"Die OSZE arbeitet nicht immer korrekt"

31. Juli 2009, 11:15
  • Zum Download: Der Bericht der NGO-Coalition 2009 über die Wahl in Moldau.

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    foto: unimedia

    "Wir stellen uns in Opposition zur neuen Regierung und werden darauf achten, dass sie zum Wohl der Gesellschaft besser und effizienter arbeitet als die alte Regierung."

Die Wahl in Moldau war weder fair noch völlig frei, erklärt der Journalist Dumitru Ciorici im derStandard.at-Interview

Der moldauische Journalist Dumitru Ciorici, Gründer der regierungskritischen Nachrichtenplattform Unimedia, kritisiert im Gespräch mit derStandard.at, dass die Wahl in Moldau trotz der Beteuerungen internationaler Beobachter keineswegs komplett frei und fair abgelaufen sei. Zwar sei die Gefahr einer kommunistischen Diktatur vorerst gebannt, am Ziel sei das völlig verarmte und von massiver Abwanderung betroffene Land zwischen der Ukraine und Rumänien aber noch lange nicht.

***

derStandard.at: Die Parlamentswahl im April wurde international als unfair und unfrei kritisiert, auch von Ihnen. Dem Wahlgang vom Mittwoch wird ein weit besseres Zeugnis ausgestellt. Warum dieser Wandel?

Dumitru Ciorici: Am Donnerstag hat die Koalition der moldauischen NGOs einen Report veröffentlicht, der eine völlig andere Sprache spricht. Die Wahl war nicht fair und nur zum Teil tatsächlich frei. Damit ist gemeint, dass etwa Leute versucht haben, Wahlurnen zu stehlen, ein Mitglied der Liberalen Partei wurde am Weg zum Wahllokal von einem Kommunisten angeschossen, viele Leute mussten erfahren, dass jemand in ihrem Namen gewählt hat. Ein Name etwa scheint 52 Mal in den Wählerlisten auf. Können Sie sich das vorstellen? Wir können also nicht von korrekten Wahlen sprechen, auch wenn sie vielleicht besser organisiert waren als die vergangenen.

derStandard.at: Aber die OSZE, laut deren Bericht die Wahl die demokratischen Standards erfüllt hat, ist doch eine anerkannte Institution.

Dumitru Ciorici: Die Menschen in unserem Land schätzen die OSZE überhaupt nicht. Die OSZE arbeitet nicht immer korrekt, etwa nach der letzten Wahl, als sie am Tag danach auf einer Pressekonferenz erklärt hat, dass alles frei und korrekt abgelaufen sei. Erst als man genauer nachgeforscht hat, musste die OSZE diese Einschätzung widerrufen. Wir verfolgen deshalb nicht mehr so genau, was die OSZE sagt.

derStandard.at: In unserem Gespräch nach dem letzten Wahlgang sagten Sie, Moldau stünde am Rande einer Diktatur. Ist diese Gefahr nach der Wahlniederlage der Kommunisten nun kleiner geworden?

Dumitru Ciorici: Diese Tendenz ist jetzt weniger stark, weil die Opposition mit einer europäischen Vision und demokratischen Werten die Wahl gewonnen hat. Die von ihr unterstützten Personen sind Spezialisten und kommen nicht aus der kommunistischen Ära. Nun kann die Opposition nach derzeitigem Stand die Regierung bilden, allerdings nicht den Präsidenten wählen. Genau darin liegt die Krux, wir haben die gleiche Situation wie vorher, nur dass es diesmal die Oppositionsparteien sind, die auf die Stimmen der Kommunisten angewiesen sind.

derStandard.at: Ist eine Lösung in Sicht, etwa ein Kompromiss?

Dumitru Ciorici: Viele Menschen in Moldau hoffen auf Marian Lupu, den Chef der Liberalen Partei. Er wäre aus meiner Sicht der geeignetste Präsident, wenngleich viele Menschen in Moldau kritisieren, dass er bis vor wenigen Wochen KP-Mitglied war. Meine Hoffnung ist, dass er sich zum demokratischen Projekt bekennt und Druck auf die Kommunisten ausübt, einen Kandidaten der Opposition zum Präsidenten zu wählen.

derStandard.at: Unimedia hat sich in der Vergangenheit offen für eine Liberalisierung und Öffnung Moldaus in Richtung Westen eingesetzt. Ist Ihre Mission nun erfüllt?

Dumitru Ciorici: Definitiv nicht. Wir als unabhängiges Medium haben bisher zwar die pro-europäischen, liberalen Kräfte unterstützt, das heißt aber keineswegs, dass wir jetzt, wo sie wahrscheinlich die Regierung stellen werden, ihren Kurs unkritisch mittragen. Wir stellen uns in Opposition zur neuen Regierung und werden darauf achten, dass sie zum Wohl der Gesellschaft besser und effizienter arbeitet als die alte Regierung.

derStandard.at: Gibt es Zahlen über das Wahlverhalten von Auslands-Moldauern?

Dumitru Ciorici: Inoffiziell leben und arbeiten eine Million Moldauer im Ausland. Das Problem ist, dass eine sehr hohe Zahl von ihnen nicht zur Wahl gehen konnte, weil in den meisten Ländern der moldauische Wahltag ein Arbeitstag war. Mehr als einige zehntausend Stimmen werden nicht zusammenkommen. Was ich weiß ist, dass zwanzig Prozent der Zugriffe auf unsere Website mit der Wahlberichterstattung aus dem Ausland kommen. (flon/derStandard.at, 31.7.2009)

Zur Person:

Dumitru Ciorici (22) gründete 2007 die werbefinanzierte Nachrichtenplattform Unimedia. Während der Unruhen nach der Parlamentswahl im April stieg die Besucherzahl von täglich 7.000 auf 35.000 an.

 

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Posting 1 bis 25 von 27
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Taran Seven
05
Wenn ich das so deuten kann: Die OSZE scheint lieber wegzuschauen, wenn es im Interesse der USA ist

mechtagscheitsein
01
31.7.2009, 17:59
(3)

ich weiss es ist in unseren Medien Mode gegen alles zu hetzen was nicht westlichem Charakter entspricht. Bringt jedoch etwas Respekt im Umgang mit diesem Land auf, das im Aufbruch ist. In Anbetracht des immer noch ungelösten Transnistru-Konflikts und der tatsache dass die Leute lieber das Land verlassen als hier etwas zu bewegen (und es gibt genug Möglichkeiten) steht die Republik Moldau m.E. relativ gut da und schafft es dank geschickter Ost/West Politik beidseitige Vorteile zu nutzen. Was bleibt anderes übrig? Die Demokraten werden hier kurzfristig keine Berge versetzen können, dazu braucht es die Zeit und die Kraft der jungen Generation, deren Großteil bereit ist zu lernen. Nur ein kleiner Teil ist aus Überzeugung gegen alles -> Ciouciu.

mechtagscheitsein
01
31.7.2009, 17:49
(2)

ich selbst hätte nachdem was hier am 9.4. passiert ist nicht damit gerechnet dass die Kommunisten die Wahlen verlieren. Viele Leute haben das nicht gutgeheissen dass öffentliche Einrichtungen zerstört wurden und das wichtige Geld aus Moskau jetzt teilweise in den Neubau von Parlament und Präsidentenpalast investiert wird, anstatt es für sinnvollere Dinge einzusetzen. Das sprechen hier die Leute auf der Strasse. Faktum ist, das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre zeigt Früchte, wer es nicht glaubt soll bitte einen der täglichen AUA-Flüge von Wien nach Chisinau nehmen. Gottlob sind nicht alle Jungen so wie Ciorciu: An der Hauptstrasse wird jeder Quadratmeter von vielen genutzt um sich zu betätigen, Shop-in-Shop Läden aufzumachen usw.

Igor Gassner
00
31.7.2009, 17:48
OSZE

Also zufällig kenne ich die Organisation und kann ihr bei Wahlbeobachtungen nur ein gutes Zeugnis ausstellen. Ich konnte sie am Balkan bei der Arbeit selbst beobachten. Stehlen von Wahlurnen oder einzelne Fälschungsversuche und dergleichen ähnliche Vorgänge gibt es in den meisten Osteuropäischen Staaten der ärmeren Kategorie ( Also alles was nicht zum Kerngebiet der Monarchie oder zum Balticum gehört ) Die OSZE prüft der Verfahrensabläufe sehr genau und wenn sie sagt die Wahlen waren generell fair dann waren sie das auch.

Ein interessanter Bericht in RT zeigt das ein stilles Eingreifen und Manipulationen des Nachbarlandes sehr wahrscheinlich sind. Eine bestellte gewalttätige Demonstration unabhängig vom Wahlausgang.

mechtagscheitsein
01
31.7.2009, 17:40
(1) Leute wie Ciourciu müssen lernen...

...anstatt alles und jenes zu kritisieren einfach die Hemdsärmel hochzukrempeln und für ihr Land etwas zu tun. Jetzt bietet sich die ausgezeichnete Gelegenheit dazu. Faktum ist - die Republik Moldau steht weitaus besser da als in allen westlichen Medien geschildert. Ich habe wie Ciorciu hier selbst eine Firma, geniesse buchhalterisch (im Gegensatz zu RU + UA) westlichen Standard, weitaus weniger Korruption und einen Steuersatz zwischen 0% und 15%. Sicher, es dauert noch lange bis EU Standards erreicht sind, aber nach den ohnehin positiven Wahlen rumzulaufen und gegen alles und jenes rumzuplärren bringt dieses Land nicht weiter, eben so wenig wie die tausenden die es verlassen.

vom anderen Sternli
07
31.7.2009, 17:03
Die neue Oppositionspolitik in Osteuropa

Jede Wahl wird von den Verlierern als undemokratisch und gefälscht dargestellt. Und die westliche Presse bringt das groß heraus. Vielleicht hat sich da ein Politiker eben nicht durchsetzen können und versuht, auf diese Art das Ergebnis zu korrigieren.

NONE
02
31.7.2009, 16:14

Das ist das allgemeine Problem von international operierenden Organisationen. Ob IWF Weltbank oder auch die UN-Organisationen. Wer überprüft die?

Ist ja nicht so als ob Korruption ausgeschlossen werden kann.

AntiFa201
00
31.7.2009, 16:09
die kleine minderheit von sozialismus-hassern hat sich schon immer mit gewalt gegen die mehrheit gestellt... diesmal hats eben nicht geklappt, da bringen märchen auch nix.

Die Ente Lippens
00
31.7.2009, 14:02
Aber die Gehälter der OSZE sind tadellos! Traumgagen fürs Herumstehen in ausgewählten Wahllokalen.

Brombärin
00

waren sie schon mal wahlbeobachten? wahrscheinlich nicht, sonst würden sie nicht von "herumstehen" reden.
eine ganze menge wahllokale werden an einem wahltag besucht, man beobachtet, spricht mit leuten, füllt fragebögen aus, die straßenverhältnisse können in manchen ländern ganz schön schwierig sein (schlaglöcher etc.) der weg von a nach b mühsam sein. und die tage sind lang - man fängt zeitig in der früh an und bleibt im letzten wahllokal bis die stimmen ausgezählt sind.

Deconstructive Force
12
31.7.2009, 12:45

Tolle Erkenntnis. Die OECD ist nicht sonderlich nuetzlich. Willkommen in der Wirklichkeit ;-)

Brombärin
00

es geht hier um die osze, nicht um die oecd.

Meklon von Andromeda
 
09
31.7.2009, 13:43

Die OSZE ist dazu da, um der "westlichen" Bevölkerung mitzuteilen, ob Zustände/Wahlen/... in einem Land dem Willen der westlichen Eliten entsprechen, oder nicht. Alles, was diesem Willen widerspricht, wird verurteilt. Von daher handelt es sich bei der OSZE um eine starke meinungsbildende Organisation.

papst benedikt
01
31.7.2009, 19:47

so ist es.

zimbo
 
02
31.7.2009, 14:01
So wars denn auch in Georgien.

Adrian Borchert
01
31.7.2009, 13:41

Im Artikel wir von der OSZE gesprochen. ;-)
Aber man kann tatsächlich über die Nützlichkeit sowohl der OSZE als auch der OECD streiten :-)

papst benedikt
01
31.7.2009, 11:20

am rande der diktatur? die kp wurde gerade ABGEWÄHLT. ersparen sie uns den unsinn....

Raptor Jesus
00
Deinem erkentnis nach ist dort wo Kommunisten Regieren eine Diktatur?

Komische Diktatur, die Wahlen abhält, in denen die Machthaber auch noch "verlieren".
Das ist KEINE Diktatur. Ließ ein Buch.

PS: Zypern (Süd, das anerkannte) wird auch von einem Kommunisten regiert. Und Zypern ist in der EU.

Der Mann im Fass
 
01
31.7.2009, 12:33
Lesen hilft.

Und verstehen auch.

"In unserem Gespräch nach dem letzten Wahlgang sagten Sie, Moldau stünde am Rande einer Diktatur. Ist diese Gefahr nach der Wahlniederlage der Kommunisten nun kleiner geworden?"

Das ist eine alte Aussage, deren Aktualität abgefragt wurde.

Mit der Bitte nachzudenken
Ihr Mann im Fass

papst benedikt
00
31.7.2009, 19:47

dia aussage war schon damals unsinn.
sie ist es auch heute noch.
vielleicht denken sie besser selber mal drüber nach ,-)

Der Mann im Fass
 
00
31.7.2009, 21:03
Leider ist sie das nicht.

Wie: nur weil wahlen abgehalten werden, muss man noch lange nicht von Demokratie reden. Ich meine, schauen Sie sich Österreich an. Unsere Wahlmonarchie übertrifft ja noch die Oligarchie Russlands und die mediale Gewaltherrschaft in Italien.

Daher ist es nicht von der Hand zu weisen, wenn von der Gefahr einer Sowietdiktatur in einem ehemaligen UDSSR - Land gesprochen wird. Vor allem, wenn es derartig abhängig von Russland ist.

Mit der Bitte, noch mal nachzudenken
Ihr Mann im Fass
P.S.: Ihren Nick finde ich ... unpassend, es sei denn Sie sind wirklich Hr. Ratzinger. Und: ich bin nicht römisch-katholisch. ;-)

papst benedikt
00

katholisch bin ich auch nicht und wie sie meinen nick finden, ist mir egal...

Tschuri Cazzino
 
00
31.7.2009, 13:04
Bei einem Papst müssen Sie an den Glauben, nicht den Verstand

apellieren.

Joseph EU
00
31.7.2009, 17:54
Na ja vielleicht hat er ja....

wenigstens davon...........

papst benedikt
00
31.7.2009, 20:39

kleiner tip: schreiben sie vollständige sätze, dann werden sie vielleicht verstanden ;-)

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