Rapid-Boss Edlinger zum Verkauf: "Wäre unverantwortlich gewesen, einem anständigen Spieler die Chance seines Lebens zu verbauen"
Wien - Rapid-Präsident Rudolf Edlinger hat am Mittwoch den Verkauf von Erwin Hoffer an den SSC Napoli gerechtfertigt. "Er hat ein hervorragendes Angebot erhalten und es wäre unverantwortlich gewesen, einem anständigen jungen Spieler vielleicht die Chance seines Lebens zu verbauen", erklärte der Chef des Fußball-Rekordmeisters am Tag nach dem österreichischen Rekord-Transfer.
"Angemessene Entschädigung"
Zu der kolportierten Ablösesumme von rund fünf Millionen Euro wollte der ehemalige Finanzminister keine Angaben machen und sprach lediglich von einer "angemessenen Entschädigung" für Rapid. Immerhin räumte Edlinger ein, dass die mit ca. 3,5 Mio. Euro verschuldeten Hütteldorfer durch die Einnahmen aus dem Transfer "wahrscheinlich" schuldenfrei gewesen wäre, hätte der Wechsel vor dem 30. Juni stattgefunden. "Jetzt kann man das so nicht sagen, weil das Budget für die neue Saison läuft und darin Transfer-Erlöse und ein zusätzlicher Sponsor enthalten sind."
Ob das Geld ausschließlich zur Schuldenabdeckung verwendet wird, ist noch offen. "Wir werden uns überlegen, welche Investitionen wir tätigen, aber wir werden sicher einen bestimmten Betrag davon für unser Budget verwenden", sagte Edlinger. Über die Verpflichtung eines neuen Spielers - möglicherweise auch eines Innenverteidigers - werde in den kommenden Tagen beraten.
Der Verkauf von weiteren Kickern wie etwa Veli Kavlak steht nach den Angaben des Clubchefs "nicht auf der Tagesordnung. Wir bieten unsere Spieler auch nicht an, bei Hoffer ist eben ein Interessent gekommen". Den im Moment teuersten österreichischen Fußballer bezeichnete Edlinger als "hervorragenden Charakter, der aus einfachen Verhältnissen und einer anständigen Familie stammt. Und die Frage ist auch, ob er jemals wieder so ein Angebot bekommen hätte".
Über den sportlichen Verlust für Rapid ist sich der Vereinsboss im Klaren. "Wir haben nach wie vor eine starke Mannschaft. Aber dass der Trainer jetzt neu konzipieren muss, ist klar."
Pacult: "Ein Schlag ins Gesicht"
Coach Peter Pacult war vom überraschenden Abschied seines Schlüsselspielers sichtlich gezeichnet. "Für mich als Trainer ist es ein Schlag ins Gesicht, kurz vor so einem wichtigen Match (Anm.: Europa-League-Quali-Hinspiel gegen APOP Kinyras Peyias) so einen Spieler zu verlieren", meinte der Wiener und schilderte die Ereignisse am Dienstagabend. "Ich war voll in den Planungen für das Match und dann ruft mich um 18.00 Uhr Sportdirektor Hörtnagl an und sagt es mir, und ich bin aus meiner schönen heilen Welt rausgeflogen."
Der Abschied von Hoffer könnte sogar eine Systemänderung bei Rapid zur Folge haben. "Ich muss jetzt einmal schauen, wie ich das auf die Reihe kriege und weiß nicht, wie wir das kompensieren sollen. Ich muss mir jetzt Gedanken über die Planungen der Spielkultur machen."
Pacult zeigte aber auch Verständnis für die Clubführung. "Für den Verein ist es klar, dass er so ein tolles Angebot annehmen muss." Seinem nunmehr ehemaligen Schützling traut der 49-Jährige einen Stammplatz in Neapel zu. "Er hat das Zeug dazu. Es ist für ihn ein toller Schritt und ich freue mich persönlich für ihn, weil er immer mit Charakter und Herz bei der Sache war", erklärte der Betreuer, der wie schon im vergangenen Jahr mit Ümit Korkmaz eine Stütze zu Saisonbeginn verlor hat.(APA)