Wie erfolgreich sind die "Bundesspekulanten" wirklich?

29. Juli 2009, 17:12
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    Michael H. Böheim, arbeitet als Industrie- und Wettbewerbsökonom in Wien.

Versuch eines Beitrags zur Versachlichung der Diskussion über die umstrittenen Praktiken der Bundesfinanzierungsagentur - Von Michael Böheim

Das Niveau der bisherigen Debatte um das Veranlagungsmanagement der Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA), die sich selbst als "Treasurer der Republik" bezeichnet, ist in etwa mit der Höhe des Rasens am Centre Court des All England Lawn Tennis and Croquet Club am Abend des 5. Juli 2009 vergleichbar (Finale!).

Das mag zwar, angesichts der Plattheiten, die man sonst auch in anderen Zusammenhängen hierzulande gewöhnt ist, wenig überraschen, ist aber nichtsdestotrotz ärgerlich. Während einige die (angeblich) großen Veranlagungserfolge hochjubeln, verdammen andere die "Staatsgeldspekulanten" ob der (angeblich) horrenden Verluste in Grund und Boden. Wer hat nun recht?

Beantwortung der "Gretchenfrage"

Folgende Überlegungen könnten für die Beantwortung der eingangs gestellten "Gretchenfrage" vielleicht ein paar zweckdienliche Hinweise liefern und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen, auf dass sich auch deren Niveau von der Grasnarbe emanzipieren möge. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Eingedenk der bisher Tiefenstruktur der politischen Debatte wurde darauf geachtet, dass die im Zuge dieses Versuchs angestellten und dokumentierten Berechnungen von jeder Person, die der Grundrechnungsarten mächtig ist beziehungsweise zumindest die Bedienung eines Taschenrechners beherrscht, nachvollzogen werden können. Informationsverluste durch notwendige Vereinfachungen wurden als Kollateralschäden in Kauf genommen.

In der im Standard vom 24. 7. 2009 veröffentlichten Übersicht "Bundesfinanzierungsagentur - Rekorderträge trotz Finanzkrise" werden die Netto-Erträge aus Veranlagungen der ÖBFA von 1998 bis 2009 dargestellt: in Summe über nicht ganz zwölf Jahre knapp eine dreiviertel Milliarde Euro, wobei nur zwei Jahre mit einem Netto-Verlust (2004 und 2005) ausgewiesen werden.

So beeindruckend diese Summe erscheinen mag, so irrelevant ist sie für die Beurteilung der Qualität der ÖBF als "Treasurer der Republik" . Wie jeder andere Treasurer auch sollte die "Performance" der ÖBFA an der Eigenkapitalrendite gemessen werden und nicht an nominellen Veranlagungserträgen. Um wirklich das Veranlagungsmanagement der ÖBFA beurteilen zu können, müssten also die Netto-Erträge dem eingesetzten bzw. veranlagten Eigenkapital gegenübergestellt werden. Da - auf die Schnelle - über das durchschnittlich jährliche Veranlagungskapital keine Informationen zu bekommen waren, wurden den hier angestellten Berechnungen folgende vereinfachte Überlegungen zugrunde gelegt:

1.Als Benchmark für die Veranlagung der ÖBFA wurde die Sekundärmarktrendite (SMR) des Bundes (= die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, festverzinslichen Wertpapiere/Anleihen der Republik Österreich - besondere Kennzeichen: höchste Bonität, geringstes Risiko) normiert. Eine Veranlagung der ÖBFA wäre demnach als erfolgreich zu beurteilen, wenn die Rendite aus der Veranlagung höher als die SMR ausfiele.

2.Es wurden nur volle Kalenderjahre berücksichtigt. Die Berechnungen laufen also von 1998 bis 2008; 2009 bleibt als "Rumpfjahr" unberücksichtigt. Für den Zeitraum 1998 bis 2008 ergeben sich Netto-Erträge von knapp unter 700 Millionen Euro.

3.Zins- und Zinseszinseffekte bleiben unberücksichtigt.

4.Da - wie erwähnt - Informationen zum tatsächlichen Veranlagungskapital nicht zur Verfügung standen, wurde aus den Netto-Erträgen und der SMR des Bundes ein "fiktives Veranlagungskapital" errechnet, das notwendig gewesen wäre, um mit den ausgewiesenen Erträgen die SMR Bund realisieren zu können.

5.War das tatsächlich eingesetzte Eigenkapital der ÖBFA höher als das errechnete "fiktive Veranlagungskapital" , ist die Performance der ÖBFA als schlecht zu bewerten, da nicht einmal die Rendite einer Veranlagung in risikolose Staatspapiere (SMR Bund) erzielt werden konnte, obwohl bekanntermaßen durch die Veranlagung in "alternative Investments" ein höheres Risiko eingegangen wurde. War es umgekehrt niedriger, ist die Performance des "Treasurers der Republik" als gut zu bewerten.

Klarheit unerwünscht?

Die Ergebnisse der Berechnungen sind in der obenstehenden Tabelle wiedergegeben: Im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2008 hatte die ÖBFA demnach durchschnittliche Jahres-Netto-Erträge von etwas mehr als 60 Millionen Euro. Dafür hätte sie etwas weniger als 1,5 Milliarden Euro durchschnittlich pro Jahr investieren dürfen, um die SMR des Bundes zu erzielen.

Jetzt müsste eigentlich nur mehr die ÖBFA die Höhe des durchschnittlich jährlich verfügbar gewesenen Veranlagungskapitals für die Jahre 1998 bis 2008 "herausrücken" , und schon hätten wir Klarheit. Vielleicht will man es - auf beiden Seiten der Diskussionsgegner - aber gar nicht so genau wissen, sondern pflegt lieber weiter seine (ideologisch motivierten) Vorurteile ...(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.7.2009)

 

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    Posting 1 bis 25 von 58
    1 2
    Genowo
    11
    vom ökonomischen Konjunktiv und der Überlegenheit marktwirtschaftlichen Denkens gegenüber der Ideologie.

    Zu Beginn erklärt uns der gute Herr Böheim, dass alles bisher gesagte niveaulos war und wählt dazu einen besonders originellen Vergleich, oder zumindest was ein Industrieökonom für originell hält.

    Dann erklärt er uns umständlich, wie wir es sehen und bewerten müssten, wenn wir die Informationen hätten.
    Schade, dass er nicht in der Lage ist oder sich die Mühe macht, diese Informationen auch zu recherchieren.

    Zu guter letzt schenkt er uns noch einen kleinen Einblick in seine - garantiert ideologiefreien - Rechenkünste in Form einer Excel-Tabelle, die leider - mangels brauchbarer Informationen - nichts aussagt.

    Unterm Strich, ein selbstgefälliges, langatmiges Geschreibsel ohne inhaltliche Relevanz.

    Schade um den Platz im Standard!

    kufd
    00
    31.7.2009, 14:03

    Die Überlegungen in diesem Kommentar greifen zu kurz und bei allem Respekt sind eigentlich Blödsinn.
    Ziel der ÖBFA ist es die Finanzierung möglichst kostengünstig zu gestalten die Rechnung dies zu messen wäre eigentlich relativ simpel.
    Gesamtschuldenstand
    - Kassabestand
    = Nettoverbindlichkeiten

    + Veranlagungserträge
    - Zinsaufwand
    - Provisionen und sonstige Aufwendungen
    - Abschreibungen auf das Wertpapierportfolio
    - Overhead der ÖBFA
    = Ergebnis

    Ergebnis / Nettoverbindlichkeiten = Erreichter Effektivzinssatz

    Dies wäre dann mit anderen Ländern oder auch mit einem EURIBOR benchmarkbar und würde die Debatte wirklich versachlichen.
    =>Es schwirren permanent Zahlen durch die Gegend die nicht im geringsten überprüfbar sind.

    wimmerl
    00

    Finde ich grundsätzlich gut nur trifft es mE nicht ganz das Thema. Beim Schuldenmanagement (ZB Mischung der Anleihen mit FW-insbes. Yen , Swappen in andere Währungen, Zinsswaps etc nehme ich an daß die performance nicht schlecht war, obwohl ich mich an ein Jahr erinnere, wo bei einem hohen YenKurs hr. Eder nicht gut ausgesehen hat. Aber die verluste werden ja nicht realisiert sondern nur weitergewälzt bis bessere zeiten kommen und sie kamen auch. Etwas ganz anderes ist es aber, wenn die kurzfristige kreditaufnahme zur Risikoarbitrage verwendet wird (Bund nimmt billig auf und veranlagt risikoreich kurzfristig in Z.B. CPs um Zinsdifferenz zu lukrieren). Diese Geschäfte sind gesondert zu beurteilen.

    kufd
    00

    Gebe zu dass ich nicht der Oberexperte bin nur meiner Meinung nach kann man diese Geschäfte nicht gesondert beurteilen z.B.
    ich weiss dass ich im Juni einen Cash Bedarf von 20 Mrd. haben werde weil eine langfristige Finanzierung ausläuft, ich habe jetzt die Möglichkeit mich schon im Dezember einzudecken und das Geld zwischen zu veranlagen oder bis Mai zu warten bzw. ggf. mich im Juni kurzfristig zu refinanzieren =>welche Entscheidung die richtige wäre kann ich halt nur ex-post beurteilen bzw. ist die kurzfristige Veranlagung auch nur im Sinne einer Gesamtbetrachtung zu beurteilen.
    Ob die ÖBFA Risikoarbitrage betrieben hat oder versucht hat die Zinsstruktur zu optimieren liegt im Auge des Betrachters.

    wimmerl
    00

    Auch dieses Argument grundsätzlich richtig. Nur ist es bemerkenswert, daß der rahmen für diese Art von Geschäften unter unseren beiden Finanzgenies KHG und Molterer gerade zu einem zeitpunkt drastisch angehoben wurden als doch eigentlich die oft zitierten Konsolidierungsmaßnahmen (steigende Steuereinnahmen ,Kürzung der Sozialleistungen)gegriffen haben. Auch ist die explosionsartige Ausweitung des Rahmens für diese geschäfte unerklärlich, da sich die Finanzverhältnisse unmöglich so stark innerhalb dieser kurzen zeit verändert haben können.

    valorennummer
    00
    30.7.2009, 17:25
    Die Gretchenfrage ist

    sind es auch zocker die unsere goverment bonds kaufen? wenn diesen herrschaften einmal die lust auf unsere aaa ramschpapiere vergangen ist, wird der huber sepp blöd schauen wenn am 1 die sozialhilfe nicht am konto ist

    bildschirmkrankheit
    01
    30.7.2009, 17:23
    wieso heißt dieb plötzlich treasurer

    und wieso diebstahl auf einmal performance? dazu bedarf es wohl eines gutachtens zum gutachten, einer analyse der analyse der analyse ...

    cheap thrills
    02
    30.7.2009, 16:51
    beim lawn tennis kennt er sich aus,

    der kollege.

    uni kum
    21
    30.7.2009, 15:31

    Ich frag mich, woher ein "Industrie- und Wettbewerbsökonom" diese aus dem Artikel förmlich triefende Arroganz nimmt. Angebracht ist sie jedenfalls nicht.

    Bobostandard
    10
    30.7.2009, 17:56

    Simple Betriebswirtschaft...keine Arroganz...

    Genowo
    00

    Ja leider, all zu simpel.

    Jabberwock
    13
    30.7.2009, 14:03
    die wortwahl

    in der einleitung trägt nicht im geringsten zu einer "versachlichung der diskussion" bei, ist aber scheinbar der jargon der sogenannten finanzexperten. was den inhalt betrifft würde wohl jedes milchmädchen genauer rechnen bevor es sich trauen würde derartige aussagen zu tätigen.

    gibt es denn niemanden der einigermaßen transparenz in die angelegenheit bringen könnte?

    Erimias Doolittle
    03
    30.7.2009, 13:51
    öko-astroligie

    es ist immer wieder erfrischend, wenn ein experte - ein ökonom - über andere experten expertisen auststellt.

    das liest sich dann wie ein horoskop. viele genaue zahlen, winkel und grade - aber die interpretation dieser 'fakten' aber liegt wie beim horoskop letztendlich im auge des betrachters.

    bitte, tuts net so, als ob ökonomie eine wissenschaft wäre. das ergebnis dieser wissenschaft fällt uns allen gerade auf den kopf.

    die astrologen sind wenigstens ehrlich ...

    der Rabe
    12
    30.7.2009, 13:23
    Will der gute Her jetzt sachlich über das Zocken diskutieren?


    Meint er etwa, es sei alles okay, wenn die Zocker nur erfolgreich waren?
    Glückspiel statt seriöser Arbeit: Nicht die Abrechnung am Ende des Tages ist Grundlage für mein Urteil.

    Nennen Sie es Standpunkt, Ideologie oder Meinung oder auch nur Verantwortung oder Bewusstsein.
    Schon allein die Versachlichung solcher Machenschaften ist obszön.
    Ich empfehle dazu den Beitrag von Peter Huemer!

    Urfahraner Auge
    00
    30.7.2009, 16:12
    Wo ist die Grenze zwischen Anlage und Zockerei?

    Kapitalismus Luege
    12
    30.7.2009, 11:56
    die Frage ist doch vielmehr:

    wurden mit den Steuergeldern in Arbeitsplatz schaffende sinnvolle Produkte, Dienstleistungen und Infrastruktur investiert,

    oder in Casino-Produkte wie Leerverkäufe und Kinderarbeit in Goldminen?

    Ist das US-amerikanische Modell "Let's make money" die oberste Parole des Staates, die "Let's make values" sein sollte.

    Bei solchen Summen fließen enorme Provisionen, wer hat die erhalten, welche Seilschaften / Parteienfinanzierung gibt's da?

    europa fassen
    01
    30.7.2009, 11:38
    Und wieso muss die ÖBFA die Höhe der eingesetzten Mittel

    nicht herausrücken?

    Weil das 2003 (FM Grasser) gestrichen wurde. Es müssen nur mehr die Netto-Daten gesagt werden, aber nicht wieviel dafür eingesetzt ist.

    Seither ist das Ganze sehr undurchsichtig geworden und alle Finanzminister seither haben auch ein großes Geheimnis daraus gemacht.

    Schwarz Grün
    00
    30.7.2009, 08:51
    sehr geehrter herr böheim, ...

    sie wissen aber schon, dass man kurzfristig verfügbare liquide mittel nicht für drei tage oder zwei wochen in staatsanleihen veranlagen kann, sonder auf andere instrumente, die in der regel weniger ertrag erzielen, ausweichen muss? wieviel zinsen kriegen sie auf ihrem girokonto ... ?

    der böse joko
    00
    30.7.2009, 13:27
    " ...dass man kurzfristig verfügbare liquide mittel nicht für drei tage oder zwei wochen in staatsanleihen veranlagen kann ..."


    und wieso nicht?

    ja natürlich
    00
    30.7.2009, 10:48

    das weiß er sicher - die SMR dient ja nur dafür die Kosten für die zu veranlagende Liquidität zu bemessen. Das zu viele Geld muss ja von irgendwo herkommen und hat seinen Preis. Im Durchschnitt wohl nahe SMR, da dies die Kosten für die Mittelbeschaffung sind.

    Der Retter der Welt
    00
    30.7.2009, 11:14
    eben nicht

    Die SMR ist ein denkbar schlechter und vor allem verzerrter Proxy dafür.

    pardon!
    00
    30.7.2009, 09:46

    ich denke es ist so zu verstehen, dass die smr als benchmark für eine "risikolose" anlage (was den kontrahenten anbelangt) herangezogen werden kann - d.h. nicht, dass man in die smr investieren muss, es impliziert aber, dass man das tut, um die performance der smr zu erreichen. wird diese performance überschritten (was im fall der öbfa offensichtlich nicht so war) hat der investor mit sicherheit mehr risiko genommen und glück gehabt.

    aber wenn schon "netto", dann wohl auch unter berücksichtigung der zur finanzierung der anlagen aufgenommenen finanzierungen und des damit verbundenen zinsaufwands, sowie der durch die refinanzierung in chf enthaltenen spekulationskomponente. aber ich glaube, das ergebnis wollen wir gar nicht kennen!

    Alexander Neumaier
    20
    30.7.2009, 08:32
    Klarheit unerwünscht?

    Ja, aber nicht auf der Basis von Ausschnitten der Pravda, pardon des Standard, sondern auf der Basis von offiziellen Informationen der Bundesfinanzierungsagentur.
    Geprüft durch den Rechnungshof.

    systemfehler1
    00
    30.7.2009, 10:47
    Pravda? Eher "Presse"....

    Alexander Neumaier
    20
    30.7.2009, 11:03
    Er zitiert aber

    die Pravda, pardon den Standard.

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