Filesharer soll 4,5 Millionen Dollar für 30 Songs zahlen

29. Juli 2009, 12:31
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25-jähriger Student und Staranwalt wollen es der Musikindustrie zeigen

Die Musikindustrie in den USA wird nicht müde Nutzer von Filesharing-Netzwerken zu verklagen. Es ist erst wenige Wochen her, dass die US-Bürgerin Jammie Thomas-Rasset (und vierfache Mutter) zu 1,9 Millionen Dollar Schadensersatz für das Tauschen von 24 Liedern verdonnert wurde. Nun ist ein zweiter spektakulärer Filesharing-Prozess in Übersee angelaufen:

Der 25-jährige Joel Tenenbaum wird von Vertretern der Musikindustrie beschuldigt 30 Songs über die Tauschbörse KaZaa zum Download angeboten zu haben. Die Schadensersatzforderung beträgt 4,5 Millionen Dollar oder 150.000 Dollar pro Lied.

Entscheidende Schlacht

Dem Fall wird große Bedeutung zugeschrieben, da er nach Rassets Fall erst der zweite Prozess vor einem Geschworenengericht ist und das Urteil wegweisend für weitere Filesharing-Fälle in den USA sein dürfte. Sollte die Klägerpartei abermals gewinnen, wäre das ein Durchbruch für die Medienindustrie im Kampf gegen Tauschbörsennutzer. Sollte die Verteidigung sich durchsetzen, würden der Industrie weitere Maßnahmen gegen Filesharer wohl deutlich erschwert.

Schützenhilfe

Der junge Tenenbaum erhält von prominenter Seite Schützenhilfe. Seine Verteidigung rund um Staranwalt und Harvard-Professor Charles Nesson hat vor, die Anklage zu demontieren, wie Ars Technica berichtet. Nesson ist bekannt für seine lautstarke Kritik an der Unverhältnismäßigkeit derartiger Prozesse. Mit dem Studenten Tenenbaum ergreift er nun die Möglichkeit die Verhältnisse vor Gericht etwas auszugleichen. Unter dem Titel "Joel fights back" werden auf einer Webseite die Ereignisse dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Dämpfer

Bis zum Prozessstart am 27. Juli ist jedenfalls nicht alles optimal für Nessons Mannschaft verlaufen. Zuerst wurden für die Jury nur Personen zugelassen, die selbst keine Tauschbörsen nutzen. Und dann hat das Gericht der Verteidigung noch im Vorfeld eine schwere Abfuhr erteilt: Tenenbaum darf sich nicht auf "Fair Use", also die angemessene Benutzung von geschütztem Material, berufen. Diese Verteidigungslinie wäre "so umfassend, sie würde allen Urheberschutz glatt schlucken", wie die Richterin Gertner am Tag des Prozess-Eröffnung argumentierte.

Die Verteidigung hat nicht lange Zeit zu reagieren: Richterin Gertner plant den Fall bis zum Ende der Woche abzuhandeln. (zw)

  • Tenenbaum (Mitte) erhält Schützenhilfe durch Staranwalt Charles Nesson und dessen Studenten.

    Tenenbaum (Mitte) erhält Schützenhilfe durch Staranwalt Charles Nesson und dessen Studenten.

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