George Russell 1923-2009

28. Juli 2009, 17:51
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Am Montag ist der Theoretiker und Komponist an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung 86-jährig in Boston gestorben

Boston - Er galt als eine der einflussreichsten Figuren des Jazz nach 1945. Den Status des ewigen Geheimtipps ist der Amerikaner George Russell dennoch nie wirklich losgeworden. Vielleicht, weil er, in den 40ern als Schlagzeuger aktiv, kaum als Instrumentalist hervorgetreten ist - und sich erst spät als Bandleader betätigt hat.

Beachtung wurde hingegen schon früh seinen Kompositionen zuteil: Cubana Be - Cubana Bop hieß die pionierhafte Fusion von afrokubanischen Rhythmen und Jazz, die Russell 1947 für das Orchester Dizzy Gillespies schrieb. Sie bedeutete auch eine erste praktische Anwendung seines 1953 veröffentlichten "Lydian Chromatic Concept of Tonal Organization" : Die Kernthese davon ist das Denken in Tonleitern anstatt in den bisher üblichen Akkorden. Russell legte damit nicht nur die Grundlage für die moderne Jazzpädagogik, sondern auch für den modalen Jazz; er beeinflusste Musiker wie Bill Evans, John Coltrane und Miles Davis, etwa dessen Meisterwerk Kind of Blue von 1959.

Erst 1960 rekrutierte Russell ein eigenes Ensemble, um seine avantgardistischen Kompositionen zu realisieren. Dies blieb aber eine Episode. Russell unterrichtete lange Jahre am New England Conservatory in Boston, komponierte "panstylistische" Musik, um erst in den 1980ern regelmäßig mit eigenen Projekten präsent zu sein. (Andreas Felber, DER STANDARD/Printausgabe, 29.07.2009)

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