Zeitpunkt des Urteils im Suu-Kyi-Prozess fraglich

6. August 2009, 14:55
5 Postings

Mitangeklagter US-Bürger Yettaw weiter auf Intensivstation - Oppositionsführerin ihre Anwälte

Rangun - Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist am Donnerstag im Gefängnis in Rangun mit vier ihrer Anwälte zusammengetroffen. Das zweistündige Gespräch diente der Vorbereitung des für kommenden Dienstag erwarteten Urteils gegen die Friedensnobelpreisträgerin, hieß es aus Sicherheitskreisen. Dort wurde allerdings eine weitere Vertagung des Urteils nicht ausgeschlossen.

Grund für die mögliche Verzögerung seien Gesundheitsprobleme des mitangeklagten US-Bürgers John Yettaw. Yettaws Zustand habe sich gebessert, er liege aber immer noch auf der Intensivstation, wie Donnerstag aus Behördenkreisen verlautete. Nach einem Zusammenbruch war der 54-Jährige in der Nacht auf Dienstag vom berüchtigten Insein-Gefängnis in ein Krankenhaus in Rangun gebracht worden. Er leidet laut seinem Anwalt unter Epilepsie und hat weitere Gesundheitsprobleme.

Krampfanfälle

Der Mormone und Vietnamkriegsveteran erlitt im Gefängnis mehrere Krampfanfälle, wie ein Klinikmitarbeiter sagte. Yettaw war im Mai durch den Inla-See geschwommen und uneingeladen im Anwesen der unter Hausarrest stehenden Suu Kyi aufgetaucht. Diese hat mehr als 13 der vergangenen 19 Jahre in Haft bzw. unter Hausarrest verbracht. Yettaw hatte nach eigenen Angaben Visionen, sah Suu Kyi in Lebensgefahr und wollte sie warnen. Suu Kyi selbst hat alle Schuld von sich gewiesen. Yettaw steht gemeinsam mit der Vorsitzenden der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) und zwei Hausangestellten der Politikerin vor Gericht. Den Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Suu Kyis NLD hatte 1990 die Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatten die Streitkräfte die Machtübergabe verweigert. Der burmesischen Militärdiktatur werden schwerste Menschenrechtsverstöße zur Last gelegt, insbesondere Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung von ethnischen Minderheiten und Missbrauch von Kindersoldaten. Die neue Verfassung des südostasiatischen Landes, das nach dem Willen der Machthaber auch in Fremdsprachen "Myanmar" genannt werden muss, zementiert die Macht der Armee. Die Teilnahme an Wahlen, die für 2010 angekündigt worden sind, ist der NLD-Vorsitzenden durch eine Bestimmung der neuen Verfassung verwehrt, weil sie die Witwe eines Ausländers, des britischen Historikers und Tibetologen Michael Aris, ist. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Proteste in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, gegen die Infaftierung von Aung San Suu Kyi.

Share if you care.