Gefahr der Polit-Justiz

30. Juli 2009, 19:05

Die Innenministerin greift Staatsanwälte an und will die Gewaltentrennung aushebeln

VP-Chef Josef Pröll überließ Maria Fekter bei der Regierungsbildung die Entscheidung, ob sie das Innen- oder Justizressort übernehmen wolle. Die promovierte Juristin entschied sich für das Innenressort. Damit ist sie offenbar nicht ausgelastet. Sie überraschte nicht nur ihre auf Urlaub weilende Ministerkollegin Claudia Bandion-Ortner mit ihrem Angriff. Mit dem Vorstoß, Staatsanwälte sollen durch einen parlamentarischen Unterausschuss im Parlament kontrolliert werden, will Fekter die Gewaltenteilung in Österreich aushebeln. Sie sägt damit an einer Säule der Rechtsordnung Österreichs - und greift in den Bereich der ebenfalls von der ÖVP nominierten Bandion-Ortner ein.

Die Gewaltenteilung ist das Kennzeichen jeder modernen Demokratie, ihr Wegbereiter war der Staatsrechtler Montesquieu, der erstmals die drei Machtstränge Legislative, Exekutive und Judikative festlegte. So soll gewährleistet werden, dass Macht nicht missbraucht wird. Hans Kelsen, der die österreichische Bundesverfassung aus dem Jahre 1920 maßgeblich gestaltet hatte, bezeichnete die Gewaltentrennung als wesentlich, weil Gesetzgebung, Vollziehung und Gerichtsbarkeit voneinander unabhängig agieren und sich gegenseitig kontrollieren können.

Schon jetzt gibt es Vermischungen: Die Unabhängigkeit der Richter ist verfassungsmäßig garantiert. Dadurch sollen sie vor politischer Einflussnahme geschützt werden. Staatsanwälte sind aber an Weisungen des Justizministers gebunden. Das führt immer wieder zu Kritik, wenn sich Minister in politisch brisante Verfahren einmischen - etwa im Fall Lucona, bei dem prominente SPÖ-Politiker involviert waren. Aufgrund politischer Weisungen wurde jahrelang nicht ermittelt.

Dass Fekter aber Staatsanwälte ins Parlament zitieren lassen will, wo sie Abgeordneten Rede und Antwort über Erhebungen stehen müssen, ist der Versuch, die Justiz an das Gängelband der Politik zu nehmen. In einem Interview mit der Zeitung Österreich spricht sie sehr freimütig den Versuch der politischen Einflussnahme an. Denn so solle verhindert werden, dass "wie wild ermittelt wird, obwohl vielleicht der politische Gegner nur unter Druck gebracht werden soll". Soll dann in dem Ausschuss vielleicht abgestimmt werden, ob ein Staatsanwalt seine Arbeit verrichten kann, und sollen die politischen Mehrheitsverhältnisse dann entscheiden, ob Anklage erhoben wird? In diesem Fall könnte sich die Koalitionsregierung darauf verständigen, dass Fälle, die ihre Parteien betreffen, nicht verfolgt werden dürfen. Das wäre dann Polit-Justiz. Passenderweise hat SP-Klubobmann Josef Cap erklärt, man solle Gespräche über den Vorstoß der VP-Ministerin aufnehmen. Fekter ist auch dagegen, dass die interne Ermittlungsbehörde, das Amt für Korruptionsbekämpfung, weisungsfrei agieren kann.

Dass Fekter ihre Vorstellungen von einem Umbau des Rechtsstaates Österreich just in einem Interview mit einer Boulevardzeitung von sich gibt, spricht für sich. Sie mixt munter die Begriffe "Kriminalität" und "Ausländer" und sichert sich mit martialischen Ansagen die Berichterstattung in diesen Blättern. Sie versucht die Gangart ihrer drei VP-Vorgänger noch zu verschärfen. In Zusammenhang mit Angriffen auf ehemalige KZ-Häftlinge in Ebensee durch Jugendliche sprach die für Gedenkstätten verantwortliche Ministerin davon, dass "gegenseitige Provokationen auf dem Vormarsch" seien.

Fekter setzt alles daran, sich als Law-and-Order-Politikerin zu profilieren, wobei ihr offenkundig Order wichtiger ist als Gesetze. Lässt Josef Pröll sie bei der Demontage des Rechtsstaats und der von ihm geholten Bandion-Ortner gewähren, setzt er den von Wolfgang Schüssel verfolgten Kurs fort: Die ÖVP rutscht weiter nach rechts. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 80
1 2 3
Hubert Ungeist
 
00
Ich glaube nicht das das eine gute Idee ist,

Fakt ist aber auch die Staatsanwälte müssen kontrolliert werden.

Der dzt. Zustand das nur der Justizminister es tut, legt sehr viel Macht in die Hand einer Person - finde ich auch nicht gut.

Ein Gremium wäre da vielleicht besser

aiuto
00
31.7.2009, 18:46
totaler Unsinn

Also die Geburt dieser Idee durch die Frau Innenministerin ist wohl nur den gegenwärtig hohen Temperaturen und einem dabei erweichten Hirn zuzuschreiben, oder ?

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
00
31.7.2009, 16:03
no na, dass ist ja fast eine schlechte nachred, die innenministerin und

das hochqualifizierte parlamentspersonal wollen doch nur das beste.

theophil
00
31.7.2009, 15:58
Fall Kampusch

Der Fall Kampusch zeigt, dass die Staatsanwaltschaft manchmal äußerst mangelhaft arbeitet.

rätätä, rätätä ...
02
31.7.2009, 14:36
Und wieder einmal die "Roten", die mitziehen.

Wer hat uns verraten?

Cr S
03
31.7.2009, 14:28
Demontage des Rechtsstaats ist bereits abgeschlossen

Hans Kelsen, .. bezeichnete die Gewaltentrennung als wesentlich, weil Gesetzgebung, Vollziehung und Gerichtsbarkeit voneinander unabhängig agieren und sich gegenseitig kontrollieren können.

Und wie sieht es in Wirklichkeit aus? Sind Gesetzgebung (Parlament) und Vollziehung (Regierung) tatsächlich von einander unabhängig und kontrollieren sich gegenseitig?

Dust von Dust
02
31.7.2009, 20:50

man sollte die regierung wie den bundespräsidenten direkt wählen, aber alle 4 jahre.

ich nehme es allen übel, die einer verlängerung der legislaturperiode von 4 auf 5 jahre zugestimmt haben!

man hat uns einfach 25% unserer demokratischen rechte gestohlen!

freigedacht
05
31.7.2009, 12:30
milde ausgerückt -

die ÖVP rutscht weiter nach rechts !?

das ist offensichtliche und gewollte Demontage demokratischer Grundlagen
und der Kommentar aus der SPÖ -
"da können wir drüber reden"

einfach abscheulich

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
03
31.7.2009, 12:24
Es gab einmal eine Zeit, in der die SPÖ

solchen demokratiepolitisch abnormen Plänen entschieden entgegengetreten wäre...

Ein weiteres Kapitel in:

"Unsere durchschnittlichen Eliten und wie sie uns systematisch zugrunde richten"

Dust von Dust
00
31.7.2009, 20:53
das ist keine elite!

geistig und ethisch degeneriertes pseudoelitäres xindl, das uns systematisch zugrunde richtet!

Schwarz Grün
02
31.7.2009, 14:49
ich erinnere mich noch an zeiten ....

als blecha & co an der macht waren, da war die justiz vollkommen unabhängig (Club 45, der Schifferlversenker, AKH Skandal) .... damals gabs wirklich noch gerechtigkeit und poltikurteile waren ein fremdwort ....

... wie gehen mir die zeiten unter kreisky ab ....

Tan S. Taafl
01
31.7.2009, 13:47
das muss aber eine andere zeit gewesen sein ...

als die, an die ich mich erinnere. in den 70er und 80er jahren waren die interventionen der sp (auch via ihrem koalitionspartner fpö) bei staatsanwälten zu vertuschung von skandalen und niederschlagung von verfahren an der tagesordnung

MichaelKS
00
31.7.2009, 12:04
Unabhängiges Gremium?

Die Staatsanwaltschaft müsste von einem unabhängigen Gremium kontrolliert werden. Aber gibt es diese Unabhängigkeit in Österreich überhaupt? In meinem Fall hat die Grazer Staatsanwaltschaft trotz Beweisen, Indizien und Widersprüchen Straftäter geschützt:
http://www.graz.coolix.com

werwolfi
02
31.7.2009, 11:26

"Die ÖVP rutscht weiter nach rechts."

große neuigkeit... sie versuchen inzwischen, die bessere BZFPÖ zu sein.

die gewaltentrennung gehörte ausgebaut, nicht reduziert!

dass die SPÖ bei solchen tendenzen nicht wesentlich lauter schreit, ist auch ein armutszeugnis

Bonsai77
00
16.8.2009, 13:53

das klingt alles sehr gefährlich. die oberen versuchen, sich ihre macht so gut es geht zu sichern und sich unangreifbar zu machen. da sollte eigentlich jemand eingreifen. der großteil der österreicher lässt sich nämlich von dem, was frau fekter in diversen zeitungen von sich gibt so beeindrucken, dass sie dem vorschlag zustimmen würden (sie hat ja die worte gewalt und ausländer benutzt). leute, die sich gedanken darüber machen, was das für österreich wirklich bedeutet gibt es glaube ich, gemessen an der gesamtbevölkerung österreichs, sehr wenige. ich befürchte, dass die regierung das einführen wird und der großteil der österreicher ihnen dabei zujubelt.

o_lok
06
31.7.2009, 10:20

dass überhaupt darüber spekuliert wird, macht mich schlicht sprachlos...
glaube ja weiterhin daran, dass es sich hierbei um einen Witz handelt, aber langsam steigt in mir die Gewissheit, dass das tatsächlich ernst gemeint ist...

aiuto
00
31.7.2009, 18:48
nein, der GRund ist eher die Sommerhitze

nein, ist eher der sommerlichen Hitze zuzuschreiben

Dust von Dust
00
31.7.2009, 10:13
Christian Hubinger
 
05
31.7.2009, 10:06
Wen wunderts...

...für die permanent am rande des amtsmisbrauchs agierenden ÖVP ist soetwas wie "unabhängige" justiz natürlich ein problem - bei denen wudert mich das nicht! Die ÖVP hat schon einmal aus österreich einen faschistischen staat gemacht - und nun probierns das halt wieder...

chris

Ted Kennedy
 
14
31.7.2009, 09:42
Die drei Machtstränge Legislative, Exekutive und Judikative

sind heute in Österreich ohnehin nicht mehr geeignet, Machtmissbrauch zu verhindern: Exekutive und Judikative sind fest in der Hand der ÖVP (Fekter und Bandion-Ortner), die Legislative (der Nationalrat) tanzt nach der Pfeife von zwei Klubobleuten (Kopf und Cap) und die sind Marionetten ihrer jeweiligen Parteidoktrin.

"Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus"? Nicht einmal mehr theoretisch.

TSMOE
01
31.7.2009, 10:55

Ein Grund mehr, die Verhaberung von Politik und Rechtspflege nicht noch weiter voranzutreiben.

Stellen Sie sich vor, ein Westenthaler sitzt in diesem Kontrollausschuss...

herstory
02
31.7.2009, 09:34
the lunatics have taken over the asylum

gewaltenteilung hin oder her wenn frau bandion einen prozess führt und nachher als ministerin den dabei tätigen staatsanwalt in ihr kabinett holt nimmt man ihr den demokratischen ansatz halt nicht ab.

blooper ___
01
31.7.2009, 10:34
Was?? Das ist also doch jemandem aufgefallen?

Nach dem Bandion'schen Rechstverständnis gehören ja beide zur Justiz ...

Der Ihre Prüfungsnoten im Öffentlichen möcht ich mal sehen.

Zum Beispiel1
04
31.7.2009, 09:32
Beschämend

Das Traurige ist, daß Fekter & Cap niemand zutraut, eine fundiert-intellektuelle Debatte über die Stellung der Staatsanwaltschaft im Rechtsstaat führen zu wollen. Das müßte in einer reifen Demokratie an sich möglich sein, da Staatsanwälte Teil der Exekutive sind.
In Österreich weiß man aber, dass die Initiative nur darauf abzielt, die Justiz zu behindern: Weil die SPÖVP die Richter (noch) nicht im Griff hat will man durch politischen Druck auf die Staatsanwälte unangeneme Verfahren abwürgen, bevor sie vor ein unabhängiges Gericht gelangen.
Beschämend, wie hier die Errungenschaften der Aufklärung angegriffen, die Zeit 250 Jahre zurückgedreht werden soll. Beschämend auch, dass ein Cap mit windigen Begründungen mittut.
Und wo sind die Grünen?

Zwie Ferl
 
08
31.7.2009, 09:51
Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun!

Ob man jemandem eine "eine fundiert-intellektuelle Debatte über die Stellung der Staatsanwaltschaft im Rechtsstaat" zutraut, ist keine Frage der Reife einer Demokratie, sondern einzig eine subjektive Einschätzung der handelnden Person. Frau Fekter ist keine gewählte Amtsinhabeberin - Bundesminister werden nicht vom Volk gewählt, sondern vom Bundespräsidenten auf Vorschlag des Bundekanzlers ernannt! - und sie ist eine gottlose faschistische Aktionistin, die schlichtweg unwürdig ist für das Amt eines Ministers, ganz im Speziellen des Innenministers! Herr Cap ist zwar gewählter Mandatar, aber auch einem gewählten Mandatar darf man subjektiv beurteilen, ohne dass die Demokratie in Gaefahr ist.
Fekter ist eine Totengräberin für die Demokratie!!!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 80
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.