Wenn die Bilder tanzen

29. Juli 2009, 20:00
1 Posting

Ein Filmprogramm-Experiment: "Dancing Pictures" im Novomatic Forum

Wien - Von einem kleinen und sehr feinen Tanzfilmprogramm begleitet ist das diesjährige Impulstanz-Festival. Projiziert wird unter dem Titel "Dancing Pictures" im Novomatic Forum, in dem auch die Impuls-Lounge untergebracht ist.

Bisher gab es im Zusammenhang mit dem Auftritt des Tap-Stars Savion Glover einen Jazzfilm-Abend und Filme mit der Französin Mathilde Monnier. Sehr aufschlussreich waren aber auch ein Kurzfilm-Programm und eine Auswahl von Experimentalfilmen, die in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria sowie der Pariser Cinemathèque de la Danse zustande kamen und von dem Wiener Filmtheoretiker Thomas Ballhausen moderiert wurden.

In der zeitgenössischen Choreografie gibt es seit geraumer Zeit Bestrebungen, den Tanzbegriff über die Bewegung des Körpers hinauszuführen. Der große William Forsythe definierte vor mehr als zehn Jahren Choreografie als "Organisation von Dingen in der Zeit". Und in Nam June Paiks "Merce by Merce by Paik" von 1978 stellt ein dem Neuen immer aufgeschlossener Cunningham die Frage, ob das Umherlaufen eines Kleinkindes, die Kampfszene im Actionfilm oder der Taxiverkehr in New York nicht auch Tanz seien. Seine Antwort: "Why not?"

Heute, 31 Jahre später, ist die damals gewagte Frage leichter zu beantworten, nämlich mit: "Ganz sicher." Schon bisher war es nicht unüblich, auf der Bühne mit filmschnitthaften Techniken zu arbeiten (etwa bei Superamas) oder Live-Filme zu produzieren (wie die New Yorker Big Art Group) oder zur Kamera zu greifen wie Wim Vandekeybus. Nicht von ungefähr sind auch seit langer Zeit Videos ganz selbstverständlich in Tanzstücke integriert.

Dass der Film aber von sich aus selbst Tanz produziert, lässt sich am besten am Experimentalfilm beobachten. Schon vor einigen Jahren haben die Pariser Editions Re:Voir eine DVD unter dem Titel "Dancing Images" herausgebracht. Und das Wiener Internetmagazin Corpus (www.corpusweb.net) hatte 2008 einen ganzen Themenschwerpunkt, in dem unter der Überschrift Versehen dem Phänomen von Tanz und Choreografie in anderen Kunstsparten nachgegangen wurde.

Im Novomatic Forum waren - unter anderen Schätzen - frühe abstrakte Experimentalfilme von Walter Ruttmann und Fernand Légers "Ballet mécanique" aus den 1920er Jahren zu sehen, in denen die Choreografie von Bildern und Formen gezeigt wird. Spannend ist auch, wie sich die Bewegungen von Tänzern im Film wiedergeben lässt: von den Serpentinentänzen der Loïe Fuller aus den 1890er-Jahren bis hin zu Pascal Baes' "Topics" (1989/90), in denen auch Jérôme Bel zu sehen ist.

Am Freitag, dem 31. 7., gibt es Filme mit Arbeiten von Maguy Marin zu sehen (die Künstlerin wird anwesend sein!), es folgen Alain Buffard (5. 8.) und Lucinda Childs (6. 8.), am 10. 8. ist Chris Haring an der Reihe. Beginn jeweils 19 Uhr, der Eintritt ist frei. (Helmut Ploebst / DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2009)

 

  • Editing Josephine Baker eröffnete Dancing Images
    filmarchiv austria

    Editing Josephine Baker eröffnete Dancing Images

Share if you care.