinen Beschwerden und zwar in kürzester Zeit.
> es gibt den Hausverstand
ja, aber in diesem fall ist dieser irreführend. in der psychologie gibt es den begriff des "Bestätigungsfehler". man nimmt eher beweise FÜR die eigene theorie auf, als widersprüche.
> mein Zwergschnauzer
placebos funktionieren auch bei tieren
was verstehst du unter "potentiell tödlich"?
meinst du damit, wenn du in lebensgefahr bist?
klar, wenn ich in lebensgefahr bin, kann man schon auch mal mit kanonen schießen. die frage ist halt dann: war die kanone tödlich oder die krankheit?
a propos lebensgefahr: ich schätze die schulmedizin sehr, wenn es um unfall- und herzchirurgie geht.
trifft in der tat sehr gut das weltbild so mancher alternativbehandlungen und deren verfechter.
denn gerade die tun sich in der regel sehr schwer damit, die grenzen ihrer wirksamkeit anzuerkennen und andere meinungen stehen zu lassen.
und das, obwohl sie sich nicht auf wissenschaftlichkeit berufen.
wir bilden menschen aus die gut im zuhören sind und sich zeit nehmen, hypochondern und suderanten billige wasserl verschreiben ("heutzutage glaubt doch keiner mehr an den placebo-effekt, heute glaubt man an die homöopathie"), aber bei wirklichen krankheiten die leute an einen mediziner weiterverweisen. dann muss sich die pseudomedizin erstmal gegen diese diskontpreise durchsetzen und die patienten werden von spinnern ferngehalten. ich denke soetwas hätte durchaus eine berechtigung :)
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