Die Wurzel aller Elefanten entdeckt

30. Juli 2009, 15:01
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Paläontologen bestimmten 60 Millionen Jahre alten Winzling als Urahn aller Rüsseltiere

Paris - Der älteste bisher entdeckte Vorfahre des Elefanten lebte im heutigen Marokko. Diese Entdeckung gelang dem Paläontologen Emmanuel Gheerbrant vom Pariser naturhistorischen Museum. Er fand in einer 60 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht aus dem Paläozän Überreste eines Säugetiers, das den Namen Eritherium azzouzorum erhielt und im Säugetierstammbaum ziemlich nahe an der Basis zu finden ist.

Das Fossil stammt aus demselben Talkessel, in dem man 1996 auch das Phosphaterium entdeckt hatte. Der kaum Hunde-große Rüsseltiervorläufer galt bislang mit 55 Millionen Jahren als ältester Elefanten-Vorfahre. Die Forschungsergebnisse der französischen Wissenschafter wurden in den Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht.

Zahnanalysen lassen darauf schließen, dass das nun ausgegrabene Eritherum sogar noch kleiner gewesen sein dürfte, als das Phosphaterium: Nur vier bis fünf Kilogramm wog der Elefanten-Urahn zu Lebzeiten. Laut den Forschern erinnert der Winzling in mehreren Aspekten an andere primitive Rüsseltiere wie etwa einige bereits ausgestorbene Stammhuftier-Arten sowie auch Säugetiere anderer Gruppen wie etwa afrikanische Rüsselspringer, die noch aus dem Zeitalter des Eozäns stammen und bis heute überlebt haben. Aufgrund anatomischer Merkmale ordnet man das Tier den Paenungulata zu, eine Säugetier-Gruppe zu der Rüsseltiere, Seekühe und Schliefer gehören.

Schnelle Artenbildung

Der Körperbau des gefundenen Fossils lässt laut seinem Entdecker Gheerbrant mehrere Rückschlüsse zu. Erstens sei das Größenwachstum der Rüsseltiere am Übergang von Paläozän zu Eozän sehr rasch vor sich gegangen. Zweitens sei dies ein Hinweis auf eine besonders schnelle Artenbildung der afrikanischen Huftiere nach dem Massensterben der Kreide-Tertiär-Grenze vor 65 Millionen Jahren, die womöglich parallel zur Besiedelung unbesetzter Nischen Afrikas durch Pflanzenfresser geschah.

Besondere Bedeutung gibt man dem Fund, da viele Ursprünge moderner Säugetiere aufgrund zahlreicher "missing links" besonders im Schlüsselkontinent Afrika bisher noch im Dunkeln liegen. (red/pte)

  • Anhand der Zahn- und Kieferreste schlossen die Wissenschafter, dass Eritherium azzouzorum zu Lebzeiten nur vier bis fünf Kilogramm wog.
    foto: mnhn/c. lemzaouda und p. louis

    Anhand der Zahn- und Kieferreste schlossen die Wissenschafter, dass Eritherium azzouzorum zu Lebzeiten nur vier bis fünf Kilogramm wog.

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