Parlamentswahl: Opposition liegt vorne

30. Juli 2009, 06:02

Pro-europäische Koalition könnte an die Macht kommen - OSZE-Beobachter mit überwiegend positiver Bewertung

Chisinau - Nach der Parlamentswahl in Moldau hat das pro-westliche Oppositionslager am Donnerstag eine Ablösung der seit acht Jahren amtierenden kommunistischen Regierung angekündigt. Nach Auszählung fast aller Stimmen blieben die Kommunisten (KP) zwar stärkste Kraft, fielen aber mit insgesamt 45,1 Prozent der Stimmen hinter die vier Oppositionsparteien, die ins Parlament einziehen, mit zusammen 50,7 Prozent zurück. Beobachter sprachen von einer "Zeitenwende".

Es müsse eine Koalition gebildet werden, die dafür Sorge trage, dass in Molau endlich Demokratie Einzug halte, sagte der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Vlad Filat. Auf seine stärkste Oppositionspartei entfielen 16,4 Prozent der Stimmen. Die Wahl war im Vorfeld als Entscheidung über einen pro-russischen oder einen pro-westlichen Kurs gewertet worden.

Vorzeitig Neuwahlen

Der scheidende kommunistische Präsident Vladimir Voronin hatte das Parlament aufgelöst und vorzeitig Neuwahlen angesetzt, weil sich die Parteien nicht auf einen Nachfolger für ihn einigen konnten. Er darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder als Präsident antreten. In dem im April gewählten Parlament stellten die Kommunisten 60 von 101 Abgeordnete. Ihnen fehlte damit eine Stimme für die alleinige Wahl eines neuen Staatschefs durch die Volksvertretung. Nach der erneuten Wahl dürften nur noch rund 48 Mandate auf die Kommunisten entfallen, auf die bisherige Opposition, die die Präsidentenwahl boykottiert hatte 53.

Voronins Kommunisten streben zwar engere Bindungen der früheren Sowjetrepublik an die Europäische Union an, sie sehen in Russland aber einen strategischen Partner. Russland deckt 90 Prozent des Energiebedarfs der Moldauer und hat Soldaten in Transnistrien ("Dnjestr-Repiblik") stationiert, das von der Regierung in Chisinau unabhängig werden will.

Engere Beziehungen zu Rumänien

Die Opposition hat dagegen für den Austritt aus der von Russland dominierten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) sowie für den Beitritt zu EU und NATO geworben. Liberale und Liberaldemokraten streben zudem engere Beziehungen zu Rumänien an. Der größte Teil Moldaus gehörte einst zu Rumänien. Gut 800.000 der vier Millionen Moldauer besitzen die rumänischen Staatsbürgerschaft oder haben sie beantragt. Unter der kommunistischen Regierung hatten die Beziehungen zum EU-Mitglied Rumänien einen Tiefpunkt erreicht.

Im Wahlkampf wurde eine Zweiteilung des Landes deutlich: Die Kommunisten warben vor allem in den armen Dörfern und unter den ethnischen Minderheiten um Stimmen. Im Gegensatz dazu stand eine überwiegend junge und städtische Wählerschaft der liberalen Parteien, die es mit Macht nach Westen drängt. Nach der Wahl im April war es zu Ausschreitungen gekommen, weil Anhänger der Opposition Wahlbetrug witterten.

Urnengang "im wesentliche korrekt"

Der österreichische Bundesrat Stefan Schennach (G), der als Wahlbeobachter in Moldau im Einsatz war, erklärte in einer Aussendung: Der Urnengang sei "im wesentlichen korrekt und demokratisch durchgeführt worden". Die Parlamentswahl am 5. April war in einem Fiasko geendet. Das Ergebnis zugunsten der seit 2001 regierenden Kommunisten löste massive Proteste aus, bei denen mindestens drei Menschen ums Leben kamen. Die EU müsse nun rasch einen Nachbarschaftsvertrag mit Moldau abschließen, forderte Schennach. Hinsichtlich des Konflikts um Transnistrien müssten die Parteien wieder zurück an den Verhandlungstisch.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa attestierte, dass bei der "gut organisierten" und "ruhigen" Wahl "viele Standards" erfüllt worden seien. Weitere Reformen seien jedoch nötig, um das öffentliche Vertrauen wieder herzustellen. Nach dem vorläufigen Ergebnis kamen die Kommunisten auf 48 der 101 Mandate, zuletzt waren es 60 Sitze. Die Liberaldemokratische Partei Moldaus (16,4 Prozent), die Liberale Partei (14,4) und die Demokratische Partei von Ex-Parlamentspräsident Marian Lupu (12,6) sowie die Allianz Unter Moldau (7,4) kamen zusammen auf 53 Mandate. (APA/Reuters/AP/dpa)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Yossarian
00
31.7.2009, 21:28
Was passiert denn

wenn jetzt die Kommunisten die Wahl des Präsidenten boykottieren?

Reinhard9
02
30.7.2009, 20:40
Komisch

Warum sagt man nicht mehr "Moldawien"?
Wenn ich Moldau höre, denke ich zuerst an den Fluss in Prag. Moldawien ist viel besser, da ist eine Verwechslung ausgeschlossen.

BMA
00
30.7.2009, 19:27
In ein Paar Jahren werden wir dort garantiert "Südosetien 2" miterleben!!

Denn die Bürger Transnistriens haben noch u.a. sowietische Pässe (die leicht russisch werden können) und haben bereits vor einem Jahr in einer Volksabstimmung die Unabhängigkeitsanerkennung von Russland gefordert.
Die Kommunisten haben durch geschickte Manöver zwischen Westen und Russland die de facto Spaltung des Landes verhindert. Wenn wieder Nazionalisten die Macht ergreifen, wird wieder Blut fließen.
Übrigens, was die Völker betrifft (Moldawier und Rumänen), nach dem was ich in Österreich gehört habe, mögen die Zweiten die Ersten nicht besonders.
Aber was soll´s.
Die Wiener stossen auch nicht überall in Österreich auf Gegenliebe (zumindest was die Witze betrifft).

mechtagscheitsein
00
30.7.2009, 23:36
Südossetien 2 halte ich für ein Gerücht...

so wie ich das hier (lebe in Chisinau) erlebe hat man sich irgendwie mit der Situation abgefunden, wenngleich die Frage natürlich ungelöst ist und bleibt. Vergessen Sie nicht dass hier auch viele Rumänen leben, von irgendwelchen Spannungen merke ich hier nichts. In den letzten Jahren stieg die Wirtschaftskraft auch ohne Transnistrien und die Taktik Voronins gleichermassen mit Ost und West zu liebäugeln hat dem Land m.E. nicht schlecht getan. Nun denn, was kommt wird spannend, ein Blutbad will hier aber sicher niemand mehr. Längst hat man begonnen in vielen Bereichen europäische Standards einzuführen, wenn auch der Weg noch ein weiter ist. Verglichen jedoch mit Rumänien und Bulgarien ist die Rep Moldau m.E. nicht viel rückständiger.

papst benedikt
21
30.7.2009, 17:08

glücklicherweise ist diese wahl im sinne des westens ausgegangen. und nachdem die richtigen gewonnen haben wird aus der kommunistischen diktatur vom april 2009 nun flugs eine westliche demokratie. das politische leben kann ja so schön sein ;-)

Raptor Jesus
00
31.7.2009, 08:27
Das hatten wir schon in der Ukraine

Bilanz, die Opposition ist zerstritten, und der "Wahlbetrüger" steht da, besser denn je.
PS: Der Zyprische Prez ist auch ein ins Amt gewählter Kommunist. Ernsthaft. Google es und mach die Trolle bereit zum absprung auf Zypern.

mechtagscheitsein
04
30.7.2009, 17:23
lieber Papst,

kennen Sie den Unterschied zwischen einer Alleinregierung und einer Diktatur? Sie sollten die Pressegschichtln nicht so dramatisch nehmen. Oder einfach mal eine kleine Ostreise tätigen, das bildet.

Fröhlich sein hilft
00
30.7.2009, 15:22
Das Getwittere lässt grüßen...

JeanPaulGaultier
40
30.7.2009, 11:54
Moldawien sofort Rumänien zurückgeben !

Genauso wie Kosovo -Serbien und Israel - Palästina !

callanish
00
30.7.2009, 15:41

nein Moment - eigentlich sind die Rumänen ja die Nachfolger von den Römern, die den wahrscheinlich keltischen Einwohnern das Land weggenommen haben.

Sollte man Moldawien dann nicht Rom zurückgeben?

-Nathan-
 
00
31.7.2009, 10:48
Rom den Etruskern !

callanish
00
30.7.2009, 15:39

da möchte ich dann aber doch einwerfen dass die Slawen im Zuge der Völkerwanderung die damals in der Region ansässigen Völker vertrieben, umgebracht oder assimiliert haben.

Sollte man das Land dann nicht gleich den Nachfolgern dieser Leute geben?

des geht si scho aus
00
30.7.2009, 11:39

jaja, die antidemokratischen kommunisten... abgesehen von teilweiser einflussnahmen(was aber allerorts passiert) siehts ja echt danach aus als wuerden sich die kommunisten mit diktatorischen mitteln an macht halten.. ;)

Porqué no te callas?
11
30.7.2009, 12:42

"siehts ja echt danach aus als wuerden sich die kommunisten mit diktatorischen mitteln an macht halten.." ja wie denn sonst? wählen würden die doch niemand...

mechtagscheitsein
00
30.7.2009, 11:58

dass es Wahlen gab und die (sich nun formierende) Opposition als Sieger hervorging ist Ihnen aber schon klar?

Warum posten Sie einen solchen Blödsinn?

Raptor Jesus
00
30.7.2009, 16:41
charley-inc
51
30.7.2009, 10:48

Eigentlich ist es wirklich lächerlich, dass es immer noch Kommunisten gibt. Hat ihnen 1989 nicht gereicht? Wer heute noch Kommunist ist, muss entweder ein Ewig-Gestriger oder ein Dummkopf sein, nach alle dem was der Kommunismus angerichtet hat...

Porqué no te callas?
00
31.7.2009, 07:46

naja, die reden sich halt ein, dass das "überhaupt kein richtiger kommunismus" war.

Bjargi Bjargison
00
30.7.2009, 10:32

EU-Reife. Na sicher...

Gehirnamputierter Volldillo
00
30.7.2009, 09:33
46% Kummerln

ist aber auch nicht schlecht ...

Eraser1
 
62
30.7.2009, 08:41
phantastisch!! nieder mit den Kommunisten...

(obwohl ich nicht mal genau weiss, wo dieses Molwanien eigentlich liegt.)


lg

uni versalis
00
30.7.2009, 23:34
das glaub ich dir sogar!

Raptor Jesus
20
30.7.2009, 16:44
Verschwindet mit dem Kommunismus auch die Intelligenz?

Eraser1
 
00
30.7.2009, 19:54
wie soll was verschwinden, ...

was gar nich da ist?

versteh ich ncht.

lg

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.