Campingdorf in Simmering muss geräumt werden - Gruppe besetzt Areale im zweiten und dritten Bezirk
Wien - "Keine Angst, hier entsteht ein neuer Wagenplatz" - Dieses Plakat hängt in Wien-Landstraße auf einem improvisierten Gittertor, hinter dem ein unbebautes Grundstück liegt. Die im Besitz der Porr AG befindliche Fläche hat eine rund zehn Menschen umfassende Gruppe vor einer Woche in Beschlag genommen, indem sie mit ihren Wagen und Kleinbussen eine Art Mini-Campingdorf errichtet hat. Bis vor kurzem lebten sie, wie berichtet, auf einem Gelände in Simmering, das jedoch bis Ende August geräumt werden muss. Ein Angebot der Stadt bezüglich eines längerfristigen Standorts in der Donaustadt haben die "Aussteiger" vorerst abgelehnt.
Was das Porr-Grundstück betrifft, stehe eine "Zwischennutzung" im Raum, erklärten Alex und Miriam, zwei Wagenplatz-Bewohnerinnen, in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Für das Areal, das in der Baumgasse unweit der Südosttangente liegt, ist eine bauliche Nutzung vorgesehen. Mit Vertretern der Baukonzerns gebe es momentan einen "Interessensaustausch", das nächste Treffen sei für kommenden Dienstag anberaumt.
Peter Florianschütz, SP-Gemeinderat und Vermittler in der Causa, bestätigte dies. Es gebe eine "vernünftige, friedliche Gesprächsbasis". Wie die Porr zu dieser Sache steht, sei noch nicht entschieden. Es liege jedenfalls niemandem etwas an einem größeren Konflikt.
Alternativer Wohnstil
Die Wagenplatz-Gruppe gibt es bereits seit drei Jahren. Damals haben sich Freunde eines alternativen Wohnstils auf einem Grundstück in Simmering angesiedelt, um sich dort in zu Wohn- und Schlafräumen umgebauten Wagen dauerhaft einzurichten. Bis Ende August müssen die rund 25 Leute jedoch das Feld räumen. Dieses ist als landwirtschaftliche Fläche gewidmet, die fix geparkten Wagen gelten jedoch als Bauwerke.
Die Stadt hatte sich deshalb bereiterklärt, auf der Suche nach einem neuen Standort behilflich zu sein. Angeboten wurde schließlich ein 3.200 Quadratmeter großer Platz im 22. Bezirk für eine Gesamtjahresmiete von rund 21.150 Euro. Das Problem laut den Dauercampern: Das Grundstück sei zu klein. Außerdem habe es sich um einen befristeten Vertrag gehandelt - eine Lösung, die angesichts von nötigen Investitionen in die Errichtung von Strom- und Wasserversorgung nicht denkbar sei. Deshalb wurde das Angebot abgelehnt.
"Wir wollen keine Förderungen"
Als Zwischenvariante ist ein Teil der Simmeringer Clique nun in die Baumgasse gezogen, eine ähnlich große Gruppe kürzlich in die Leopoldstadt übersiedelt. Laut Alex und Miriam verstehen sich die Wagenplatz-Leute nicht als soziales Projekt: "Wir wollen keine Förderungen." Es gehe vielmehr um die Freiheit zu entscheiden, "so zu wohnen, wie man will". Man sei bereit, einen "angemessenen Mietzins" zu zahlen. Auch eine monatliche Spende von 500 Euro für wohltätige Zwecke wurde heute in den Raum gestellt. "Wir kommen langsam unter Zugzwang - bald ist Winter." Außerdem müsse man nebenbei dem Studium bzw. Berufsleben nachgehen.
Vonseiten der Stadt gebe es nach wie vor Gesprächsbereitschaft, wurde versichert. Ein Sprecher von SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig verwies darauf, dass sich beim betreffenden Donaustädter Grundstück die Mieten bei einer Anzahl von 25 Menschen auf lediglich 70 Euro pro Monat und Person belaufen würden. Diese Höhe sei nicht verhandelbar. Die Stadt suche derzeit jedenfalls nicht weiter nach alternativen Standorten. Was die Belagerung des Grundstücks im 2. Bezirk angehe, handle es sich um eine "widerrechtliche Nutzung". Es sei aber momentan kein behördliches Einschreiten geplant, um eine etwaige Eskalation zu vermeiden. (APA)