Mehr als zweihundert Tote bei Gewaltwelle

29. Juli 2009, 08:16

Armee durchsucht Islamistenviertel - Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, nächtliche Ausgangssperren

Lagos/Nairobi - Armee und Polizei haben sich in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri in der Nacht auf Mittwoch heftige Gefechte mit Anhängern einer radikalislamischen Sekte geliefert. Nachdem bereits am Dienstagabend das Haus von Islamistenführer Mohammed Yusuf beschossen worden war, durchkämmten Sicherheitskräfte in den frühen Morgenstunden das Hauptquartier der Gruppe und den benachbarten Stadtteil, in dem sich die radikalen Muslime am Dienstagnachmittag verschanzt hatten.

Der nigerianische Präsident Umaru Yar'Adua zeigte sich zuversichtlich, dass die am Sonntag aufgeflammten Kämpfe mit den Islamisten bald beendet seien werden. "Die Regierung hat gehandelt, um ein potenziell gefährliches Problem an der Wurzel zu packen", sagte er. Die Islamisten, die seit Sonntag Polizeistationen in vier überwiegend islamischen Teilstaaten des westafrikanischen Landes attackiert hatten, hätten "Waffen gesammelt und gelernt, Bomben zu bauen, um den Frieden zu zerstören".

Mehr als 200 Tote

Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten im Norden Nigerias sind nach Polizeiangaben allein in der Stadt Maiduguri mehr als 200 Menschen getötet worden. Nach den blutigen Auseinandersetzungen in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, seien am Montag 206 Leichen gezählt worden, hieß es am Dienstag. Bei 197 handelte es sich demnach um Mitglieder einer islamistischen Sekte, die übrigen neun waren Polizisten. Die heftigen Kämpfe in Maiduguri dauerten am Dienstagnachmittag an.

Der nigerianische Staatschef Umaru Yar'Adua sagte, die Lage im Norden des Landes sei "unter Kontrolle". In Maiduguri stehe der Angriff auf den geistlichen Führer der Sekte, Mohammed Yussuf, vor dem Abschluss. Dort beschoss die Armee das Haus des Sektenführers mit Mörsern. Der Präsident äußerte sich auf dem Flughafen von Abuja kurz vor seinem Abflug nach Brasilien. Er hatte Polizei und Armee angesichts der Kämpfe am Montagabend in "totale Alarmbereitschaft" versetzt.

Die erstmals 2004 in Erscheinung getretene Sekte, die sich den afghanischen Taliban verbunden fühlt, kämpft für einen islamischen Gottesstaat im Norden Nigerias. Von der Gewalt sind auch die nördlichen Bundesstaaten Bauchi, Kano und Yobe betroffen.

Ausdehnung der Scharia auf alle Landesteile gefordert

Nach Angaben der DPA sind die Aufständischen Anhänger der Boko Haram-Sekte "Erziehung/Bücher ist Sünde", die sich für die Einführung der Sharia im gesamten Land einsetzen. Die Sektenmitglieder selbst nennen sich Taliban. Die Islamisten wollen eine Ausweitung des islamischen Rechts (Scharia) auf alle nigerianischen Bundesstaaten durchsetzen. Bisher gilt die Scharia nur in etwa einem Dutzend Staaten Nigerias, darunter auch in den nun von der Gewalt betroffenen. In Nigeria stellen Christen und Muslime einen etwa gleich großen Bevölkerungsanteil. Doch während der Norden überwiegend islamisch ist, konzentriert sich die christliche Bevölkerung auf den Süden des Landes.

Kein Zusammenhang mit Al Kaida nachgewiesen

Spannungen liegen in Nigeria immer nur knapp unter der Oberfläche. Armut, der Kampf um die wenigen Ressourcen und ethnische, kulturelle und religiöse Unterschiede sind die Ursache für viele Auseinandersetzungen. Die aktuelle Gewaltwelle allerdings, analysiert Caroline Duffield von der BBC, sei anders gelagert. Diesmal gehen nicht unterschiedliche Bevölkerungsgruppen auf einander los, sondern junge Männer aus religiösen Gruppen bewaffnen sich und attackieren die Polizei.

Religiöse Randgruppen hätten zwar immer wieder Verbindungen zur Al Kaida vorgegeben. Gewaltakte, die mit der Al Kaida in Zusammenhang gebracht werden, gab es aber bisher noch nicht. Die Idee, dass militante Islamisten sich in Nigeria festsetzen wird im Regelfall als unwahrscheinlich betrachtet, schreibt Duffield. Die lokalen Traditionen und Identitäten würden das verhindern. Trotz der reichen Ölvorkommen des Landes war die Regierung nicht in der Lage, die Armut in der Bevölkerung zu mindern. Ein guter Nährboden für extremistische Bewegungen. (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 172
1 2 3 4
a grünes stricherl
 
03
30.7.2009, 13:39
irgendwie iss ja fast schon lustig

auf die idee dass einfach die täter schuld sein könnten .. kommt wohl niemand oder?

jene die die waffen auf andere anlegen und sie niederschiessen kann man .. man glaube es oder nicht .. durchaus als "täter" bezeichen.

sprich "die nigerianischen islamisten sind schuld an den toten die durch den aufstand der nigerianischen islamisten entstanden".

noch fragen ..?

Träume sind Schäume
23
29.7.2009, 17:43
Die logische Reaktion eines völlig durchgeknallten Anti imp Würstchens

Es gibt nur eine Erklärung dafür:

Da hat sich der CIA seine Hände im Spiel.
oder die Konzernbosse
oder das jüdische "Ostküstenestablishment"
oder die faschistischen europäischen Demokratien
oder die Imperialisten
oder Hollywood und die Unterhaltungsindustrie
oder oder oder oder .....

ODER ein Haufen mittelalterlicher islamistischer Religionsfanatiker lassen ihre fanatischen Anhänger von der Leine und starten Einschüchterungskampagnen und Gemetzel.

Bildung braucht das Land, hier wie dort ;)

tartaros
00
29.7.2009, 16:35
Einfach zum Nachdenken

Internationaler Korruptionsindex -> http://www.icgg.org/corruptio... ldmap.html

Demokratieindex -> http://de.wikipedia.org/wiki/Demo... ratieindex

Failed States Index -> http://www.foreignpolicy.com/images/fs... ex2008.jpg

salzstangerl1
26
29.7.2009, 13:42

Daran sind bestimmt die Nazi Schmirereien in Wien verantwortlich... das habt ihr nun davon.

frankiegoes
40
29.7.2009, 12:47
Darum geht es hier nicht

Diese Slogans fallen unter Tarnen-und-täuschen. Es geht darum vor den Wahlen nächstes Jahr die Macht und den Willen der Zentralregierung und der bestehenden Machtstrukturen zu testen. Es brodelt auch im Südwesten und -osten (im Delta sowieso). Die südlichen Landesteile haben genug von der sich ausweitend wollenden Hegemonie des Nordens, werden sich aber kaum zusammenraufen können. Der Norden sucht einen neuen starken Mann. Sogar über einen möglichen Militärputsch wird seit langer Zeit wieder ernsthaft gesprochen. Die Vorfälle jetzt in MaidugurI sind nur ein Vorgeplänkel, da kommt noch viel mehr.

Nine-Nine
 
03
29.7.2009, 18:35

Was haben diese Wahnsinnigen von Boko Haram jetzt genau mit einem Militärputsch zu tun, und warum greifen sie eine Stadt im muslimischen Norden an, wenn es um eine Ausweitung der nördlichen Hegemonie geht?

frankiegoes
00
30.7.2009, 09:31
Ohnmacht

Ein Land wie Nigeria kann man nicht mit europäischen Massstäben messen. Das braucht eine starke Hand im Zentrum, der man oft auch Unzulänglichkeiten nachsehen muss. Diese fehlt derzeit und dann versuchen alle möglichen Gruppierungen daraus vorteil zu ziehen, auch im Norden. Wird die Instabilität zu gross gibt das dem Militär einen Vorwand oder sogar berechtigten Grund einzuschreiten. Das Land in einen failed state zerfallen zu lassen kann ja nicht im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft liegen, in dem der Einwohner ohnehin nicht.

Fritz Wunderlich
02
30.7.2009, 09:46

warum nicht, den erdölreichen süden abspalten vom islamischen norden hätte durchaus strategischen reiz

Malkaye
00
für den süden ja, für die multis nicht

der süden ist das intellektuelle zentrum und bei weitem nicht so rückständig wie der norden. es gibt gruppen die groß genug wären um dem neuen land eine identität zu geben. - ich denke der süden, als biafra, könnte südafrika mittelfristig sogar konkurrenz machen. doch dann würde schlauerweise das öl nationalisiert und die multis müssten raus. der lähmende norden fördert die abhängigkeit nigerias und somit den profit der multis.

frankiegoes
00
30.7.2009, 10:13
Biafra

auch dieses Szenario wird immer wieder angedacht und es gibt mit dem Biafrakrieg (da ging's allerdings noch nicht ums öl) ein Beispiel. Das Problem liegt darin das der Süden ethnisch, religiös und dadurch auch politisch hoffnungslos (ja wirklich) zerspalten ist. In den Gebieten der beiden grösseren Gruppen, Yoruba im S'westen und Igbo im S'osten gibt's relativ wenig öl, dazwischen liegt das Delta (ehscho wissen). Im Norden selbst gibt's relativ wenig wirtschaftliche Aktivität und sicher nichts was annähernd an den Selbstläufer öl herankommt. Daher das unbedingte Streben des Nordens an der Macht zu bleiben.

donaquijote
00
30.7.2009, 13:05
ihre zustandsbild mit der dreiteilung nigerias sehe ich ähnlich. dennoch habe

ich eher den eindruck, als wollte sich der derzeitige präsident sehr wohl an europäischen massstäben messen. ohne unkritisch zur verteidigung anzutreten, hat er eine ganze reihe von maßnahmen u projekten laufen, die auf eine überwindung der alten strukturen hinzielt. momentan sieht es für mich so aus als würden "nationalistische" strömungen überall unruhe stiften - im süden wie jetzt auch im norden. das führt dazu, dass auch die bandenkriminaltität andere qualitäten bekommen hat. und nun leider, scheint die militärisch-polizeiliche gewaltlösung in selbstjustiz gegen mutmaßliche gewalttäter die einzige antwort. ist auch nicht die feine englische.
voraussetzung für sezessionskriege sehe ich keine, eher für putschgelüste der wahlverlierer.

Fritz Wunderlich
00
30.7.2009, 11:29

mehr denn je durch den zuzug vom norden

insertnamehere
 
05
29.7.2009, 15:46
Die wollen also NICHT die Scha ria im ganzen Land?

Der Freund Deiner Frau
142
29.7.2009, 13:46
THANXS

fuer Ihren Text, Sie scheinen zumindest ein bisschen mehr Ahnung von Nigeria (140000000 Mio Einwohner, zig Voelker und Sprachen) zu haben als die gruenstrichelnden Dumpfbacken die in diesem Forum gelandet sind. Angst vor dem Islam zu schueren scheint jedenfalls auch in OE zu funktionieren.
Es ist zum Kxxxxx!

Malkaye
00
bei allem respekt

ich habe mich lange gegen die oft ungerechtfertigte meinungsmache in den medien gegen muslimische völker gewehrt. aber nachdem ich nun ein jahr selbst in einem zu 95% muslimischen land in afrika lebte muss ich sagen, dass die welt so keine zukunft hat. der muslimische glaube ist einfach nicht als nebensache möglich. - ja oder nein, moslem oder ungläubig, paradies oder hölle, wahrheit oder haram.

jede religion ist gift, doch kaum eine so kurz vorm knall.

roundabout
16
29.7.2009, 11:21
Hoffentlich

gibt's in Nigeria keine Dänen.

aber nu
00
30.7.2009, 12:15
sicher gibts die.

wer glaubens denn, dass an der gerechten wut der kämpfer allahs WIRKLICH schuld ist?

Fritz Wunderlich
06
29.7.2009, 10:22

afghanistan, pakistan, jemen, somalia, sudan, algerien, marokko, mauretanien, senegal, nigeria
ausweitung der kampfzone

Srta. Ofelia
16
29.7.2009, 13:24

... Favoriten....

Der Freund Deiner Frau
102
29.7.2009, 13:37

Sie sprechen von der FPOE, oder?

FinalDestinati0n
01
29.7.2009, 13:10

Haben Sie da nicht ein paar Länder vergessen?

a grünes stricherl
 
03
29.7.2009, 12:13
auch in der türkei gibts bereits handfeste probleme mit islamisten

.. leider.

Avalancha
00
29.7.2009, 12:10

und Einschränkung der Urlaubszone ;)

Macho04
37
29.7.2009, 12:08
In Frankreich ist auch schon Kampfzone

Und die Gutmenschen wollen sie auch nach Österreich bringen!

jo eh
02
29.7.2009, 11:02

ägypten, indonesien, philippinen

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