Vergewaltigung: "Eine unglaubliche Tragödie"

2. August 2009, 10:00
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Expertinnen vermuten bei Vergewaltigern "tiefen Frauen- oder Menschenhass, gepaart mit Unsicherheit und Selbstwertstörungen"

Wien -  "Eine Vergewaltigung ist eine unglaubliche Tragödie, die das Leben innerhalb kurzer Zeit dunkelschwarz einfärbt", meinte Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP). Ein Ereignis, das drastische Auswirkungen haben kann: "zum Beispiel einen massiven Vertrauensverlust in die Menschen", so auch Helga Kernstock-Redl vom Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP).

Es ist ein Ereignis, das traumatische Belastungsstörungen auslösen kann und auch im späteren Leben an markanten Punkten wieder aufbrechen kann. "In welchem Ausmaß die Seele verletzt wurde, wie tief und schwerwiegend so ein Trauma ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig", sagte Kernstock-Redl. Mitunter spielt z. B. eine Rolle, wie die Vergewaltigung vonstattengegangen ist, der Grad der Brutalität der Tat, das Alter der Opfer oder wer der Täter war, erklärten die Expertinnen. "Je jünger, desto schlimmer. Je brutaler, desto mehr Vertrauen in die Menschen und das Leben verliert man", verdeutlichte Mückstein. "Es ist eine schwierige Aufgabe, das Grundvertrauen und das Sicherheitsgefühl wieder herzustellen."

Schuld

Das Schlimme sei auch, dass viele Opfer fälschlicher Weise glauben, sie seien selbst schuld an der Tat: "Es muss ihnen klar gemacht werden, dass es nicht ihre Schuld ist", betonte Kernstock-Redl. Täter hätten raffinierte Strategien, um z. B. ihre Opfer in die Falle zu locken. "Solch eine Tat ist durch nichts zu gerechtfertigen", ergänzte Mückstein.

Warum man zum Vergewaltiger wird, hat unterschiedliche Gründe: Neben intellektuellen Beeinträchtigungen kann auch eine psychopathologische Persönlichkeitsstruktur dahinterstecken: "Tiefer Frauen- oder Menschenhass, gepaart mit Unsicherheit und Selbstwertstörungen", nannte die ÖBVP-Präsidentin mögliche Faktoren. Vergewaltigungen hätten mit Machtstreben zu tun. "Täter haben in der Regel keinerlei Einfühlungsvermögen, kein Mitleid. Die eigenen Bedürfnisse sind das einzig Wichtige", ergänzte Kernstock-Redl. Fesseln oder z. B. dass ein Opfer bei der Vergewaltigung eines anderen zusehen muss, könnten auf eine sadistische Komponente des Täters hinweisen.

Opferschutz

Hedwig Wölfl, fachliche Leiterin der Opferschutzorganisation "die möwe", machte auf den Opferschutz auch bei Vergewaltigungen aufmerksam. Wichtig seien bei solchen Ereignissen, dass keine Details über die Tat in der Öffentlichkeit breitgeschlagen würden und die Opfer auf jeden Fall anonym bleiben. "Es sollten auch keine Fantasien z. B. über die Ursachen konstruiert werden", so Wölfl.

Kinder sollten bereits ab dem Kindergarten-Alter mit dem Thema Gewalt und den Umgang damit bzw. wie man sich wehren kann, vertraut gemacht werden - keinesfalls aber auf Angst machende Weise. Auch sollte z. B. darüber gesprochen werden, was man in solchen "unwahrscheinlichen, aber möglichen Extremsituationen des Lebens" tun könne. Wölfl appellierte auch für mehr Zivilcourage und machte darauf aufmerksam, dass Opfer und Angehörige sich jedenfalls professionelle Hilfe, z. B. in Kinderschutzzentren suchen sollten. (APA)

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