Schatten unter dem Dom

28. Juli 2009, 17:04
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Kunstprojekt rutscht zeitlich hinter die Festspiele: 40-Tonner sollen künftig über den Residenzplatz rollen können

Salzburg - Auf Zehenspitzen stehend kann man derzeit unten aus der Domkrypta, zwischen den Leitersprossen hindurch, einen Blick auf Tritons Kopf erhaschen. Ganz oben am knapp 15 Meter hohen und frisch geputzten Residenzbrunnen stößt der marmorne Meeresgott Wasser aus seiner Tritonschnecke senkrecht in die heiße, staubige Luft. Ganz unten, am Fuß der Leiter, ist Baustelle: Denn nach fast sechzig Jahren soll die rund 120 m² große konradinische Hallenkrypta, Teil des spätromanischen Bestands von St. Peter, wieder öffentlich zugänglich werden.

Anstoß für die von Erzdiözese, Bundesdenkmalamt, Land und Stadt finanzierte Sanierung gab das jährliche Kunstprojekt im öffentlichen Raum der Salzburg Foundation: Mit dem Domkustos von St. Peter, Balthasar Sieberer, habe man seit 2007, als Stephan Balkenhol seine Skulptur am Kapitelplatz postierte, guten Kontakt, so deren künstlerischer Leiter, Walter Smerling. Sieberer erzählte ihm von diesem Ort, der eigentlich nicht mehr sichtbar ist, und Christian Boltanski, der heuer von der Foundation ausgesucht wurde, wollte unbedingt dort ein Projekt realisieren. In diesem ehemals als Grablege der Salzburger Erzbischöfe verwendeten Sakralraum wird er nun Vanitas, ein akustisch untermaltes Schattenspiel, realisieren: eine zurückhaltendende Installation, die "den Raum überhaupt nicht verändert" . Als Sieberer Boltanski kennenlernte, war er sich sofort sicher, dass er "nichts Wahnsinniges hereinmacht" .

Wegen der Einmaligkeit des Projekts machte die Salzburg Foundation Zugeständnisse beim Stichwort "öffentlicher Raum" : Sicher, das Krypta-Projekt ist "nicht mit einer Skulptur auf der Straße" zu vergleichen. (Angenehmer Nebeneffekt: Die üblichen öffentlichen Irritationen dürften damit wegfallen.) Und auch bei der Lancierung des Projekts waren Verzögerungen in Kauf zu nehmen: Das Barockfundament war härter und dicker als angenommen, daher dauerte der Durchbruch länger als geplant. Aus dem 24. Juli wurde der 22. August. Nun ist der 3. Oktober fixiert.

So war es also vor Festspielbeginn in puncto Kunst einmal unaufgeregt still in Salzburg. Auch der klassische Vernissagenauftakt am Anreisetag wird stetig kleiner: Immer mehr Galerien und Häuser ziehen die Eröffnungstermine weit vor den Start des großen Trubels. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 29.07.2009)

  • 40-Tonner sollen künftig über den Residenzplatz rollen können: Daher ziert die Hallenkrypta nun eine Betondecke.
    foto: wildbild/hallinger

    40-Tonner sollen künftig über den Residenzplatz rollen können: Daher ziert die Hallenkrypta nun eine Betondecke.

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