Erwin Hoffers Weg führt von Wien-Hütteldorf nach Neapel
Natürlich gehört der Fußball relativiert. Denn für einen Cristiano Ronaldo müsste man schon 19 Erwin Hoffer hinlegen. Aber jene kolportierten fünf Millionen Euro, die der SSC Napoli Rapid geblecht hat, sind für österreichische Verhältnisse nicht nur kein Schmutz, sondern Rekord. Die keinesfalls bescheuerten Italiener betrachten das als vernünftige Investition, das vom Reichtum nicht gerade heimgesuchte Rapid als wirtschaftlichen Segen. Und der 22-jährige Hoffer selbst "als große Chance, die man nützen muss". So simpel funktioniert manchmal der Kick. Das Tor sollte man treffen. So oft wie Hoffer. In der vergangenen Meisterschaft hatte er 27-mal genetzt.
Hoffer hört natürlich auf Erwin, aber auch auf Jimmy. Diesen Spitznamen hat er dem amerikanischen Gewerkschafter Jimmy Hoffa zu verdanken. Die Hoffers aus Baden bei Wien sind eine äußerst bodenständige Arbeiterfamilie. In der Haidhof-Siedlung wimmelt es förmlich vor Hoffers, der Jimmy hat acht Geschwister. Und eine Oma, die 2007 während der U20-WM in Kanada Kult wurde. Als Österreich im Semifinale scheiterte, sagte sie live in die TV-Kameras: "So ein Schaß."
Das Enkerl hat eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Haidhof, Tribuswinkel, Baden, Admira, ab 2006 Rapid. Von diesem Klub hatte er bereits in den Windeln geschwärmt. Nun sind fünf Jahre Napoli geplant.
Hoffer, der in ein paar Monaten Vater wird, stellt keine Fragen. Er betrachtet seine Schnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit als "Gottesgeschenk". Sagt, dass er die innere Ruhe gefunden habe. Das könne an seinem Hobby, dem Fischen, liegen. Fühlt er sich leer und gehemmt, packt er die Angel aus, steht im Morgengrauen auf und sitzt stundenlang am Teich. "Das gibt Kraft. Ich bin der Schrecken der Fische und der Torleute." Sein Berater Rupert Marko beschreibt ihn so: "Bodenständig, fleißig, selbstbewusst, lebensbejahend, kein Party-Tiger."
Napolis Präsident Aurelio De Laurentiis ist auf den Fang stolz: "Ein agiler Stürmer, den wir länger beobachtet haben und der uns beeindruckt hat. Er hat ein fotogenes Profil. Wie Kirk Douglas." Noch am Mittwoch wurde Hoffer in Lindabrunn den italienischen Medien präsentiert, Napoli bereitet sich dort auf die Ende August beginnende Serie A vor. Erste Erkenntnis: "Ich muss Italienisch lernen." Natürlich wird Hoffer einem Konkurrenzdruck ausgesetzt sein, dem Klub dienen Kapazunder wie Fabio Quagliarella und Ezequiel Lavezzi. "Den Kampf nehme ich an." Wie Kirk Douglas als Spartakus. Oder Jimmy Hoffer als Fischer. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 30.07.2009)