Anrainer wollen Eisring Süd retten

30. Juli 2009, 11:23
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Auf dem Areal des Eisring Süd im zehnten Wiener Gemeindebezirk soll ein neues Wohnviertel samt Einkaufszentrum und Sportanlage entstehen

"Der Eisring Süd wurde so lange verwahrlost, bis eine Sanierung als zu teuer abgelehnt werden konnte", sagt Maria Spitzer. Sie lebt seit Jahrzehnten mit Blick auf den Sportplatz, der neben dem Wasserturm, einem Wahrzeichen des zehnten Wiener Gemeindebezirks, liegt. Die Sport- und Grünfläche soll nun umgewidmet werden: Auf dem sechs Hektar großen Areal sind ein Einkaufszentrum, 346 Wohnungen und Anlagen für diverse Sportarten geplant. Einige Favoritner sind jedoch gegen eine Verbauung und das Verschwinden des Eisrings. Sie haben nun die Bürgerinitiative "SOS Eisring Süd" ins Leben gerufen. Seit Ende Juni haben sie 500 Unterschriften gesammelt.

"Es geht uns vor allem um die Jugend, die schon jetzt zu wenig Freiraum hat", sagt Spitzer. Das Gebiet solle nach Wunsch der Bürgerinitiative nur für Freizeit und Sport genutzt und der Eisring revitalisiert werden. Dieser wurde durch Emese Hunyadi, Siegerin der Olympischen Spiele im Jahr 1994, berühmt, die dort trainierte. Für die Wiener stand ein Eislaufplatz unter Dach und ein zusätzlicher unter freiem Himmel zur Verfügung - beide in der Größe eines Eishockeyfeldes (30 mal 60 Meter). Auch Eishockey-Hobbymannschaften und die Stadtliga nutzten die großen Eisflächen.

"Nicht ernst genommen"

Die Mitglieder der Bürgerinitiative befürchten weiters, dass das Verkehrsnetz mit dem neuen Einkaufszentrum und den zusätzlichen Bewohnern bald überlastet sein werde. Auch die Schulen würden aus allen Nähten platzen: Ab Herbst müssen zum Beispiel die bestehenden Engpässe in der KMS Knöllgasse mit Containern ausgeglichen werden. Neue Schulen sind laut Auskunft des Büros von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch nicht geplant. Neuer Schulraum soll durch Umschichtung geschaffen werden.

"Die mehrheitliche Meinung der Bürger wurde von den Vertretern der Politik und den Architekten nicht sehr ernst genommen", kritisieren sie. "Das stimmt so nicht. Es gab natürlich auch Anrainer, die alles beim Alten lassen wollten, doch es gibt eine Demokratie", entgegnet Vera Layr, Mediensprecherin von Planungsstadtrat Rudolf Schicker. "Der Eisring Süd liegt im Moment brach, ist nicht zeitgemäß und wird so nicht mehr benötigt", sagt Layr und fügt hinzu: "Wenn die Bürgerinitiative feststellt, dass die Favoritner eine moderne Sportstätte brauchen, so kann ich versichern, dass genau das dort auch entstehen soll."

Die Initiative befürchtet jedoch, dass die geplante Sport&Fun-Halle als Freizeitfläche nicht reichen wird und fordert eine Nutzung des gesamten Areals: "Favoriten hat 170.000 Einwohner, er ist der bevölkerungsstärkste Bezirk Wiens." Dazu komme ein großes Einzugsgebiet mit den Nachbarn aus Wieden, Margareten, Meidling und Liesing. "Auch im Umkreis entstanden und entstehen viele neue Wohnungen. Für diesen Zustrom sind die Triesterstraße, Raxstraße und Unterführung Matzleinsdorferplatz nicht ausgelegt", sind die Aktivisten überzeugt. "Man darf nicht glauben, dass hier mit einem ersten städtebaulichen Ideenwettbewerb schon alle Detailprojekte erfolgt wären", sagt Layr. Es sei jedoch bereits eine Verkehrsuntersuchung durchgeführt worden, die die geplanten Wohnungen, Sportstätten und Einkaufsgelegenheiten berücksichtigt hat. "Das Ergebnis bestätigt die Verkehrsverträglichkeit der neuen Bebauung", sagt die Sprecherin.

Lebensraum für seltene Wildtiere

Schließlich weist Spitzer noch auf den Umweltaspekt hin. Über dem Gebiet verlaufe eine Einflugschneise, daher sei ein Ausgleich durch "eine Grünoase" wichtig. Und im Biotop leben zahlreiche Wildtiere, unter anderen die vom Aussterben bedrohten Feldhamster. "Da kann man eine Bebauung des Gebietes mit ruhigem Gewissen nicht befürworten", sagt sie. (Julia Schilly, derStandard.at, 29. Juli 2009)

  • Der Eisring Süd soll bald verschwinden: Auf dem Areal entstehen Wohnhäuser, Einkaufsmöglichkeiten und eine Sporthalle
    schilly/derstandard.at

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  • Vor mehr als zehn Jahren gab es auf dem Gebiet noch Tennisplätze
    schilly/derstandard.at

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  • Die Sicht auf den Wasserturm soll erhalten bleiben, versprechen die Planer
    schilly/derstandard.at

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  • Die Schule in der Knöllgasse platzt aus allen Nähten: Container sollen ab Herbst mehr Platz schaffen
    schilly/derstandard.at

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