Optimismus bei AUA-Deal

28. Juli 2009, 18:26
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Lufthansa und EU-Kommission basteln an einem Kompromiss. Mastermind hinter den Kulissen: Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber. Sein Gegner: der Finanzvorstand

Lufthansa und EU-Kommission basteln an einem Kompromiss, damit die AUA-Übernahme klappt. Mastermind hinter den Kulissen: Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber, ein Oberösterreicher. Sein Gegner: der Finanzvorstand.

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Die von der Lufthansa am Dienstag beantragte Fristverlängerung für das Übernahmeangebot hat am Ende doch gezeigt, dass die Deutschen die AUAauch mit strengeren Auflagen übernehmen wollen. Intern dürfte sich damit Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber durchgesetzt haben, der zwar von Anfang an für den Deal war, später aber die Chancen auf 50 zu 50 abgestuft haben soll.

Leicht hatte es Mayrhuber nicht: Im Konzernvorstand sollen Finanzer Stephan Gemkow und der neue Passage-Vorstand Christoph Franz den Daumen nach unten gerichtet haben. Während Mayrhuber und der für Beteiligungen zuständige Stephan Lauer für die AUA-Übernahme votiert haben sollen. Mayrhuber scheidet Ende 2010 aus und geht in Pension. Er und Lauer sitzen übrigens auch im neuen AUA-Aufsichtsrat, der sobald die Übernahme fix ist, gebildet wird.

Die Lufthansa hat nun ein adaptiertes Offert in Brüssel abgegeben, mit dem Ziel zu einem belastbaren Ergebnis zu kommen. Es enthält Nachjustierungen bei den Slots, die es der Kommission leichter machen sollen, einen Kompromiss zu erzielen. Man geht davon aus, bis 31. August eine positive Entscheidung in Brüssel für das Gesamtpaket zu bekommen.

Auch EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani, der für das Beihilfeverfahren zuständig ist, gab sich kryptisch-optimistisch.

Ein Stein vom Herzen viel auch VP-Finanzminister Josef Pröll. Wäre die Lufthansa abgesprungen, hätte er ein budgetäres und politisches Problem. Der staatliche Zuschuss hätte sich auf eine Milliarde verdoppelt. Und die SPÖ hätte wohl aus allen Rohren geschossen.

ÖIAG-Chef und AUA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis, auf den sich die SPÖ bereits eingeschossen hat, erwartet ebenfalls, dass der Deal zustande kommt. "Wir haben über das Wochenende intensivste Verhandlungen gehabt, und es zeichnet sich eine Einigung zwischen Lufthansa und Kommission ab", sagte Michaelis im ORF-Mittagsjournal.

Nun ist zunächst die Übernahmekommission am Zug, die die Fristverlängerung (mit ziemlicher Sicherheit) bis Donnerstag gutheißen wird. Vorgespräche hat es diesbezüglich ja bereits gegeben. Einmal mehr versicherte die AUA, dass ihre Liquidität bis über das Jahresende hinaus reiche, selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessern sollte.

Folgen für den Flughafen

Zu massiven Veränderungen wird es nicht nur bei der AUAkommen, der wohl weitere Sparmaßnahmen bevorstehen. Auch der Wiener Flughafen wird sich abseits des Skylink-Skandals behaupten müssen. Durch den Erwerb von Swiss und SN Brussels führt die Lufthansa eine Strategie mehrerer Drehkreuze (Hubs). Neben München und Frankfurt, Zürich, Brüssel künftig auch Wien.

Dass Wien einen geografischen Vorteil Richtung Osten hat, ist unbestritten, aber klar ist auch, dass die Deutschen die Airports untereinander im Wettbewerb sehen. Wer günstigere Konditionen bietet, wird eher Chancen haben, den Zuschlag für eine Strecke zu bekommen. Was das Angebot betrifft, kann Wien derzeit mit München oder Zürich bei weitem nicht mithalten. Der Ausbau des neuen Terminals ist also dringend nötig. Ganz zu schweigen von der zusätzlichen Piste.

Denn auch diese Krise wird zu Ende gehen und die Leute wollen mobil sein und reisen. Und dafür muss die Infrastruktur zur Verfügung stehen. Worüber sich die Airlines derzeit Gedanken machen, ist die Frage, ob es die Business-Class auf der Kurzstrecke künftig noch geben wird, zumal Manager aus Kostengründen bereits jetzt auf die billigeren Plätze ausweichen. Davon profitieren Airlines wie Niki oder Air Berlin. Sie bieten (anders als Ryanair oder Easyjet) den perfekten Mix aus Business- und Economy-Class (Ledersitze), haben eine nette Crew und geben noch immer gute Sandwiches aus. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2009)

  • Zuletzt dürfte doch noch alles gut werden: Wäre der Verkauf an die Lufthansa 
gescheitert, hätte das den österreichischen Staat nicht eine halbe Milliarde, 
sondern mehr als eine Milliarde Zuschuss für die defizitäre AUA 
gekostet.
    montage: derstandard.at/putschögl

    Zuletzt dürfte doch noch alles gut werden: Wäre der Verkauf an die Lufthansa gescheitert, hätte das den österreichischen Staat nicht eine halbe Milliarde, sondern mehr als eine Milliarde Zuschuss für die defizitäre AUA gekostet.

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