Hat Wikipedia den Rorschach-Test zerstört?

riegler, 29. Juli 2009 10:16
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    Foto: warner bros. entertainment inc

    Rorschach, Figur aus Watchmen, mit der namensgebenden Maske

Um die Veröffentlichung der zehn Tintenkleckse ist ein Streit entbrannt

Seit fast 90 Jahren wird der sogenannte Rorschach-Test in Psychiatrie und Psychoanalyse eingesetzt. Indem Menschen mehrere Tintenklecksmuster deuten, sollen Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit möglich sein. Der Test, entwickelt von dem Schweizer Psychiater Hermann Rorschach, ist längst Teil der Populärkultur geworden. In der kürzlich verfilmten Graphic Novel "Watchmen" etwa gibt es eine Figur namens Rorschach, die eine Maske mit den namensgebenden Tintenklecksen trägt. Das alles können Interessierte auf Wikipedia nachlesen. Doch gerade Artikel der freien Enzyklopädie sind nun in Verruf geraten, den Rorschach-Test zerstört zu haben.

Kein Urheberrecht mehr

Stein des Anstoßes ist, dass auf Wikipedia die zehn originalen Tintenklecksmuster veröffentlich worden sind, zusammen mit den häufigsten Interpretationen. Dabei dreht sich Debatte vor allem darum, ob es ethisch vertretbar ist, die Muster zu veröffentlichen. Denn das Urheberrecht haben die 1921 veröffentlichten Bilder in den USA bereits verloren, berichtet die New York Times.

Schon zuvor veröffentlicht

Die Bilder sind von dem kanadischen Arzt James Heilman publiziert worden. Ursprünglich war bei dem Artikel nur ein Muster veröffentlicht worden, was bereits zu Diskussionen geführt hatte. Heilman habe es jedoch "absurd" gefunden nur ein Bild zu veröffentlichen und reichte die anderen neun nach. Daraufhin war der Streit eskaliert. Wieso die Kritiker gerade jetzt auf den Plan gerufen wurden, ist jedoch nicht ganz klar. Denn Muster sind zuvor schon auf anderen Seiten veröffentlicht worden. In dem umstrittenen Wikipedia-Artikel selbst wird auch darauf hingewiesen, dass die Muster erstmals 1983 in dem Buch "Big Secret" von William Poundstone veröffentlicht worden waren.

Ergebnisse bedeutungslos

Wenn Patienten Muster und gängige Interpretationen bereits vorab kennen, könnten die Test-Ergebnisse bedeutungslos werden, meint jedenfalls Psychologe und Präsident der International Society of the Rorschach and Projective Methods Bruce L. Smith, der unter dem Wikipedia-Namen SPAdoc postet. Man könnte zwar neue Tintenkleckstests entwickeln, doch dazu gebe es nicht die Untersuchungen, die zu den originalen Tests existieren, durch die die Ergebnisse erst in einen größeren Kontext gesetzt werden könnten.

"Leichtfertig und zynisch"

Nicht alle von der NYT zum Thema befragte Ärzte sind davon überzeugt, dass der psychologische Prozess durch die Veröffentlichung tatsächlich gefährdet sei. Dennoch ist der Grundtenor, dass die Bilder besser wieder entfernt werden sollten. Der deutsche Verlag Hogrefe & Huber Publishing, der den früheren Verlag von Hermann Rorschachs Buch gekauft hat, überlegt sogar rechtliche Schritte einzuleiten. Es sei "unglaublich leichtfertig und geradezu zynisch", in dem Wikipedia-Artikel einerseits die Kritik an der Veröffentlichung zu betonen, andererseits das Testmaterial im selben Artikel aber noch online zu lassen.

"Wie chinesische Zensur"

Bei der Wikimedia Foundation hat man für die Kritik wenig Verständnis. Chefsyndikus Mike Godwin habe über diese rechtlichen und ethischen Argumente sogar "ein bisschen Lachen müssen". Der Verlag lizenziere die Bilder zusammen mit Interpretationsunterlagen an verschiedene Unternehmen, beispielsweise an Western Psychological Services, das die Tests ab 110 US-Dollar verkaufe. Heilman, der die Bilder ursprünglich veröffentlicht hatte, vergleicht die Forderung seiner Kollegen gar mit der Zensur der chinesischen Regierung. Es gehe bei dem Streit vorrangig um Kontrolle. (red)

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Frodo Der Hobbit
03.01.2012 22:48
so nicht bitte

der rorschachtest ist für mich völlig unglaubwürdig und im reich der alchemie angesiedelt.
was damit gemacht wird, ist intransparent. ich seh das eher in einem bereich der psychiatrie, der früher offensichtlich missbraucht wurde, um unliebsame zeitgenossen mit einem attribut einer pathologie zu belegen und ihrer handlungsfähigkeit zu berauben.

dass es nur diese fixe zahl an figuren gibt, statt dass die ständig von grund auf und für jeden patienten neu generiert werden, ist ein mißstand.

ich habe den eindruck, dass die konkrete figur überhaupt egal ist, und dass nur die art wie der getestete versucht, sich einen reim drauf zu machen, beurteilt wird.

woodz
25.05.2011 12:16
Tafel 4

ist eindeutig ein Hells Angel auf seinem Motorrad!

+++
26.04.2011 10:13
Test oder Religion

+++
26.04.2011 10:42
Test oder Religion

Unnötige Diskussion um einen zweifelhaften Test!

Scheint mir als ob sich 90 Jahre zuvor eine Religion bildete die anhand von 10 überlieferten Bildern, Urteile über andere Menschen fällen, ohne die dafür angewendete Metodik je zu hinterfragen.
Das Problem neue Muster zu entwickeln, scheint darin zu Bestehen, das Herr Bruce L. Smith selbst nich genau versteht was er da anbetet, sonst wärs ja kein Problem, oder?!

RamDju
26.08.2009 10:04

Rorschachtest hin oder her... es ist wie bei allen Ärzten: Lass dich von drei Ärzten untersuchen und du erhältst drei verschiedene Diagnosen. Ob Psychologie oder allgemein Medizin...

PS: besteht da nicht sowieso die Debatte in der "Psycho-Welt" darüber, ob der Rorschachtest überhaupt etwas bringt...?

Andreas Haunholter
 
06.08.2009 18:43
wegen nichts und wieder nichts

hier wird diskutiert (bitte überschrift lesen)

Boerd
03.08.2009 12:02
ich packs nicht!

"Man könnte zwar neue Tintenkleckstests entwickeln, doch dazu gebe es nicht die Untersuchungen, die zu den originalen Tests existieren, durch die die Ergebnisse erst in einen größeren Kontext gesetzt werden könnten."

Die wissen nicht worauf das beruht? Wie man ..na. Ich packs überhaupt net. Was sind das für Vollkoffer. Klingt ja sehr hilflos oder verstehe ich da etwas falsch?!

Wenn mit solchen Methoden Menschen beurteilt oder gar verurteilt werden dann hat das ja Hand und Fuß.

a grünes stricherl
 
03.08.2009 12:49
natürlich hat es hand und fuss

schonmal was von empirik gehört?

Frodo Der Hobbit
03.01.2012 22:51

proprietäre empirik immaterieller form hat keinen guten geruch.
(zum unterschied von pharmaforschung, wo es in der kritik um die auswirkungen auf getestete menschen, tiere und umwelt etc. geht)

Pullover aus Milch
08.09.2009 15:41

LOL

Wie dumm kann man sein...

M. C. Escher
03.08.2009 23:03
Wie viel "Hand und Fuß" psychologische Methodik hat, können sie jederzeit an der Zuverlässigkeit von gerichtspsychologischen Gutachten nachvollziehen.

Oder anders formuliert: Wenn der Zustand des zu untersuchenden Objekts a: nicht konsistent, b: nicht objektiv feststellbar und c: bei weitem komplexer ist, als das zur Untersuchung zur Verfügung stehende Instrumentarium (sprich die von der Psychologie zur Verfügung gestellten "Aufkleber" für sieben Milliarden völlig unterschiedlicher Menschen) , dann haben sie ein Problem!

Aber andererseits werden von vielen auch Theologie und Astrologie für Wissenschaften gehalten. Deren Zuverlässigkeit, Beweisbarkeit und Trefferquote ist ähnlich.

gustl
 
12.09.2009 21:28
Hier muss ich die Psychologie verteidigen

So schlimm wie die Astrologie die auf reinem Zufall beruht, und die Theologie, die auf einem in der weiten Vergangenheit willkürlich zusammengesammelten Buch beruht, ist die Psychologie immerhin fähig mittels statistischer Auswertungen Hinweise und grobe Kategorisierungen zu machen.

Gedanken und Emotionen lesen kann sie jedenfalls nicht, und das wäre nötig, wollte man ein individuelles Profil erstellen, dass sich sicher von jedem anderen Profil unterscheidet.

leonid
03.08.2009 10:02
puppenmord

erinnert mich an die komödie puppenmord..
"woran denken sie bei diesem bild?"
"an den rorschach test..."

klein adlerauge
 
03.08.2009 02:21

und schon hat man wieder publicity um ein vorwissenschaftliches testverfahren das weder über validität noch über reliabilität verfügt.
ein klassisches ärztliches (psychiater) und psychoanalytisches instrument also.

psychologen, also leute die sich auf basis wissenschaftlicher grundlagen mit der psyche beschäftigen verwenden den unzuverlässigen dreck nur wenn sie keine ahnung haben.

M. C. Escher
02.08.2009 12:22
eine Pseudo-Wissenschaft macht sich sorgen um ihre wissenschaftliche Methodik?

rührend.

Titus Feuerfuchs
02.08.2009 16:31
Und aus welchem Kaffeesatz lesen Sie

Ihre Werturteile?

M. C. Escher
03.08.2009 23:23
KAFFEESATZLESEREI - Rorschachtest - sehen sie da irgendwelche Parallelen? Wir lernen von der Psychologie.


1. Sie ist weit von Unfehlbarkeit entfernt (psychologische Gutachten)
2. Sie hisst dort, wo ihr Menschen (zu meinem Bedauern) anvertraut werden, die weise Flagge in Form von Psychopharmaka.
3. Menschen, welche aus psychologischer Betreuung entlassen werden, fügen nicht immer sich oder anderen Schaden zu - ein Erfolg? Oder ein Anzeichen dafür, dass "psychologische" Instabilität bei den meisten Menschen vorkommt, aber eben nicht immer?
4. Menschen mit intakten sozialen Kontakten und der Möglichkeit sich kommunikativ Auszutauschen neigen weniger zu Auffälligkeiten, als solche in Isolation. (Gesprächstherapie)
5. Der Mensch als Beobachtungsobjekt ist PRINZIPIELL unscharf. Er "lügt" immer. Vorhersagen auf Grund von Beobachtungen sind daher...?

gleich gleichgültig Gesinnter
 
26.06.2011 16:12

Überhaupt 2. gefällt mir, denn genauso ist es.

der Zacharias
02.08.2009 10:44
Lässt mich ziemlich kalt.

Abgesehen davon, dass Psychologen zumeist in die Kategorie ,,Betreuung der Zielgruppe durch die Zielgruppe'' fallen (wie etwa auch Sozialarbeiter), ist der Rorschachtest so aussagekräftig wie eine Hausnummer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rors... ontroverse

Hier hat der WP-Artikel schon Recht.

glogg
02.08.2009 22:14
alltagspsychologen

gottseidank kennt sich einfach jeder aus und kann mitreden - bitte zuerst ein bissl in der literatur schmökern oder selber erfahrungen machen - dann kleckern und abwerten

nixusfixus
03.08.2009 10:55

naja, der black-box ansatz ala stimulus-response ist halt nicht unbedingt sehr fortschrittlich. um diagnosen zu stellen benötigt es schon einer kenntnis des innenlebens, also die neurowissenschaften. psychologie für die therapie, meinetwegen, aber ansonsten kann man auch zum pfarrer seines vertrauens gehen. aber das hören psychologen nicht gern. kann ich aber verstehen, wer läßt sich schon gern den eigenen ast absägen ;)

Fresno
03.08.2009 18:26
Sie versuchen offensichtlich, den Berufsstand der Psychologen in Misskredit zu bringen, indem sie den Eindruck erwecken,

1. Psychologen würden ihre Diagnostik auf dem Black-box-Ansatz aufbauen,
2. sie wären nur an der Stabilität "des eigenen Astes" interessiert.
3. Zitat:"therapie, meinetwegen, aber ansonsten kann man auch zum pfarrer seines vertrauens gehen"- vermutlich wollen Sie damit die Wirksamkeit von Psychotherapie mit der von Seelsorge gleichsetzen.

Das mag in manchen oder sogar vielen Fällen stimmen und sollte kontrolliert werden,die Vorverurteilung aller dieser Berufsgruppe angehörigen drückt jedoch lediglich die Qualität ihres Postings aus bzw. ihre persönliche Differenzierungsbereitschaft.
Ausserdem: psychologische und neurologische Diagnostik sind ziemlich verschieden voneinander und nicht austauschbar. Informieren Sie sich doch mal!

werner b.
31.07.2009 22:43

Paul Watzlawick hat ja ganz interessante Aussagen über seinen Berufsstand gemacht ...

c42
01.08.2009 23:02

Und, wollen Sie uns die verraten? ;-)

Schubiak
31.07.2009 20:45
War mal in einem Film

wo jemandem von einem Psychiater ein solches Bild gezeigt wurde.

"Was sehen sie hier?"
"Den Rorschachtintenklecks-Test"
"Ich meine, was sehen sie auf dem Bild?"
"Zwei junge Rehe die an einem Waldsee Wasser trinken"
"Sehen Sie nicht doch einen nackte tote Frau in einer Blutlacke"
"Natürlich seh ich das, aber ich bin doch nicht so bescheuert das zu sagen."

Keine Ahnung was das für ein Film war und ob das Zitat genauso war, aber so in etwa beschreibt es doch ganz gut die Erwartungshaltung/ Aussagekraft dieses Tests.

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