Albanien erwägt gleichgeschlechtliche Ehe

30. Juli 2009, 13:36
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NGOs haben einen Gesetzesentwurf vorgelegt - Laut Ministerpräsident Sali Berisha ist die Ehe für Homosexuelle ein EU-Standard

Tirana/Wien - In Albanien hat ein Regierungsgremium einen Aktionsplan verabschiedet, mit dem die Visapflicht gegenüber den EU-Staaten fallen soll. Zugleich sprach Ministerpräsident Sali Berisha am gestrigen Mittwoch erstmals öffentlich über ein Thema, das laut dem privaten TV-Sender "Top Channel" im Zusammenhang mit der abgestrebten Visa-Liberalisierung in dem mehrheitlich muslimischen Land gelöst werden muss: die Partnerschaft Homosexueller.

NGOs haben dazu einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der laut Berisha bereits ins Parlament eingebracht wurde. Berisha unterstützt das Gesetz für die Einführung der Ehe für Homosexuelle: "Unabhängig von der Debatte, die dieses Gesetz auslösen wird, denke ich, die Diskriminierung ist inakzeptabel", sagte der Premier. Laut der Tageszeitung "Shekulli" ist die Ehe für Homosexuelle aus der Sicht Berishas gar ein EU-Standard, den es zu erreichen gilt. Albanien hat Ende April den Status eines EU-Beitrittskandidaten beantragt.

Albanischen Öffentlichkeit

Elsa Ballauri, Leiterin der Albanischen Gruppe für Freiheiten und Menschenrechte, die an dem Gesetzesentwurf beteiligt war, sagte: "Die Homosexuellen sind eine Gruppe Menschen, die ein schwieriges Leben führen, ausgegrenzt von den Familien, der Gesellschaft, dem Staat und oft auch von sich selbst." Das mit Unterstützung des schwedischen Helsinki-Komitees erarbeitete Gesetz richte sich auch gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz und Benachteiligung durch die Behörden.

In der albanischen Öffentlichkeit wurde das Thema bisher so gut wie nicht diskutiert. Da es verpönt ist, sich offen zu zeigen, organisieren sich vor allem viele schwule Albaner im Internet. Als Straftat war homosexuelles Verhalten vor 14 Jahren abgeschafft worden, als Berisha Präsident war. Beobachter erwarten eine heftige Debatte über das Gesetz. Von "Shekulli" kontaktierte Religionsvertreter erklärten, sie seien noch nicht über das Gesetzesprojekt in Kenntnis gesetzt worden. (APA)

  • Elsa Ballauri, Leiterin der Albanischen Gruppe für Freiheiten und Menschenrechte: "Die Homosexuellen sind eine Gruppe Menschen, die ein schwieriges Leben
führen, ausgegrenzt von den Familien, der Gesellschaft, dem Staat und
oft auch von sich selbst."
    foto: daniela yeoh

    Elsa Ballauri, Leiterin der Albanischen Gruppe für Freiheiten und Menschenrechte: "Die Homosexuellen sind eine Gruppe Menschen, die ein schwieriges Leben führen, ausgegrenzt von den Familien, der Gesellschaft, dem Staat und oft auch von sich selbst."

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