Spezialpreis an Sylvester Stallone

12. August 2009, 16:35
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"Jaeger-LeCoultre Glory to the Filmmaker Awards" - "Lourdes" von Jessica Hausner und "Women Without Men" von Shirin Neshat im Wettbewerb

Venedig/Rom -  Der vor allem für seine "Rocky"- und "Rambo"- Blockbuster bekannte Sylvester Stallone wird mit einem Spezialpreis des 66. Filmfestivals von Venedig ausgezeichnet. Der US-Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor habe im zeitgenössischen Film ein Zeichen gesetzt, er habe die hellsten und die dunkelsten Zonen des American Dream erforscht, hielt die Festivalleitung am Mittwoch fest. Der "Jaeger-LeCoultre Glory to the Filmmaker Award", benannt nach der Schweizer Luxusuhren-Manufaktur, ging zuvor an die Regisseure Takeshi Kitano, Agnès Varda und Abbas Kiarostami. Stallone (63) erhält die Ehrung am 12. September zum Abschluss des diesjährigen Festivals.

Große österreichische Präsenz

 Gleich sechs österreichische Produktionen und Koproduktionen werden in Venedig  in allen vier Hauptsektionen des Festivals (2. bis 12. September) vertreten sein, gab die Austrian Film Commission (AFC)  bekannt. Martin Schweighofer, Geschäftsführer der AFC, spricht in einer Aussendung angesichts dieser Dichte "von einem wahren Wunder von Venedig" und einem "weiteren spannenden Kapitel in der Erfolgsgeschichte des österreichischen Films". Am 30. Juli stellte das Festival - für Österreich stets als lohnender Kurzreisetipp zu sehen - sein komplettes Programm vor, erläutert weiter unter, online zu finden unter www.labiennale.org.

Im Wettbewerb um die Goldenen Löwen finden sich gleich zwei Koproduktionen der erfolgreichen Wiener Produktionsfirma coop99: Jessica Hausners neuer Streifen macht sich auf den Weg nach "Lourdes". Die Koproduktion mit der deutschen  Essential Films und der französischen Societe Parisienne de Production erzählt vom "Widerspruch vom Glauben an das Gute im Angesicht von Willkür und Vergänglichkeit", heißt es in der Aussendung des AFC. "Kranke und Sterbende aus aller Welt fahren nach Lourdes, um doch noch gesund zu werden, sie hoffen auf ein Wunder, weil in Lourdes eben Wunder geschehen", schreibt die Regisseurin, die für den Streifen, der mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF, des Filmfonds Wien und des Landes Niederösterreich realisiert wurde, Schauspieler wie Sylvie Testud, Bruno Todeschini und Gerhard Liebmann vor die Kamera holte.

Aus dem selben Produktionsteam stammt auch Shirin Neshats auf dem gleichnamigen Roman von Shahrnoush Parsipour basierender Film "Women Without Men", der die Geschichte von vier Iranerinnen erzählt, die mit ihrem Alltag brechen und einen Neubeginn wagen. Die politischen Ereignisse des Sommers 1953 bilden den historischen Hintergrund des als deutscher Beitrag startenden Films, der von ÖFI, ORF und dem Filmfonds Wien unterstützt wurde.

In der Sektion Orizzonti läuft die österreichisch-schweizerische Koproduktion "Pepperminta" der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist, die coop99 mit  Hugofilm realisiert hat. Angekündigt ist der "farbenfrohe Feldzug" einer Frau "gegen das Grau im Alltag und die Angst vor der Freiheit". Neben Elisabeth Orth sind auch Ewelina Guzik und Sven Pippig zu sehen. "Toto" von Peter Schreiner, ebenfalls in den Orizzonti,  ist eine echt.zeit.film-Produktion, die den Weg eines jungen Rebellen aus der kalabrischen Stadt Tropea beschreibt, der seiner Heimat den Rücken kehrte und heute in Wien lebt.

In den "Giornate degli Autori" ist die Dor Film Koproduktion "Wüstenblume" von Sherry Hormann zu sehen, die die Lebensgeschichte der Somalierin Waris Dirie nachzeichnet, die als Fünfjährige beschnitten und als 13-Jährige zur Zwangsheirat bestimmt wurde und schließlich ihrem Schicksal entfliehen konnte und sich nach einer Karriere als Model und Autorin als Menschenrechtsaktivistin einsetzte. In der "Settimana della critica" läuft "Domaine" (WILDart Film und Aurora Films, Frankreich) von Patric Chiha, der für seine Beziehungs-Geschichte unter anderem die Burg-Mimin Sylvie Rohrer vor die Kamera holte.

Sechs US-Produktionen im Rennen

24 Filme gehen vom 2. bis 12. September ins Rennen um den "Goldenen Löwen",  75 Filme werden in den vier Hauptschienen vorgestellt. "Seit Jahren waren nicht mehr so viele Länder mit ihren Produktionen vertreten", sagten Biennale-Präsident Paolo Baratta und der künstlerische Festivaldirektor Marco Müller bei einer Pressekonferenz".

Der russische Regisseur und Drehbuchautor Sergei Bodrow ("Gefangen im Kaukasus") macht die internationale Jury "von Venedig " komplett. Vorsitz wird Filmemacher Ang Lee führen; weitere Jury-Mitglieder sind Sandrine Bonnaire, Liliana Cavani, Joe Dante, Anurag Kashyap und Luciano Ligabue.

Nach der Polemik der vergangenen Jahren wegen der Abwesenheit amerikanischer Filmproduktionen am Lido, rittern dieses Jahr sechs US-Filme um den "Goldenen Löwen". Aus den USA kommen die Wettbewerbsfilme "A Single Man" von Tom Ford mit Colin Firth und Julianne Moore, "The Road" von John Hillcoat mit Charlize Theron, Viggo Mortensen und Roberto Duvall und "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" von Werner Herzog mit Nicolas Cage, Eva Mendez und Val Kilmer. Der Regisseur Michael Moore stellt seinen zweistündigen Dokumentarfilm "Capitalism: A Love Story" vor. Im Rennen gehen auch George Romeros "Survival of the Dead" und Todd Solondzs "Life During Wartime".

Italien ist mit den Regisseuren Giuseppe Tornatore ("Baaria"), Giuseppe Capotondi ("La doppia ora"), Francesca Comencini ("Lo spazio bianco") und Michele Placido ("Il grande sogno") vertreten. Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin stellt seinen Film "Soul Kitchen" vor. Frankreich ist mit Patrice Chereaus "Persecution", Claire Denis' "White Material", Jacques Rivelles "36 vues du Pic Saint Loup" und Jaco van Dormaels "Mr Nobody" vertreten.

Die Organisatoren planen eine Starparade am Lido. Der US-Star Matt Damon wird Steven Soderberg nach Venedig begleiten, der seinen Thriller "The Informant" vorstellt. George Clooney, Kevin Spacey, Ewan McGregor und Jeff Bridges sind die vier Stars der Komödie "The Men who Stare at Goats", die Regisseur Grant Heslow außerhalb des Wettbewerbs präsentiert. Zu den in der Schiene "Mezzanotte" vorgestellten Filmen zählt der US-Thriller "Brooklyn's Finest" von Antoine Fuqua, der in die Lagune Richard Gere und Ethan Hawke bringen wird. Oliver Stone stellt hinzu seinen Dokumentarfilm "South of the Border" vor.

"Regisseure wie Michael Moore und Fatih Akin, die bisher noch nie ihre Produktionen in Venedig vorgestellt hatten, haben dieses Jahr die Lagunenstadt gewählt, um ihre neue Werke zu zeigen", betonte der Direktor des Filmfestivals, Marco Müller. In Venedig wird der Disney-Kreativleiter John Lasseter für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Am 6. September bekommt er einen Goldenen Löwen überreicht. Für seine Animationsfilme "Toy Story" und "Tin Toy" wurde Lasseter bereits mit Oscars ausgezeichnet.  "Toy Story" und "Toy Story 2" sollen  erstmals als 3D-Versionen gezeigt werden.

Schauspieler-Demo bei Pressekonferenz

Namhafte italienische Schauspieler und Regisseure haben vor Beginn der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms gegen die Einschnitte der Regierung Berlusconi bei den staatlichen Finanzierungen für Filmproduktionen protestiert. Die Demonstranten kündigten auch beim Filmfestival selbst Protestaktionen an, um die Aufmerksamkeit der Medien für das Problem der Finanzierungskürzungen zu wecken. Die Demonstranten trafen Direktor Müller, dem sie die Gründe ihres Protests erklärten.

Der italienische Starregisseur Carlo Verdone warnte vor der Krise der Kinos in Italien: "Nur Kinos mit mehr Sälen überleben, alle anderen müssen schließen". Während Frankreich den öffentlichen Beitrag für die Filmproduktion dieses Jahr auf 513 Millionen Euro erhöht habe, verurteile die Regierung Berlusconi den italienischen Film zu Tode, kritisierten die Demonstranten. Die italienischen Filmproduzenten hatten kürzlich mit einem Boykott von Venedig als Aktion gegen die Regierung Berlusconi gedroht. Diese hatte für heuer eine zusätzliche Finanzierung im Wert von 200 Millionen Euro für Filmproduktionen versprochen, jedoch aus Spargründen später einen Rückzieher gemacht. (APA)

Die 24 Wttbewerbsbeiträge um den Goldenen Löwen der 66. Filmfestspielen in Venedig vom 2. bis 12. September

- "Baaria" von Giuseppe Tornatore (Italien)
- "Soul Kitchen" von Fatik Akin (Deutschland)
- "La doppia ora" von Giuseppe Capotondi (Italien)
- "Yi ngoi" (Accident) von Cheang Pou-Soi (China - Hongkong)
- "Persécution" von Patrice Chereau (Frankreich)
- "Lo spazio bianco" von Francesca Comencini (Italien)
- "White Material" von Claire Denis (Frankreich)
- "Mr. Nobody" von Jaco von Dormael (Frankreich)
- "A Single Man" von Tom Ford (USA)
- "Lourdes" von Jessica Hausner (Österreich)
- "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" von Werner Herzog(USA)
- "The Road" von John Hillcoat (USA)
- "Ahasin Wetei" (Between Two Worlds) von Vimukhti Jayasundara (Sri Lanka)
- "El Mosafer" (The Traveller) von Ahmed Maher (Ägypten)
- "Levanon" (Lebanon) von Samuel Maoz (Israel)
- "Capitalism: A Love Story" von Michael Moore (USA)
- "Zanan-e bedun-e mardan" (Women without men) von Shiri Neshat (Deutschland, mit österreichischer Beteiligung)
- "Il grande sogno" von Michele Placido (Italien)
- "36 vues du Pic Saint Loup" von Jacques Rivette (Frankreich)
- "Survival of the Dead" von George Romero (USA)
- "Life During Wartime" von Todd Solondz (USA)
- "Tetsuo The Bullet Man" von Shinya Tsukamoto (Japan)
- "Lei wangzi" (Prince of Tears) von Yonfan (China, Taiwan, Hongkong)
- und ein Überraschungsfilm

www.labiennale.org

 

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    Sylvester Stallone Anfang des Jahres im Restaurant Buca di Beppo  in Los Angeles

     

  • "Lourdes"-Postermotiv (coop99.at)
    foto: coop99

    "Lourdes"-Postermotiv (coop99.at)

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