Public Private Powerplay

30. Juli 2009, 16:48
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Krankenanstaltenverbund und Bieterkonsortium ringen hinter den Kulissen um den Preis des Projekts

Die Bauindustrie hat dabei die weit besseren Karten, weil sie die Tricks der Szene perfekt beherrscht.

Wien – Das Projekt Krankenhaus Nord ist ein anschauliches Beispiel für die absurdeste Variante einer Public Private Partnership. Derzeit wird der öffentliche Part, der Krankenanstaltenverbund (KAV) als Auftraggeberin, zum Spielball einer vorzüglich organisierten privaten Bauwirtschaft. Doch der KAV hat das selbst verschuldet.

Punkt eins: Die Ausschreibung des KAV für den Generalübernehmer, der das Projekt finanzieren und errichten soll, war offenbar auf das der Gemeinde Wien sehr genehme Bieterkonsortium Porr, Siemens und Vamed zurechtgeschnitzt. Die mussten allerdings ihrerseits, von Politinteressen im Hintergrund gesteuert, ein erst anzukaufendes Grundstück der ÖBB über ein Vorkaufsrecht einbringen, obwohl Siemens über eine eigene Immobilie verfügt hätte.

Punkt zwei: Obwohl man mit dem Konsortium, das wenig überraschend als einziges im Rennen blieb, bis dato keineswegs handelseins ist – weil eine ökonomisch schlüssige Preisfindung mit einem konkurrenzlosen Bieter natürlich unmöglich ist – wurde auf der ÖBB-Liegenschaft bereits ein Architekturwettbewerb veranstaltet.

Die Vorprüfung der eingereichten Projekte erfolgte unter kräftiger Mithilfe des noch nicht einmal beauftragten Bieterkonsortiums, das auch zumindest zwei Vertreter aus den eigenen Reihen in die Jury entsandte. Das ist laut Bundesvergabegesetzes § 20 (5) rechtswidrig.

Punkt drei: Wettbewerbssieger Albert Wimmer, dem seinerzeit die ÖBB die Errichtung des Zentralbahnhofgebäudes großzügig freihändig übertragen hatte, wurden nun laut KAV "erfahrene Krankenhausarchitekten" für die Einreichplanung zur Seite gestellt.

Diese Architekten sind dem Konsortium wohlbekannt: Es handelt sich, gut versteckt, um Vertreter der Grazer Architektur Consult von Hermann Eisenköck und Herfried Peyker. Man unterhält gemeinsam mit Porr Solutions sechs Gesellschaften. Außerdem hat die Architektur Consult mit der Porr bereits das LKH Graz West, das LKH Bruck sowie das Klinikum Bad Gleichenberg gebaut.

Nach der Einreichung durch Wimmer soll die Architektur Consult, in der Wettbewerbsjury immerhin von Hermann Eisenköck vertreten, dem Vernehmen nach auch die Ausführungsplanung für das KH Nord übernehmen. Bereits in der Verfahrensausschreibung wurde eine entsprechende Klausel fürsorglich dafür eingerichtet.

Punkt vier: Mit der Begleitenden Kontrolle ist das Ziviltechnikerunternehmen Fritsch Chiari & Partner (FCP) beauftragt. Die Bau- und Ausstattungsbeschreibung erfolgte durch die Firma VCE-Consult. Diese Unternehmen sind mit den vier selben Geschäftsführern personen-ident, womit der Begriff Begleitende Kontrolle eine interessante Neudefinition erhält.

"Selbstbedienungsladen"

Denn die Preisbildung des Projektes steht und fällt mit der Bau- und Ausstattungsbeschreibung. Zur Veranschaulichung: Auf den Rohbau selbst entfallen bei vom KAV angegebenen Projektgesamtkosten von 605 Millionen Euro laut Insidern lediglich rund 100 Millionen. Wenn dieselben Personen sowohl für Leistungsbestimmung des Rests als auch für deren Kontrolle zuständig sind, wird die Sache, wie es ein Baufachmann ausdrückt, "zum Selbstbedienungsladen für den Totalübernehmer" .

Fazit: Der KAV reitet auf einem vom Start an verkehrt aufgezäumten Pferd stichgerade dem Abgrund zu.

Jetzt verlangt die Stadtopposition nach der Kandare. Grüne-Gemeinderätin Sabine Gretner spricht von der "Bau-Bananenrepublik" und von einem "engen Netzwerk, an dem alle Beteiligten profitieren" . Ingrid Korosec, ÖVP: "Man muss aufpassen, dass das KH Nord nicht zu einem zweiten SPÖ-AKH-Massaker wird." (Ute Woltron, DER STANDARD – Printausgabe, 31. Juli 2009)

  • Wenn einer, der als Wettbewerbsjuror mithalf, das Siegerprojekt
auszusuchen, später die Ausführungsplanung dafür übernehmen soll, dann
krankt etwas grundlegend am System Krankenhaus Nord.
    visualisierung: albert wimmer

    Wenn einer, der als Wettbewerbsjuror mithalf, das Siegerprojekt auszusuchen, später die Ausführungsplanung dafür übernehmen soll, dann krankt etwas grundlegend am System Krankenhaus Nord.

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